{"id":3241,"date":"2024-03-25T15:25:18","date_gmt":"2024-03-25T15:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=3241"},"modified":"2025-05-19T13:12:32","modified_gmt":"2025-05-19T13:12:32","slug":"aus-dem-elfenbeinturm-ins-scheinwerferlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/3241\/aus-dem-elfenbeinturm-ins-scheinwerferlicht\/","title":{"rendered":"Aus dem Elfenbeinturm ins Scheinwerferlicht"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die j\u00fcngsten Eskalationen der Konflikte in der Ukraine und in Israel\/Pal\u00e4stina haben Krieg in den medialen Fokus ger\u00fcckt. Mit dem zunehmenden Interesse steigt auch hier in der Schweiz der Druck, sich in den (sozialen) Medien zu positionieren &#8211; die Informationsflut \u00fcberfordert selbst Expert:innen. Anfang des Jahres zeigte uns ein Vorkommnis auf, wie die zunehmende Polarisierung zu Missverst\u00e4ndnissen, Emotionalisierung, sowie Desinformation f\u00fchren kann und im schlimmsten Fall gar die Existenz von zivilgesellschaftlichen Organisationen gef\u00e4hrden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Arbeit in von Konflikten betroffenen Gebieten ist es von gr\u00f6sster Wichtigkeit, moralische Bewertungen von Analysen zu trennen, die Narrative verschiedener (betroffener) Parteien zu hinterfragen, und im Sinne der Konfliktsensitivit\u00e4t stets verschiedene Perspektiven einzubeziehen. Eine besondere Herausforderung ergibt sich, wenn ebendiese T\u00e4tigkeiten pl\u00f6tzlich in einem ganz anderen Kontext \u2013 n\u00e4mlich fernab von Kriegsschaupl\u00e4tzen zuhause im idyllischen Liestal \u2013 politisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vergangenen Jahr war eine j\u00e4hrliche finanzielle Unterst\u00fctzung von swisspeace durch den Kanton Basel-Landschaft vorgesehen, nachdem zuvor ein entsprechender, von mehreren Parteien unterzeichneter Vorstoss vom Landrat mit einer klaren Mehrheit an die Regierung \u00fcberwiesen worden war. W\u00e4hrend der Budgetdebatte, vollzog ein einstiger Mitinitiant jedoch eine \u00fcberraschende Kehrtwende, und das Parlament folgte ihm in einer knappen Abstimmung, so dass der Beitrag abgelehnt wurde. Als Gr\u00fcnde f\u00fcr den Sinneswandel wurden Aussagen unseres Direktors genannt, die er als geladener Experte im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt in medialen Formaten get\u00e4tigt hatte. Bei den Statements handelte es sich um die analytische Einsch\u00e4tzung eines Akademikers, der bereits seit Jahrzehnten zu Frieden und Konflikt forscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Beunruhigend ist, dass die Ablehnung dieser Unterst\u00fctzungsvorlage einzig aufgrund dieser \u00f6ffentlichen Aussagen einer Person zu einem spezifischen Konflikt erfolgte, ohne Ber\u00fccksichtigung der allgemeinen Qualit\u00e4t der Forschung und Arbeit von swisspeace insgesamt. Im \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Protokoll der besagten Landratssitzung wurde die weitl\u00e4ufige Arbeit von swisspeace in anderen Konfliktkontexten zwar positiv hervorgehoben. Trotzdem gelang eine differenzierte Auseinandersetzung offenbar nicht. Sollte Forschung nicht ein Ort f\u00fcr These und Antithese sein, in dem kontroverse Ideen unabh\u00e4ngig von pers\u00f6nlichen \u00dcberzeugungen analysiert und besprochen werden? M\u00fcssen sich Institutionen, die teils mit \u00f6ffentlichen Geldern finanziert werden, selbst zensieren, um zu \u00fcberleben?<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeitig werfen hoch emotionalisierte Debatten, in denen wissenschaftlich abgest\u00fctzte \u00c4usserungen politisiert und f\u00fcr eigene Zwecke instrumentalisiert werden, eine zynische Aufmerksamkeitsspirale des hiesigen Publikums, sowie eine ethisch fragw\u00fcrdige Rezeption von medialen Inhalten viele Fragen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>In politisch st\u00fcrmischen Zeiten sind langfristige strategische Partnerschaften von essentieller Bedeutung f\u00fcr zivilgesellschaftliche Akteure. Denn ohne belastbare \u201ahomebase\u2018 k\u00f6nnen diese rasch in Schieflage geraten. F\u00fcr swisspeace erwiesen sich die vertrauensbasierten Beziehungen auf Bundes- und kantonaler Ebene sowie zur Universit\u00e4t Basel erneut als unsch\u00e4tzbarer Vorteil. Nichtsdestotrotz bedurfte es strategischem Geschick, zus\u00e4tzlichen Ressourcen und eines pers\u00f6nlichen Kampfgeists, sich angesichts eines medialen Unwetters nicht in den Elfenbeinturm zur\u00fcckzuziehen, sondern den Dialog zu suchen und den Diskurs auf eine sachliche, analytische Ebene zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dabei sind kommunikative Instrumente unerl\u00e4sslich. Nachhaltiger Frieden gelingt nur, wenn er von verschiedenen Seiten und auf diversen Ebenen unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngsten Eskalationen der Konflikte in der Ukraine und in Israel\/Pal\u00e4stina haben Krieg in den medialen Fokus ger\u00fcckt. Mit dem zunehmenden Interesse steigt auch hier in der Schweiz der Druck, sich in den (sozialen) Medien zu positionieren &#8211; die Informationsflut \u00fcberfordert selbst Expert:innen. 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