{"id":4759,"date":"2024-12-18T09:43:25","date_gmt":"2024-12-18T09:43:25","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=4759"},"modified":"2024-12-18T09:43:25","modified_gmt":"2024-12-18T09:43:25","slug":"peru-mehr-gerechtigkeit-fuer-opfer-sexueller-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/4759\/peru-mehr-gerechtigkeit-fuer-opfer-sexueller-gewalt\/","title":{"rendered":"Peru \u2013 Mehr Gerechtigkeit f\u00fcr Opfer sexueller Gewalt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ende Mai 2024 schlug die indigene Anf\u00fchrerin und Lehrerin, Rosemary Pioc, im Namen des regionalen Frauenrates der Awajun und Wampis Alarm. Ihren Recherchen zufolge erfuhren zwischen 2010 und 2024 mindestens 520 Sch\u00fcler:innen sexualisierte Gewalt durch ihre Dozierenden. Rosemary kritisierte die Gleichg\u00fcltigkeit, Straflosigkeit sowie Korruption der Beh\u00f6rden, da weder die Justiz noch die zust\u00e4ndigen Institutionen die Opfer sch\u00fctzen konnten. Im Juni waren noch 80% der 524 beschuldigten Lehrkr\u00e4fte weiterhin als Dozierende in der Amazonas-Region t\u00e4tig<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beh\u00f6rden in Lima versuchten zun\u00e4chst, die Enth\u00fcllungen herunterzuspielen, in dem sie die \u00abkulturelle Praktiken zur Familienbildung\u00bb der indigenen Gemeinschaften unter Hauptverdacht stellten &#8211; eine rassistische Opferbeschuldigung, welche f\u00fcr einen zivilgesellschaftlichen Aufschrei der Emp\u00f6rung und f\u00fcr Protest sorgten. In Peru werden laut UNICEF tagt\u00e4glich 34 Minderj\u00e4hrige Opfer sexueller Gewalt, 92% davon M\u00e4dchen. 4.75 unter 15-j\u00e4hrige M\u00e4dchen geb\u00e4ren t\u00e4glich ein Kind infolge von Missbrauch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Transformative Strategien gegen sexualisierte Gewalt<\/strong><br>Das Peruanische Frauenzentrum (PFZ) Flora Tristan, eine feministische Partnerorganisation von Mission 21, setzt sich seit mehr als 45 Jahren f\u00fcr die Verteidigung der Frauenrechte ein. Ihr Ziel ist die Verteidigung des Rechts auf ein gewaltfreies Leben und der Geschlechtergerechtigkeit. Sie sensibilisiert Beh\u00f6rden, organisiert \u00f6ffentliche Proteste und treibt Gesetzesreformen voran. In den indigenen Gemeinschaften, in denen sie arbeiten, entwickeln sie im interkulturellen Dialog kontextspezifische Strategien &#8211; dies meist im Spannungsfeld von Schl\u00fcsselfaktoren wie Geschlecht, Armut, Rassismus, Auswirkungen des Klimawandels und Ausbeutung der Natur durch (il)illegale Akteur:innen. Theaterp\u00e4dagogische Methoden wie das Soziodrama erm\u00f6glichen die Enttabuisierung und erleichtern das Benennen des Strafgegenstandes durch die Betroffenen selbst. Alltagsrealit\u00e4ten werden nachgespielt und geben gleichzeitig dem Kollektiv die M\u00f6glichkeit, \u00fcber das Geschehene zu reflektieren, ihre Rechte kennenzulernen sowie Anlauf- und Vollzugsstellen zu identifizieren und anzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pr\u00e4vention von sexualisierter Gewalt findet dabei auch in Verbindung mit Strategien zur F\u00f6rderung \u00f6kologischer Landwirtschaft, Einkommensf\u00f6rderung und politischer Beteiligung von Frauen statt. Frauen und Frauenvereine werden zu Wissensquellen f\u00fcr Bodenfruchtbarkeit, sichern den Zugang zu n\u00e4hrstoffreicher Nahrung f\u00fcr ihre Haushalte und Gemeinschafen und schaffen nebenbei Einkommen. So werden sie zu Schl\u00fcsselakteurinnen im Klimaschutz und gewinnen mehr Einfluss in Haushalt und Gemeinschaft, was auch die Pr\u00e4vention enorm verbessert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft schrumpft<\/strong><br>Sexualisierte Gewalt, die die minderj\u00e4hrigen indigenen Awajun und Wampis erfahren, haben gravierende Folgen f\u00fcr die k\u00f6rperliche und geistige Gesundheit: sexuell \u00fcbertragbare Krankheiten wie AIDS, ungewollte Schwangerschaften und Suizide. Wo der Staat versagt, sind starke Frauenfiguren und zivilgesellschaftliche Organisationen wie das PFZ Flora Tristan unverzichtbar. Ihr Handlungsspielraum schrumpft jedoch. Lautstark erklingen seit 2022 Proteste und Forderungen gegen den Gender Backlash und systematischen Demokratieabbau in Peru. Letzterer befeuert die sexualisierte Gewalt zus\u00e4tzlich und wirft die politischen Bem\u00fchungen und rechtlichen Errungenschaften im Bereich Chancengleichheit der Geschlechter um Jahrzehnte zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Mai 2024 schlug die indigene Anf\u00fchrerin und Lehrerin, Rosemary Pioc, im Namen des regionalen Frauenrates der Awajun und Wampis Alarm. Ihren Recherchen zufolge erfuhren zwischen 2010 und 2024 mindestens 520 Sch\u00fcler:innen sexualisierte Gewalt durch ihre Dozierenden. 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