{"id":2885,"date":"2023-11-20T14:08:22","date_gmt":"2023-11-20T14:08:22","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=2885"},"modified":"2023-12-27T09:40:46","modified_gmt":"2023-12-27T09:40:46","slug":"gespraeche-im-norden-malis-sind-dringend-wieder-aufzunehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/2885\/gespraeche-im-norden-malis-sind-dringend-wieder-aufzunehmen\/","title":{"rendered":"Gespr\u00e4che im Norden Malis sind dringend wieder aufzunehmen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der von den malischen Beh\u00f6rden geforderte und im vergangenen Juni durch den UN-Sicherheitsrat beschlossene Abzug der Truppen der Mehrdimensionalen integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA) hat im Norden Malis gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen ausgel\u00f6st. Die \u00dcbergabe der UN-Milit\u00e4rbasen an die malische Armee war eine der gr\u00f6ssten Herausforderungen und hat zu starkem Widerstand durch einige bewaffnete Gruppen gef\u00fchrt, die das Friedensabkommen von 2015 unterzeichnet und sich im St\u00e4ndigen Strategischen Rahmen (Cadre strat\u00e9gique permanent, CSP) zusammengeschlossen haben. Die Feindseligkeiten treffen eine zehn Jahre lang durch dschihadistische Gewalt gepeinigte Bev\u00f6lkerung hart und haben bereits hunderte von Opfern und tausende Vertriebene gefordert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende von MINUSMA hat die bereits bestehenden Spannungen zwischen den nach den Staatsstreichen von 2020 und 2021 eingesetzten Regierungen und dem CSP weiter intensiviert. Im langwierigen Konflikt im Norden Malis gab es seit der Unabh\u00e4ngigkeit vier Rebellionswellen. 2015 kam unter der \u00c4gide Algeriens das Friedensabkommen zwischen der Regierung, separatistischen Bewegungen und regierungsbef\u00fcrwortenden Milizen zustande, das die K\u00e4mpfe zwischen Bamako und den bewaffneten Gruppen beendete.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die malische \u00dcbergangsregierung, die von der Gruppe Wagner unterst\u00fctzt wird, geh\u00f6rt die Wiedererlangung der Kontrolle \u00fcber die Milit\u00e4rbasen im Norden zur politischen Strategie mit dem Ziel, ihre Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber das gesamte Gebiet zu festigen. Die bewaffneten Gruppen des CSP wiederum sehen dies als Verstoss gegen das Abkommen von 2015 und die 2014 getroffenen Sicherheitsvereinbarungen und bef\u00fcrchten, eine Stationierung von Armeetruppen k\u00f6nnte die wirtschaftlichen und politischen Vorteile gef\u00e4hrden, die sie aus der Kontrolle dieser Gebiete ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings bergen die erneuten K\u00e4mpfe f\u00fcr die Kriegsparteien weitaus mehr Risiken als Chancen. Taktische Niederlagen oder ein m\u00f6gliches Treten auf der Stelle w\u00fcrde der Glaubw\u00fcrdigkeit der \u00dcbergangsregierung gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit in Bamako schaden, wohingegen die reine Kontrolle der Basen keine Garantie f\u00fcr die Wiederherstellung der staatlichen Autorit\u00e4t im Norden w\u00e4re. Eine Fortsetzung der K\u00e4mpfe w\u00fcrde die Differenzen der Tuareg- und Arabergemeinschaften, aus denen die Mitglieder des CSP stammen, zutage f\u00f6rdern und die Fortschritte hinsichtlich der autonomen lokalen Gouvernanz \u2013 einer zentralen Forderung der bewaffneten Gruppen \u2013 schw\u00e4chen. Die gewaltsamen Ausschreitungen w\u00fcrden die ohnehin schon katastrophale humanit\u00e4re Lage weiter versch\u00e4rfen, das Misstrauen zwischen den Gemeinden sch\u00fcren und die dschihadistischen Unruhen weiter befeuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Anstossen von Gespr\u00e4chen, die auf einen Waffenstillstand zwischen Bamako und dem CSP abzielen, ist in dieser Situation unumg\u00e4nglich. Die nationalen, regionalen und internationalen Akteure, die bei den malischen Parteien noch nicht in Ungnade gefallen sind, sollten sich sofort um den Dialog bem\u00fchen. Sicherlich ist die Situation durch den derzeitigen Stillstand im Friedensprozess und die geopolitischen Herausforderungen, die sich aus der Partnerschaft zwischen Mali und Russland ergeben, erschwert. Ohne ein Eingreifen und mit jedem neuen Gewaltausbruch r\u00fcckt jedoch die Aussicht auf ein schnelles Ende der K\u00e4mpfe und letztlich auf die Wiederaufnahme von Gespr\u00e4chen \u00fcber eine politische L\u00f6sung in weite Ferne. Ein eindeutiger milit\u00e4rischer Ausgang der gegenw\u00e4rtigen Auseinandersetzung ist weder realistisch noch w\u00fcnschenswert. Die j\u00fcngste Geschichte des Landes zeigt, dass nur ein hinreichend unterst\u00fctzter Verhandlungsprozess die Waffen zum Schweigen bringen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der von den malischen Beh\u00f6rden geforderte und im vergangenen Juni durch den UN-Sicherheitsrat beschlossene Abzug der Truppen der Mehrdimensionalen integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA) hat im Norden Malis gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen ausgel\u00f6st. 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