{"id":3153,"date":"2023-12-27T10:13:05","date_gmt":"2023-12-27T10:13:05","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=3153"},"modified":"2023-12-27T10:23:53","modified_gmt":"2023-12-27T10:23:53","slug":"gewalt-und-unsicherheit-in-der-region-tillaberi-auswirkungen-auf-frauen-und-madchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/3153\/gewalt-und-unsicherheit-in-der-region-tillaberi-auswirkungen-auf-frauen-und-madchen\/","title":{"rendered":"Gewalt und Unsicherheit in der Region Tillab\u00e9ri \u2013 Auswirkungen auf Frauen und M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie viele andere Teile der Liptako-Gourma-Region ist auch die Region Tillab\u00e9ri im Westen Nigers von einer schweren Sicherheitskrise betroffen. Zwischen 2017 und Mitte 2022 wurden mehr als 2\u2019500 Todesf\u00e4lle dokumentiert, was 52,8 % der landesweiten Gewalttaten in diesem Zeitraum ausmacht. Diese Krise wirkt sich auf die Gemeinschaften an vorderster Front aus, in einer Weise, die f\u00fcr Frauen, M\u00e4dchen, M\u00e4nner und Jungen gleich oder unterschiedlich sein kann. Die <a href=\"https:\/\/issafrica.org\/research\/west-africa-report\/niger-womens-views-on-insecurity-in-the-tillaberi-region\">Forschung<\/a> hat einige dieser geschlechtsspezifischen Auswirkungen beleuchtet, insbesondere die Zunahme der geschlechtsspezifischen Gewalt, einschliesslich der Kinderheirat. Niger weist bereits die weltweit gr\u00f6sste H\u00e4ufigkeit von Kinderheirat auf: 76 % der M\u00e4dchen werden vor 18 Jahren und 28 % vor 15 Jahren verheiratet &#8211; in der Regel mit viel \u00e4lteren M\u00e4nnern. In von Konflikten betroffenen Gebieten sind diese Raten sogar noch h\u00f6her, was h\u00e4ufig auf wirtschaftlichen Druck zur\u00fcckzuf\u00fchren ist und verarmte Familien dazu bringt, ihre M\u00e4dchen zu verheiraten, um die Zahl der Abh\u00e4ngigen zu verringern und sch\u00fctzende und unterst\u00fctzende B\u00fcndnisse mit den Familien der Ehem\u00e4nner zu schliessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinderheirat, die oft mit einer Zwangsheirat einhergeht, verletzt die Rechte und die menschliche Sicherheit junger M\u00e4dchen und setzt sie sexueller Gewalt, schweren k\u00f6rperlichen Sch\u00e4den und einem erh\u00f6hten Risiko der M\u00fcttersterblichkeit aus. Durch die fr\u00fche Geburt eines Kindes, bevor die K\u00f6rper der M\u00e4dchen dazu ausreichend entwickelt sind, werden Gesundheits- und Lebensrisiken erh\u00f6ht. Die Kinderheirat gef\u00e4hrdet auch die Zukunft der M\u00e4dchen, denn sie f\u00fchrt h\u00e4ufig dazu, dass sie von der Schule abgehen, in lebenslange wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit geraten und in eine Paardynamik eingebettet werden, die von Machtungleichgewichten gepr\u00e4gt ist und die Normalisierung h\u00e4uslicher Gewalt beg\u00fcnstigt. Umgekehrt verschlimmert die Schliessung von fast tausend Schulen aufgrund der unsicheren Lage in der Region (<a href=\"https:\/\/www.unicef.org\/media\/146866\/file\/Niger-Humanitarian-Flash-Update-No.05,-20-October-2023.pdf\">UNICEF-Zahlen bis Oktober 2023: 987<\/a>) das Risiko von Kinderheirat f\u00fcr M\u00e4dchen und die Anf\u00e4lligkeit von Jungen f\u00fcr die Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00e4hnlicher Weise erh\u00f6hen Gewalt und Unsicherheit das Risiko konfliktbedingter sexuelle Gewalt, die aufgrund der sozialen Stigmatisierung zu selten gemeldet wird. Solche Gewalt wird in der Regel mit nicht staatlichen bewaffneten Gruppen in Verbindung gebracht, kann aber auch Sicherheitskr\u00e4fte betreffen, was die Notwendigkeit einer systematischen Rechenschaftspflicht unterstreicht. Die Atmosph\u00e4re nach dem Staatsstreich vom 26. Juli 2023 macht eine solche Rechenschaftspflicht unwahrscheinlicher, da der zivile Raum geschrumpft ist, wodurch weniger sichere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kritik geboten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die finanzielle Abh\u00e4ngigkeit der Frauen von ihren Ehem\u00e4nnern wird zu einem erh\u00f6hten Gef\u00e4hrdungsrisiko, wenn diese M\u00e4nner Ziel von Angriffen werden. Die Notlage von Witwen und Waisenkindern ziviler m\u00e4nnlicher Opfer des Konflikts, die h\u00e4ufig mit wirtschaftlicher Not und Isolation konfrontiert sind, wird routinem\u00e4ssig \u00fcbersehen. Aufgrund der Krise sind die gesellschaftlichen Strukturen, die normalerweise Witwen und Waisen von V\u00e4tern unterst\u00fctzen &#8211; wie etwa die Grossfamilie -, tendenziell weniger zug\u00e4nglich und wirksam. Durch die erzwungene Vertreibung werden Grossfamilien auseinandergerissen und gemeinschaftliche Bindungen aufgel\u00f6st, wodurch Witwen und Waisen oft von traditionellen Unterst\u00fctzungsnetzen abgeschnitten werden. Staatliche Massnahmen m\u00fcssen ergriffen werden, um den weiteren Abstieg dieser Frauen und Kinder in extreme Armut oder in die F\u00e4nge bewaffneter Gruppen zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine umfassende Bew\u00e4ltigung der Sicherheitskrise in Tillab\u00e9ri erfordert einen Ansatz menschlicher Sicherheit, der die Auswirkungen der Geschlechterfrage ber\u00fccksichtigt. Eine direkte Konsultation der Gemeinschaft kann dazu beitragen, lokale Anliegen zu ermitteln, einen konstruktiven Dialog zu f\u00fchren und angemessene Antworten zu finden. Nach Geschlechtern aufgeschl\u00fcsselte Daten sind f\u00fcr die Gestaltung einer wirksamen \u00f6ffentlichen Politik und humanit\u00e4rer Bem\u00fchungen unerl\u00e4sslich und kommen allen Personen, die vom Konflikt betroffen sind, zugute, unabh\u00e4ngig von ihrem Geschlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie viele andere Teile der Liptako-Gourma-Region ist auch die Region Tillab\u00e9ri im Westen Nigers von einer schweren Sicherheitskrise betroffen. Zwischen 2017 und Mitte 2022 wurden mehr als 2\u2019500 Todesf\u00e4lle dokumentiert, was 52,8 % der landesweiten Gewalttaten in diesem Zeitraum ausmacht. 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