{"id":4681,"date":"2024-12-18T09:43:25","date_gmt":"2024-12-18T09:43:25","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=4681"},"modified":"2024-12-18T09:43:25","modified_gmt":"2024-12-18T09:43:25","slug":"30-jahre-frauen-fuer-den-frieden-in-kolumbien-was-kann-die-schweiz-aus-kolumbiens-erstem-nationalen-aktionsplan-1325-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/4681\/30-jahre-frauen-fuer-den-frieden-in-kolumbien-was-kann-die-schweiz-aus-kolumbiens-erstem-nationalen-aktionsplan-1325-lernen\/","title":{"rendered":"30 Jahre Frauen f\u00fcr den Frieden in Kolumbien \u2013 Was kann die Schweiz aus Kolumbiens erstem Nationalen Aktionsplan 1325 lernen?"},"content":{"rendered":"\n<p>K\u00e4mpfe f\u00fcr Frauenrechte und feministische Friedensf\u00f6rderung koexistieren seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Es war jedoch erst mit der Verabschiedung der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrats im Jahr 2000 und ihrer neun nachfolgenden Resolutionen\u00b9, dass das internationale Recht begann, die Agenda \u201eFrauen, Frieden und Sicherheit\u201c (WPS-Agenda) zu gestalten und ihre zentrale Rolle in Friedensverhandlungen, Konfliktl\u00f6sungen und Sicherheitsfragen anzuerkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfahrung der lokalen Umsetzung der Resolution 1325 durch Nationale Aktionspl\u00e4ne und die schrittweise implementierung dieser Agenda verlief unterschiedlich und bietet wertvolle&nbsp; Erkenntnisse, die \u00fcber den urspr\u00fcnglichen Rahmen hinausgehen. In Kolumbien haben Frauen- und Friedensbewegungen seit \u00fcber 30 Jahren erfolgreich politische, rechtliche und \u00dcbergangsjustiz-Transformationen vorangetrieben, um eine L\u00f6sung des bewaffneten Konflikts zu erm\u00f6glichen\u2014trotz des Fehlens eines Nationalen Aktionsplans.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten zwei Jahrzehnten hat Kolumbien Friedensabkommen mit zwei bewaffneten Gruppen unterzeichnet, Prozesse der \u00dcbergangsjustiz eingeleitet und die Rechte der Opfer anerkannt. Dennoch besteht Kriminalit\u00e4t weiter fort, und der Frieden bleibt aus. Um der anhaltenden Gewalt zu begegnen, f\u00f6rdert die nationale Regierung mehrere Dialoge und Verhandlungen mit verschiedenen bewaffneten Akteuren gleichzeitig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kolumbianische Frauen- und Friedensbewegung ist breit und vielf\u00e4ltig und umfasst starke Organisationen, Netzwerke und F\u00fchrungsfiguren auf nationaler und lokaler Ebene. In mehreren F\u00e4llen hat die Frauenbewegung Friedensprozesse unterst\u00fctzt, gef\u00f6rdert und \u00fcberwacht, Opferentsch\u00e4digungen vorangetrieben und die strukturellen Ver\u00e4nderungen gefordert, die in den Friedensabkommen vorgesehen sind. So haben die Allianzen zwischen Friedensaktivistinnen, dem Staat, der internationalen Gemeinschaft und den Verhandlungsparteien die WPS-Agenda in Kolumbien zum Leben erweckt.<\/p>\n\n\n\n<p>In den 1990er-Jahren, nach der Verfassung von 1991, erlangten kolumbianische Frauen die Anerkennung ihres Rechts auf Gleichheit, nachdem sie ihre Gemeinschaften vor bewaffneten Akteuren verteidigt und feministische M\u00e4rsche f\u00fcr Frieden und Gewaltlosigkeit organisiert hatten. In den 2000er-Jahren dokumentierten und klagten sie die unterschiedlichen Auswirkungen und unverh\u00e4ltnism\u00e4ssigen Folgen des Krieges auf Frauen ein, was schliesslich zur Annahme eines verfassungsm\u00e4ssigen Schutzes der Rechte von Frauen und M\u00e4dchen f\u00fchrte, die Opfer von Zwangsvertreibungen wurden.