{"id":2436,"date":"2023-09-04T14:57:14","date_gmt":"2023-09-04T14:57:14","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=2436"},"modified":"2023-09-07T08:10:27","modified_gmt":"2023-09-07T08:10:27","slug":"staatsstreich-in-niger-so-wichtig-ist-es-frauen-von-anfang-an-in-die-friedensverhandlungen-miteinzubeziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/2436\/staatsstreich-in-niger-so-wichtig-ist-es-frauen-von-anfang-an-in-die-friedensverhandlungen-miteinzubeziehen\/","title":{"rendered":"Staatsstreich in Niger: wichtige Rolle der Frauen in Frieden und Sicherheit"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Interview mit Adama Dawaki, Redaktionsleiterin von \u00abLe Niger sur Kalangou\u00bb, Studio Kalangou Niger von C\u00e9line Kohlprath, Leiterin Kommunikation und Aussenbeziehungen<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Studio Kalangou ist ein Radio-Informationsprogramm, das t\u00e4glich von 52 Partnerstationen in f\u00fcnf Sprachen \u00fcbertragen wird und rund 80&nbsp;Prozent der nigrischen Bev\u00f6lkerung erreicht. Nach dem Staatsstreich vom 26.&nbsp;Juli 2023 verfolgt Studio Kalangou mit seinen 50 Journalist:innen sowie Korrespondent:innen weiterhin sein prim\u00e4res Ziel: die Verbreitung verl\u00e4sslicher und vielf\u00e4ltiger Informationen f\u00fcr alle Nigrer:innen<a>. <\/a>Adama Dawaki, Redaktionsleiterin der Sendung \u00abLe Niger sur Kalangou\u00bb, erz\u00e4hlt uns, wie wichtig es ist, Frauen von Anfang an in die Friedensverhandlungen miteinzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie gut sind Frauen aktuell, nach dem Staatsstreich, an den Verhandlungstischen vertreten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Leider sind sie an den inl\u00e4ndischen Gespr\u00e4chen in Niger sowie an den internationalen diplomatischen Verhandlungen der ECOWAS-L\u00e4nder und anderer L\u00e4nder ausserhalb des Kontinents \u00fcberhaupt nicht beteiligt. Das ist sehr schade. Das muss sich \u00e4ndern. Frauen m\u00fcssen von Krisenbeginn an die M\u00f6glichkeit zur Teilhabe am politischen Dialog haben und nicht erst im zweiten Schritt \u2013 in der Mediationsphase \u2013 zu Wort kommen. Diese Frauen sind am st\u00e4rksten von den Fragen rund um die menschliche Sicherheit betroffen. Sie sind f\u00fcr den Haushalt und die Kinder zust\u00e4ndig und stehen damit bei der Bew\u00e4ltigung von Krisen, von denen ihre Gemeinschaft betroffen ist, an vorderster Front oder werden herangezogen, um den Dialog wiederherzustellen. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Beteiligung von Frauen an Verhandlungen zu einem nachhaltigeren, dauerhafteren Frieden f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welchen H\u00fcrden stehen Journalistinnen gegen\u00fcber, die \u00fcber politische oder sicherheitsbezogene Themen berichten wollen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Journalistinnen arbeiten in den verschiedenen Redaktionen im ganzen Land. Wir sind aber immer noch untervertreten. Leider halten sich die Hierarchien und Stereotypen hartn\u00e4ckig und es gibt nur wenige Journalistinnen, die \u00fcber Themen aus Politik und Sicherheit berichten. In gewissen Redaktionen riskiert eine Journalistin, wenn sie ein politisches oder sicherheitsbezogenes Thema vorschl\u00e4gt, dass ihre Kompetenzen in Frage gestellt werden. Journalistinnen werden dort auf gesellschaftliche Themen reduziert. Der Weg ist also noch lang. Aber man kann ihn gehen. Pers\u00f6nlich wollte ich immer an den Ort des Geschehens reisen, mich mit der Bev\u00f6lkerung, den Gemeinschaften und den Politiker:innen austauschen, um mehr zu bewirken. Ich konnte im Verlauf meines Berufslebens einige interessante Adressen zusammentragen. Seit sieben Jahren arbeite ich bei Studio Kalangou und bin aktuell gemeinsam mit anderen Kolleginnen f\u00fcr die Sendung \u00abLe Niger sur Kalangou\u00bb zust\u00e4ndig, ein landesweites, interdisziplin\u00e4res Informationsmagazin.&nbsp;Gemeinsam mit unseren m\u00e4nnlichen Kollegen wollen wir Frauen in Gespr\u00e4chen und Foren eine Stimme geben. Leider findet man nicht so leicht Gespr\u00e4chspartnerinnen. Dabei liegt die B\u00fcrgerbeteiligung der Frauen im Land h\u00f6her als diejenige der M\u00e4nner. Bei demokratischen Prozessen stimmen vor allem Frauen ab. Es ist unsere Pflicht, ihnen eine Stimme zu geben und ihnen mehr Geh\u00f6r zu verschaffen, damit sie in unserer Gesellschaft ernst genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>W\u00fcrde sich der politische Lauf der Dinge ver\u00e4ndern, wenn Frauen mehr Geh\u00f6r f\u00e4nden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schwierig zu sagen. Sicher ist, dass Frauen einen besonderen Zugang zur Konfliktl\u00f6sung innerhalb ihrer Gemeinschaft haben. Sie k\u00f6nnen sie widerspiegeln und so \u00f6ffentliche Entscheidungsprozesse beeinflussen. Wenn man die Stimmen der Frauen in Sicherheitsfragen ignoriert, kann das dramatische Folgen haben. Ich komme zum Beispiel aus der Region Tillab\u00e9ri, wo die Grenzen von Niger, Mali und Burkina Faso zusammenlaufen. Seit etwa zehn Jahren gibt es dort Konfrontationen zwischen den Gemeinschaften und die Sicherheitslage verschlechtert sich aufgrund der Pr\u00e4senz nicht identifizierter bewaffneter Gruppen. Ackerbauern und \u2011b\u00e4uerinnen k\u00f6nnen nicht mehr auf ihre Felder und die Leute hungern. Fast 100\u2019000 Menschen sind bis heute aus der Region geflohen. Diese Situation kann so nicht anhalten, und das ist etwas, das die Frauen dieser Region schon lange sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Adama Dawaki, Redaktionsleiterin von \u00abLe Niger sur Kalangou\u00bb, Studio Kalangou Niger von C\u00e9line Kohlprath, Leiterin Kommunikation und Aussenbeziehungen Studio Kalangou ist ein Radio-Informationsprogramm, das t\u00e4glich von 52 Partnerstationen in f\u00fcnf Sprachen \u00fcbertragen wird und rund 80&nbsp;Prozent der nigrischen Bev\u00f6lkerung erreicht. 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