{"id":3397,"date":"2024-03-25T15:25:18","date_gmt":"2024-03-25T15:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=3397"},"modified":"2024-03-26T07:43:05","modified_gmt":"2024-03-26T07:43:05","slug":"frieden-wird-nicht-durch-kommunikation-gefoerdert-sondern-entsteht-durch-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/3397\/frieden-wird-nicht-durch-kommunikation-gefoerdert-sondern-entsteht-durch-dialog\/","title":{"rendered":"Frieden wird nicht durch Kommunikation gef\u00f6rdert, sondern entsteht durch Dialog"},"content":{"rendered":"\n<p>In Konfliktsituationen ist die strategische Kommunikation oder der bewusste Einsatz der Kommunikation oft wenig wirksam. Vorverfasste und einseitig, ohne Raum f\u00fcr Dialog verbreitete Nachrichten verbannen die Bev\u00f6lkerung in einen passiven Opferstatus. Konflikte lassen sich nur mit Zuh\u00f6ren, Verst\u00e4ndnis und Dialog l\u00f6sen. Professionelle, unabh\u00e4ngige und inklusive Medien k\u00f6nnen solche f\u00fcr die Konfliktbew\u00e4ltigung unerl\u00e4sslichen Gef\u00e4sse bieten, in denen ein Austausch m\u00f6glich ist. In L\u00e4ndern, in denen Konfliktl\u00f6sungs- oder Friedenskonsolidierungsprozesse keine Fremdw\u00f6rter sind, ist deshalb eine gefestigte Medienlandschaft mit einer grossen Vielfalt an \u00fcberregionalen und regionalen Medien ein vorrangiges Anliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Medienberichterstattung \u00fcber die Mediationsprozesse hat den Vorteil, dass alle beteiligten Parteien transparenter in den Dialog einbezogen werden. Die Bev\u00f6lkerung wird \u00fcber das Fortschreiten laufender Friedensprozesse informiert und die Beh\u00f6rden verstehen die Bed\u00fcrfnisse und Erwartungen der B\u00fcrger:innen. \u00dcberdies wird die Bev\u00f6lkerung je nach Sendungsformat veranlasst, in einen offenen Dialog zu treten und gemeinsam \u00fcber M\u00f6glichkeiten der Konfliktl\u00f6sung nachzudenken. Die Erfahrung zeigt, dass eine solche Friedensf\u00f6rderung \u00abvon unten her\u00bb oft zu einem robusteren und widerstandsf\u00e4higeren Frieden f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Graphique-1-ENG-1024x802.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3200\" width=\"748\" height=\"584\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Versammlung einer polarisierten Gesellschaft rund um ein gemeinsames Vers\u00f6hnungsprojekt setzt nicht nur eine \u2013 zumindest stillschweigende \u2013 Einigung \u00fcber das Ziel des Projekts, sondern auch ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine Komplexit\u00e4t voraus. Die \u00fcberregionalen und regionalen Medien sind mit den laufenden Prozessen oft bestens vertraut. Sie haben die verschiedenen Verhandlungsetappen genau verfolgt und kennen die Herausforderungen und Erwartungen der Bev\u00f6lkerung ebenso wie deren Verg\u00e4nglichkeit und Irrwege. Diese in den lokalen Sprachen kommunizierenden Medien ziehen meistens auch Randgebiete ein, die von internationalen Medien h\u00e4ufig vernachl\u00e4ssigt werden. Eine solche bev\u00f6lkerungsnahe Verbreitung kann in gewissen Konflikten ein erheblicher Vorteil sein, vor allem wenn die unzufriedensten Stimmen in der Hauptstadt mehr Gewicht haben oder \u00fcbervertreten sind. In Niger beispielsweise wurden die sch\u00e4rfsten Stimmen beim Staatsstreich von Juli 2023 Niamey zugeschrieben. Indem Studio Kalangou, das Medium der Stiftung Hirondelle, Randgruppen das Wort erteilte, konnte ein gewisses Gegengewicht geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>F\u00fcr eine Vers\u00f6hnung braucht es unabh\u00e4ngige und oft kritische Informationen<\/em><\/strong><strong><em><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngige, hochwertige, zug\u00e4ngliche und auch kritische Informationen sind unabdingbar, damit die B\u00fcrger:innen die Herausforderungen verstehen und sich in den Vers\u00f6hnungsprozess einbinden lassen. In gewissen Kontexten, in denen Friedensprozesse stattfinden, wird die Unabh\u00e4ngigkeit der Medien jedoch durch ihre (effektive oder angebliche) N\u00e4he zu einer Konfliktpartei und ihre strukturelle und redaktionelle Schw\u00e4che untergraben. In solchen F\u00e4llen