{"id":1281,"date":"2023-04-12T18:04:03","date_gmt":"2023-04-12T18:04:03","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=1281"},"modified":"2023-04-14T10:18:39","modified_gmt":"2023-04-14T10:18:39","slug":"rohstoffsektor-die-wahrung-von-sicherheit-und-menschenrechten-zugunsten-von-frieden-und-entwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/1281\/rohstoffsektor-die-wahrung-von-sicherheit-und-menschenrechten-zugunsten-von-frieden-und-entwicklung\/","title":{"rendered":"Rohstoffsektor \u2013 die Wahrung von Sicherheit und Menschenrechten zugunsten von Frieden und Entwicklung"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Wie k\u00f6nnen L\u00e4nder den Ressourcenfluch \u00fcberwinden? Den Fluch, der darin besteht, dass die Bev\u00f6lkerung nicht von Investitionen in den Rohstoffsektor profitiert, sondern dass diese die Entwicklung untergraben und Konflikte sch\u00fcren? Welche Rolle spielt der Privatsektor bei der Befeuerung oder m\u00f6glicherweise der Durchbrechung dieses Kreislaufs? Das Genfer Zentrum f\u00fcr Gouvernanz im Sicherheitssektor DCAF arbeitet seit \u00fcber zehn Jahren an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Sicherheit und Menschenrechten und legt dabei den Fokus auf den Rohstoffsektor. Mit seinen Aktivit\u00e4ten ermutigt das DCAF Unternehmen, ihre negativen Auswirkungen zu mindern und einen positiven Beitrag zu Frieden und Entwicklung zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Weltweit lassen \u00d6l-, Gas- und Bergbauunternehmen ihren Gesch\u00e4ftsbetrieb von Sicherheitsdienstleistern sch\u00fctzen \u2013 sei es durch Vereinbarungen mit \u00f6ffentlichen Sicherheitskr\u00e4ften (nationale Polizei oder Streitkr\u00e4fte), interne Sicherheitsteams oder die Beauftragung privater Sicherheitsdienstleister. Menschliche Sicherheit h\u00e4ngt jedoch nicht nur vom Schutz des Verm\u00f6gens und der Mitarbeitenden des Unternehmens ab, sondern auch davon, dass die Gemeinschaften vor Ort das Unternehmen akzeptieren und sich sicher f\u00fchlen. Diese Symbiose beinhaltet komplexe \u00dcberlegungen f\u00fcr die Unternehmen, wie etwa die Kommunikation mit den Gastgemeinden, die Suche nach den Ursachen von Gewalt oder Konflikten und zu zeigen, dass ihre Investitionen einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Weitere Massnahmen umfassen die Festlegung klarer Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten zwischen Regierungen und Unternehmen f\u00fcr die \u00dcberwachung von Sicherheitsdienstleistern, die Sicherstellung von professionellem Verhalten und die Beseitigung etwaiger Missst\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Seit 2012 unterst\u00fctzt die Abteilung Frieden und Menschenrechte des Eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten eine strategische Partnerschaft zwischen DCAF und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), um Unternehmen in komplexen Kontexten dabei zu unterst\u00fctzen, die Menschenrechte einzuhalten und bei ihren Sicherheitsmassnahmen Konfliktsensibilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten. Die wichtigsten zwei Ressourcen, die DCAF und IKRK entwickelt haben, sind das <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.securityandhumanrightstoolkit.org\/\" target=\"_blank\">Security and Human Rights Toolkit<\/a> (\u00abToolkit zu Sicherheit und Menschenrechten\u00bb) und die Internetplattform <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/securityhumanrightshub.org\/\" target=\"_blank\">Knowledge Hub<\/a> (\u00abWissensdrehscheibe\u00bb). Dort erfahren