{"id":4624,"date":"2024-12-18T09:43:25","date_gmt":"2024-12-18T09:43:25","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=4624"},"modified":"2024-12-18T09:43:25","modified_gmt":"2024-12-18T09:43:25","slug":"el-salvador-wie-textilarbeiterinnen-zu-ihren-rechten-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/4624\/el-salvador-wie-textilarbeiterinnen-zu-ihren-rechten-kommen\/","title":{"rendered":"El Salvador \u2013 Wie Textilarbeiterinnen zu ihren Rechten kommen"},"content":{"rendered":"\n<p>Er bezeichnet sich als den \u00abcoolsten Diktator der Welt\u00bb: Nayib Bukele, seit 2019 Pr\u00e4sident von El Salvador. Seine Erstwahl, welche die EU noch als <a href=\"https:\/\/www.ecoi.net\/de\/dokument\/2020739.html\">\u00abglaubhaft, transparent und gut organisiert <\/a>\u00a0bezeichnete, hatte er klar gewonnen. Seine Wiederwahl im vergangenen Februar war jedoch widerrechtlich, <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2024\/02\/09\/nach-den-wahlen-el-salvador-mit-punitivem-populismus-zur-einparteienherrschaft\">da sechs Verfassungsartikel<\/a> eigentlich die direkte Wiederwahl des Pr\u00e4sidenten verbieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem bleibt Bukele popul\u00e4r, und das aus dem Grund: angetreten ist er mit dem Versprechen, die Bandengewalt zu zerschlagen. Immerhin hatte El Salvador vor seiner \u00c4gide die weltweit h\u00f6chste Mordrate. Heute ist diese rekordverd\u00e4chtig tief.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grundrechte verh\u00f6kert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bukeles Rezept: eine Politik, die vor allem auf willk\u00fcrliche Verhaftungen setzt. Zehntausende, darunter Kinder, liess er bereits einsperren. Am Ende der Kausalkette steht aber oft eine Frau, die wegen der staatlichen Willk\u00fcr allein f\u00fcr den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen muss. Eine Frau, die so anf\u00e4llig f\u00fcr ausbeuterische Arbeitsbedingungen wird. Zudem bleibt die Gewalt gegen Frauen alarmierend, denn in El Salvador wird t\u00e4glich eine Frau ermordet \u2013 von einem Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Bruno Essig, Lateinamerika-Programmverantwortlicher von Br\u00fccke Le Pont berichtet von besorgniserregenden ausbeuterischen Verh\u00e4ltnissen: \u00abDen Textilarbeiterinnen wird der Lohn nicht ausbezahlt, sie machen unbezahlte \u00dcberstunden und haben keine Sozialleistungen. Zu sexuellen Bel\u00e4stigungen kommt es h\u00e4ufig.\u00bb Die schlechten Arbeitsbedingungen h\u00e4tten oft chronische Gesundheitssch\u00e4den zur Folge, so Essig weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Kontext hat Br\u00fccke Le Pont ein Projekt etabliert, das sowohl demokratische Strukturen als auch Frauenrechte st\u00e4rkt. Im Rahmen dieses Projekts st\u00fctzt sich Br\u00fccke Le Pont auf das Arbeitsrecht, um zur Verbesserung des Lebens der Textilarbeiter:innen beizutragen. Zudem verfolgt die Organisation mit der auf Frauenrechte spezialisierten NGO Ormusa seit \u00fcber zehn Jahren einen mehrdimensionalen Ansatz: die Unterst\u00fctzung der Betroffenen vor Gericht und die St\u00e4rkung staatlicher Strukturen. Seit 2019 f\u00f6rdert das Projekt den Ausbau der Staatsanwaltschaft durch eine Erweiterung der erbrachten Dienstleistungen, damit mehr Gebiete und somit mehr Menschen erreicht werden. Zus\u00e4tzlich werden Weiterbildungen f\u00fcr Anw\u00e4lt:innen im Bereich Arbeitsrecht mit Fokus auf Gender- und Menschenrechte angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Millionen f\u00fcr Gesch\u00e4digte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der nachhaltige Ansatz, den Br\u00fccke Le Pont in allen Projekten verfolgt, wird dabei evident. \u00abWir haben aktiv darauf hingearbeitet, dass der Staat selbst die Bek\u00e4mpfung von Arbeitsrechtsverletzungen priorisiert. Es ist uns wichtig, dass die Menschen vor Ort das Projekt tragen\u00bb, erkl\u00e4rt Essig.<\/p>\n\n\n\n<p>So arbeitet Br\u00fccke Le Pont seit sechs Jahren auch mit der salvadorianischen Staatsanwaltschaft zusammen. Gerichtsvollstrecker:innen verfolgen heute Arbeitsrechtsverletzungen. Die Stellen wurden neu geschaffen, sind Resultat jahrelanger Zusammenarbeit. Die L\u00f6hne zahlt die Generalstaatsanwaltschaft. In den vergangenen f\u00fcnf Jahren haben \u00fcber 4000 Arbeitnehmende Entsch\u00e4digungen von rund 9.3 Millionen US-Dollar erhalten, bei einem j\u00e4hrlichen Projektbudget von durchschnittlich 60&#8217;000 Franken.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade der Kontext um Bukele zeigt, dass das Projekt relevant bleibt. Es ist zwar richtig, dass vor allem junge M\u00e4nner willk\u00fcrlich inhaftiert werden, jedoch m\u00fcssen die sicherheitspolitischen und sozio\u00f6konomischen Folgen, die dies f\u00fcr Frauen hat, dringend behandelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er bezeichnet sich als den \u00abcoolsten Diktator der Welt\u00bb: Nayib Bukele, seit 2019 Pr\u00e4sident von El Salvador. Seine Erstwahl, welche die EU noch als \u00abglaubhaft, transparent und gut organisiert \u00a0bezeichnete, hatte er klar gewonnen. Seine Wiederwahl im vergangenen Februar war jedoch widerrechtlich, da sechs Verfassungsartikel eigentlich die direkte Wiederwahl des Pr\u00e4sidenten verbieten. Trotzdem bleibt Bukele <a href=\"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/4624\/el-salvador-wie-textilarbeiterinnen-zu-ihren-rechten-kommen\/\" class=\"more-link\">&#8230;<span class=\"screen-reader-text\">  El Salvador \u2013 Wie Textilarbeiterinnen zu ihren Rechten kommen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":4618,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":""},"categories":[73],"tags":[],"issue":[326],"acf":[],"author_meta":{"display_name":"\u00e0 propos","author_link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/author\/apropos\/"},"featured_img":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/a-propos-Bild-Brucke-187-600x332.png","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/category\/reports-de\/\" class=\"advgb-post-tax-term\">Dossier<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Dossier<\/span>"]}},"comment_count":0,"relative_dates":{"created":"Posted 2 years ago","modified":"Updated 2 years ago"},"absolute_dates":{"created":"Posted on December 18, 2024","modified":"Updated on December 18, 2024"},"absolute_dates_time":{"created":"Posted on December 18, 2024 9:43 am","modified":"Updated on December 18, 2024 9:43 am"},"featured_img_caption":"","series_order":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4624"}],"collection":[{"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4624"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4624\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4913,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4624\/revisions\/4913"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4618"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4624"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4624"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4624"},{"taxonomy":"issue","embeddable":true,"href":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/wp-json\/wp\/v2\/issue?post=4624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}