\u00b2<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2011 wurden bedeutende Fortschritte bei der Entsch\u00e4digung weiblicher Opfer und der Anerkennung des Zusammenhangs zwischen patriarchaler Gewalt im Alltag und ihrer Versch\u00e4rfung w\u00e4hrend des Konflikts erzielt. Mit dieser Erfahrung und einer gest\u00e4rkten Bewegung konnten Frauen an den Friedensprozessen teilnehmen und Einfluss nehmen sowie die WPS-Agenda im Abkommen zwischen der Regierung und der FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia &#8211; Ej\u00e9rcito del Pueblo), der m\u00e4chtigsten bewaffneten Gruppe, verankern. Heute setzen sich Friedensaktivistinnen weiterhin mit der humanit\u00e4ren Krise auseinander, \u00fcberwachen die Umsetzung des Friedensabkommens und bem\u00fchen sich um Beteiligung an laufenden Verhandlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahl der aktuellen Regierung im Jahr 2022 brachte neue Hoffnung, dass Resolution 1325 \u00fcber ein Instrument der Interessenvertretung hinausgehen und zu einer staatlichen Politik umgesetzt w\u00fcrde. Fast 24 Jahre nach der ersten Annahme der WPS-Agenda steht Kolumbien kurz davor, seinen ersten Nationalen Aktionsplan f\u00fcr Resolution 1325 (NAP 1325) umzusetzen, der bis Ende 2024 lanciert werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Der NAP 1325 enth\u00e4lt innovative Elemente, die darauf abzielen, den Handlungsspielraum der Agenda zu erweitern, um aktuellen Friedens- und Sicherheitsherausforderungen von Frauen zu begegnen. \u00dcber 1&#8217;500 Frauen aus dem ganzen Land nahmen an der ersten Entwurfsphase teil. Im Gegensatz zu anderen NAPs, die sich auf die Aussenpolitik konzentrieren, richtet sich Kolumbiens Plan auf die Innenpolitik. Zudem verfolgt er einen intersektionalen Ansatz, um die Diversit\u00e4t der Frauen anzuerkennen, und verpflichtet 33 Institutionen zu seiner Umsetzung und Finanzierung \u00fcber die n\u00e4chsten zehn Jahre. Der Plan priorisiert Themen wie Migration, wirtschaftliche Autonomie, sexuelle und reproduktive Gewalt, die Umweltkrise durch extraktive Industrien, den Schutz von Territorien, indigene und afrokolumbianische V\u00f6lker und ihr \u00fcberliefertes Wissen sowie Diskussionen \u00fcber feministische Sicherheit und psychische Gesundheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdessen erarbeitet die Schweiz ihren f\u00fcnften NAP 1325. PeaceWomen Across the Globe war zusammen mit Frieda \u2013 der feministischen Friedensorganisation und KOFF\/swisspeace f\u00fcr den Bericht mit den Priorit\u00e4ten und Empfehlungen der Zivilgesellschaft verantwortlich. Das Beispiel Kolumbiens unterstreicht die Bedeutung der Einbindung vielf\u00e4ltiger Frauenorganisationen sowohl f\u00fcr die Ausarbeitung als auch f\u00fcr die Umsetzung des NAP. Sie sind diejenigen, die f\u00fcr Frieden und Sicherheit gek\u00e4mpft haben, mit oder ohne NAP. Ihre Erfahrungen sind entscheidend, um die genannten Themen, die die Sicherheit von Frauen beeinflussen, zu positionieren. Es ist von zentraler Bedeutung, aktuelle Sicherheitsherausforderungen aus einer Geschlechterperspektive anzugehen. Dies bedeutet, sich von traditionellen, staatenzentrierten Sicherheitskonzepten zu entfernen und hin zu feministischen und menschenzentrierten Sicherheitsprinzipien.<\/p>\n\n\n\n<p>Kolumbien hat, wie andere L\u00e4nder wie Kanada und Deutschland, verstanden, dass die Wirkung von NAPs eine effektive Zusammenarbeit zwischen Frauenorganisationen, Innenpolitik, Aussenpolitik und allen staatlichen Institutionen erfordert. Die Herausforderungen dieses Prozesses anzunehmen bedeutet, dass die Schweiz diskutieren muss, was es bedeutet, sich voll und ganz der WPS-Agenda zu verpflichten. Es ist nicht plausibel, die WPS-Agenda in der Aussenpolitik zu positionieren und nicht angemessene Massnahmen im Inland zu ergreifen. Die Schweiz mag nicht mit einem bewaffneten Konflikt wie Kolumbien konfrontiert sein, aber wie in Kolumbien verstehen Frauenorganisationen, dass es bei der WPS-Agenda darum geht, Krieg zu verhindern, nicht ihn f\u00fcr Frauen sicherer zu machen.\u00b3 Unsere Expertise und Erfahrung positionieren uns als Schl\u00fcsselakteurinnen, sowohl bei der Gestaltung als auch bei der Umsetzung der WPS-Agenda.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00e4mpfe f\u00fcr Frauenrechte und feministische Friedensf\u00f6rderung koexistieren seit Beginn des 20. Jahrhunderts. 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