die Unternehmen, wie sie konstruktive und vertrauensvolle Beziehungen zu den Gastgemeinden und Regierungen aufbauen und gleichzeitig sicherstellen k\u00f6nnen, dass ihre Sicherheitsdienstleister die Menschenrechte achten. Anhand praktischer Fallstudien und interaktiver Anleitungen bieten diese Tools den Unternehmen unter anderem pragmatische Schritte f\u00fcr den Umgang mit schwacher Gouvernanz, die F\u00f6rderung der Menschenrechte unter den Sicherheitskr\u00e4ften und die Sicherstellung eines inklusiven Engagements der Gemeinschaft.<br><br>Auf L\u00e4nderebene bef\u00e4higt DCAF nationale zivilgesellschaftliche Akteure zur \u00dcbernahme einer f\u00fchrenden Rolle bei der Zusammenf\u00fchrung von Unternehmens- und Regierungsvertreter:innen. Dabei werden Sicherheits- und Menschenrechtsverletzungen durch gemeinsames Engagement erkannt, verhindert und bereinigt. Die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.voluntaryprinciples.org\/\" target=\"_blank\">Freiwilligen Grunds\u00e4tze f\u00fcr Sicherheit und Menschenrechte<\/a> bilden einen wichtigen Rahmen f\u00fcr diese Bem\u00fchungen. Dabei handelt es sich um eine weltweite Initiative unter Einbezug mehrerer Interessengruppen, die die Umsetzung der bisher deutlichsten Darlegung von international bew\u00e4hrten Praktiken f\u00fcr verantwortungsvolle Sicherheitsverfahren in Unternehmen f\u00f6rdert. Die Arbeit von DCAF zur Umsetzung der Freiwilligen Grunds\u00e4tze wird durch die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/dcaf.ch\/security-and-human-rights-implementation-mechanism-shrim\" target=\"_blank\">Unterst\u00fctzung mehrerer Geber<\/a> erm\u00f6glicht \u2013 unter anderem von der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die F\u00f6rderung der Freiwilligen Grunds\u00e4tze durch DCAF in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) seit 2018 zeigt, wie eine lokal angepasste F\u00f6rderung der international bew\u00e4hrten Praktiken dazu beitragen kann, den Ressourcenfluch zu durchbrechen. DCAF unterst\u00fctzt kongolesische Nichtregierungsorganisationen bei der Einberufung von Arbeitsgruppen mit mehreren Parteien. Diese ermitteln die zentralen Herausforderungen f\u00fcr Sicherheit und Menschenrechte in den Gebieten mit handwerklichem Bergbau sowie Bergbau im kleinen Massstab in der \u00abKonfliktmineral\u00bb-Region im Osten der DRK, sowie in Gebieten mit gross angelegtem industriellem Bergbau im s\u00fcdlichen Kupfer-Kobalt-G\u00fcrtel der DRK, \u00fcberwachen sie und finden L\u00f6sungen daf\u00fcr. Die im Osten der DRK t\u00e4tige Gruppe hat <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.securityhumanrightshub.org\/node\/462\" target=\"_blank\">Erkenntnisse<\/a> \u00fcber die m\u00f6glichen positiven Auswirkungen eines Mehrparteien-Dialogs auf den Rohstoffsektor zusammengetragen. Diese enthalten konkrete Verbesserungen der Sicherheit und der Menschenrechte in den Bergbauanlagen <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.securityhumanrightshub.org\/node\/400\" target=\"_blank\">Twangiza<\/a>, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.securityhumanrightshub.org\/node\/401\" target=\"_blank\">Bitale<\/a> sowie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.securityhumanrightshub.org\/node\/402\" target=\"_blank\">Nyabibwe<\/a>. DCAF hat sich zudem verst\u00e4rkt f\u00fcr die Verbesserung der Menschenrechtsbilanz von Sicherheitsdienstleistern eingesetzt. Die Organisation f\u00f6rderte etwa die Kapazit\u00e4ten der Minenpolizei, um