{"id":2162,"date":"2023-09-07T07:49:00","date_gmt":"2023-09-07T07:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=2162"},"modified":"2023-09-07T07:49:01","modified_gmt":"2023-09-07T07:49:01","slug":"militarisierung-und-die-suche-nach-einer-feministischen-friedenspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/2162\/militarisierung-und-die-suche-nach-einer-feministischen-friedenspolitik\/","title":{"rendered":"Militarisierung und die Suche nach einer feministischen Friedenspolitik"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die UNO-Sicherheitsratsresolution 1325 zu \u00abFrauen, Frieden und Sicherheit\u00bb galt insbesondere als Erfolg f\u00fcr Frauenorganisationen, weil sie erstmals die zentrale Rolle von Frauen in der Pr\u00e4vention und Aufarbeitung von Konflikten und in der Friedensf\u00f6rderung anerkannte. Unserer Arbeit bei PWAG mit gleichgesinnten Friedensorganisationen zur Umsetzung von 1325 zeigt jedoch: Die Anzahl von Frauen, die in Verhandlungsprozessen involviert ist, ist als Erfolgsmesser nicht ausreichend. Ausserdem wird Sicherheit in der Resolution zu militaristisch ausgelegt. Die strukturellen Ursachen von geschlechtsspezifischer Gewalt in Kriegen und bewaffneten Konflikten werden ausser Acht gelassen. Feministische Friedenspolitik blickt indes auf strukturell verankerte patriarchalische Machtverh\u00e4ltnisse. Sie steht f\u00fcr eine umfassend verstandene Sicherheit ein und geht gegen die Ursachen von geschlechtsspezifischer Gewalt an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu- statt Abnahme von Gewalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Militarisierung und Aufr\u00fcstung untermauern gewaltf\u00f6rmige, toxische M\u00e4nnlichkeiten, die im Alltag sichtbar sind und in Kriegszeiten besonders auff\u00e4llig werden. Der zunehmende Sicherheitsfokus, angeblich \u00abzum Schutz der Frauen\u00bb, greift aus feministischer Sicht nicht. Trotz der Forderung der Resolution 1325, Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu sch\u00fctzen, nimmt gerade in Zeiten von Krieg diese Art der Gewalt zu: als Waffe, im h\u00e4uslichen Bereich und in der Sprache. Das sind Tatsachen, die bei Friedensverhandlungen kaum beachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch w\u00e4hrend bewaffneten Konflikten k\u00fcmmern sich Frauen trotz widerw\u00e4rtigster Bedingungen um ihre N\u00e4chsten und um die Gemeinschaft. Ihre Resilienz und ihre Kompetenzen werden jedoch weder bei Friedensverhandlungen noch beim Wiederaufbau angemessen ber\u00fccksichtigt. Die Stimmen von lokalen Frauenorganisationen und -netzwerken werden bei Entscheiden zum Kriegsende und zum Wiederaufbau ignoriert. Infolgedessen wird nicht in notwendige gendergerechte Infrastruktur (Gesundheit, Wohnraum, Bildung) investiert, sondern in profitorientierte und m\u00e4nnerdominierte Sektoren wie Strassenbau und Industrie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie die Resolution 1325 ausgeh\u00f6hlt wird<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Friedenspolitik bedeutet aktuell vor allem ein Fokus auf Militarisierung und Sicherheit als technisch und milit\u00e4risch aufr\u00fcstbarer und steuerbare Zustand. Sie wird begleitet von einer wirtschaftlichen Entwicklung, die auf Gewinn und Profit setzt, insbesondere Investitionen in R\u00fcstungskonzerne, Rohstoffverarbeitung oder \u00dcberwachungstechnologien. Die menschenrechtsbasierte UNO-Resolution wird so aus Sicht eines feministischen Friedensverst\u00e4ndnisses ausgeh\u00f6hlt \u2013 auf Kosten von Frauen, deren Sorgearbeit die Grundlage einer sicheren Gesellschaft bildet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sicherheit durch konsequente Entmilitarisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine effektive feministische Friedenspolitik versteht, dass Sicherheit nicht durch Aufr\u00fcstung, Militarisierung und Bewaffnung geschaffen wird. Eine umfassende Sicherheit f\u00fcr alle und insbesondere f\u00fcr Frauen erfordert die konsequente Entmilitarisierung und Investitionen in soziale Infrastrukturen. So wird der von strukturellen patriarchalischen Machtverh\u00e4ltnissen geschaffenen Ungleichheit entgegengewirkt und gesellschaftliche Transformationen angeregt. Eine konsequente Umsetzung der Resolution 1325, welche die Teilnahme von Frauen an allen politischen Entscheidungsprozessen garantiert, muss ihre Forderungen, Bed\u00fcrfnissen und Vorschl\u00e4ge integrieren. Solang dies nicht der Fall ist, wird ein umfassender Frieden nie Realit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die UNO-Sicherheitsratsresolution 1325 zu \u00abFrauen, Frieden und Sicherheit\u00bb galt insbesondere als Erfolg f\u00fcr Frauenorganisationen, weil sie erstmals die zentrale Rolle von Frauen in der Pr\u00e4vention und Aufarbeitung von Konflikten und in der Friedensf\u00f6rderung anerkannte. 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