sind die Medien in den Konflikt involviert und tragen negativ zur Verbreitung von Ger\u00fcchten und Verunglimpfung der Vermittlungsanstrengungen bei. F\u00fcr die Desinformation sind im \u00dcbrigen nicht nur die von den Konfliktparteien bewusst koordinierten oder top-down-beherrschten Prozesse verantwortlich. Desinformation wird auch durch Ger\u00fcchte verst\u00e4rkt, insbesondere wenn sie ein Informationsvakuum ausf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im digitalen Zeitalter ist der Kampf gegen Online-Desinformation \u00e4usserst anstrengend und zeitaufwendig geworden. Zahlreiche Medienentwicklungsorganisationen (MediaDev) verbinden \u00abDebunking\u00bb-Initiativen (Entmystifizierung von Falschmeldungen) inzwischen mit einer St\u00e4rkung der lokalen Informationsmedien, um das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen diesen Medien und ihrem Publikum zu f\u00f6rdern. Im Oktober 2023 hatte in Bangui ein Ger\u00fccht \u00fcber Rebellen, die angeblich die Stadt st\u00fcrmen wollten, zu einer Panikreaktion unter der zentralafrikanischen Bev\u00f6lkerung und zum Tod mehrerer Personen gef\u00fchrt, die zu fliehen versuchten. Vergeblich riefen die Beh\u00f6rden wiederholt zur Ruhe auf. Radio Ndeke Luka widmete darauf seine politische Diskussionssendung \u00abPatara\u00bb dieser Thematik. Das Zusammenbringen verschiedener Akteure rund um denselben Tisch erm\u00f6glichte die Wiederherstellung des Vertrauens in der Bev\u00f6lkerung und die R\u00fcckkehr zur Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Graphique-3-ENG-1-1024x506.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3208\" width=\"756\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Graphique-3-ENG-1-1024x506.png 1024w, https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Graphique-3-ENG-1-600x297.png 600w\" sizes=\"(max-width: 756px) 100vw, 756px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Medien und Friedensprozesse: eine im Vorfeld aufgebaute Partnerschaft<\/em><\/strong><strong><em><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um eine zuverl\u00e4ssige und zweckdienliche Berichterstattung \u00fcber Konfliktl\u00f6sungsprozesse sicherzustellen, m\u00fcssen Journalist:innen vorab in Mediationsfragen und Friedensprozessen ausgebildet werden und einen erleichterten Zugang zu den Informationen \u00fcber die laufenden Verhandlungen erhalten. Die an den Verhandlungen beteiligten Organisationen sind in Medienbeziehungen zu schulen und m\u00fcssen im Vorfeld die nationalen und regionalen professionellen Mediennetze identifizieren, die sich an die ethischen Standards halten. Die Journalism Trust Initiative (JTI) beispielsweise ist ein internationaler Mechanismus, der ethische journalistische Praktiken belohnt und den in der Mediation t\u00e4tigen Akteuren bei der Erfassung der lokalen Medien, mit denen eine Zusammenarbeit empfohlen wird, helfen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stiftung Hirondelle unterst\u00fctzt derzeit Medien in laufenden Konflikten, etwa in der Ukraine und in Myanmar, wo die Konfliktl\u00f6sungsprozesse ins Stocken geraten sind.&nbsp;In diesen beiden L\u00e4ndern setzt sie sich f\u00fcr den Betrieb und das \u00dcberleben unabh\u00e4ngiger Medien hoher Qualit\u00e4t sowie f\u00fcr die Befriedigung des Informationsbed\u00fcrfnisses vertriebener Bev\u00f6lkerungsgruppen und die Berichterstattung \u00fcber die Herausforderungen der Rechtsprechung im Rahmen dieser Konflikte ein. Eine unabh\u00e4ngige Berichterstattung und die St\u00e4rkung einer pluralistischen Medienlandschaft trotz Konflikt ist unabdingbar, damit der Bev\u00f6lkerung bei zuk\u00fcnftigen Friedensprozessen publikumsnahe, vertrauensw\u00fcrdige Medien zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Konfliktsituationen ist die strategische Kommunikation oder der bewusste Einsatz der Kommunikation oft wenig wirksam. Vorverfasste und einseitig, ohne Raum f\u00fcr Dialog verbreitete Nachrichten verbannen die Bev\u00f6lkerung in einen passiven Opferstatus. Konflikte lassen sich nur mit Zuh\u00f6ren, Verst\u00e4ndnis und Dialog l\u00f6sen. 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