die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.pace-consortium.org\/en\/insights\/dcafblog\" target=\"_blank\">schlimmsten Formen der Kinderarbeit<\/a> in Minen zu verhindern und zu bek\u00e4mpfen. Zudem unterst\u00fctzte DCAF die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.securityhumanrightshub.org\/node\/543\" target=\"_blank\">Verbesserung der Sicherheits- und Menschenrechtspraktiken eines der weltweit gr\u00f6ssten chinesischen Kobaltf\u00f6rderers<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Schweiz ist ein bedeutender Rohstoff-Handelsplatz und beherbergt grosse, multinationale Rohstoffunternehmen. Das Land ist ein leitendes Mitglied der Initiative der Freiwilligen Grunds\u00e4tze und h\u00e4lt Produktionsl\u00e4nder wie die DRK nachdr\u00fccklich dazu an, sich der Initiative anzuschliessen. Zu diesem Zweck hat DCAF der Regierung der DRK zudem technische Unterst\u00fctzung geboten, damit sich diese sich um den Beitritt zur Initiative bewerben konnte. Ein positiver Bescheid wird f\u00fcr Mai 2023 erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Einen solchen Mehrparteienansatz verfolgt DCAF in verschiedenen herausfordernden Kontexten, die alle mit dem Abbau nat\u00fcrlicher Ressourcen zusammenh\u00e4ngen. In Mosambik arbeitet DCAF mit der Zivilgesellschaft, der Landesregierung, Unternehmen und internationalen Partnern zusammen, um herauszufinden, wie grosse internationale Unternehmen angesichts der bewaffneten Gewalt im Zusammenhang mit islamistischem Extremismus in der Provinz Cabo Delgado ihre Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit aufrechterhalten und einen positiven Beitrag zu Frieden und Entwicklung leisten k\u00f6nnen. In Lateinamerika unterst\u00fctzt DCAF das Engagement verschiedener Interessengruppen in Kolumbien. Die derzeitige Regierung stuft die Bereiche Wirtschaft, Sicherheit und Energie als vorrangig f\u00fcr die Festigung des Friedens und des Wohlstands sowie als Mittel zur Umsetzung der Empfehlungen aus dem Bericht der Wahrheitskommission (National Truth Commission) ein.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Angesichts des langsamen weltweiten \u00dcbergangs weg von fossilen Brennstoffen und des zunehmenden Bestrebens hin zur Gewinnung kritischer Mineralien oder anderer Ressourcen als Teil der Transition zur gr\u00fcnen Energie ist es immer dringender n\u00f6tig, sicherzustellen, dass Rohstoffunternehmen die Menschenrechte einhalten, konfliktsensibel agieren und, dass ihre Investitionen auch der lokalen Bev\u00f6lkerung zugutekommen. So negativ sich Unternehmen auf Rechteinhaber auswirken k\u00f6nnen, so positiv k\u00f6nnen sie auch zum Aufbau und zur St\u00e4rkung von Sicherheitsinstitutionen und zur Konfliktpr\u00e4vention beitragen. Trotz der weiterhin bestehenden Herausforderungen aufgrund politischer Str\u00f6mungen und Konfliktdynamiken auf Landes- und Regionalebene zeigen die Bem\u00fchungen von DCAF zur St\u00e4rkung des verantwortungsvollen Sicherheitsmanagements und zum Miteinbezug mehrerer Interessengruppen, wie nach und nach positive Ver\u00e4nderungen im Rohstoffsektor erzielt werden k\u00f6nnen. Dank des Engagements mehrerer Interessengruppen hat die gesamte Wirtschafts-, Menschenrechts- und Friedensf\u00f6rderungsgemeinschaft gelernt, wie wichtig Partnerschaften und gemeinsames Engagement sind. DCAF ist offen f\u00fcr die Zusammenarbeit mit allen Akteuren, die sich f\u00fcr diesen Ansatz interessieren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen L\u00e4nder den Ressourcenfluch \u00fcberwinden? 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