{"id":5036,"date":"2025-03-25T06:51:49","date_gmt":"2025-03-25T06:51:49","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=5036"},"modified":"2025-03-25T08:22:18","modified_gmt":"2025-03-25T08:22:18","slug":"interview-auf-die-zerstreuung-des-medieninteresses-reagieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/5036\/interview-auf-die-zerstreuung-des-medieninteresses-reagieren\/","title":{"rendered":"Interview \u2013 Auf die Zerstreuung des Medieninteresses reagieren"},"content":{"rendered":"\n<p>Nicolas Boissez, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Fondation Hirondelle, spricht \u00fcber die Erfahrungen, welche die Organisation in den letzten 30 Jahren in Konfliktgebieten gesammelt hat &#8211; auch in Kontexten, die von manchen als \u00abvergessene Konflikte\u00bb bezeichnet werden. In diesem Interview diskutieren wir die Auswirkungen auf die lokale Bev\u00f6lkerung, die Finanzierung und das Gleichgewicht der Stiftung, die Notwendigkeit der Weiterf\u00fchrung des Betriebs und die Bedeutung der Lobbyarbeit. Es verdeutlicht die st\u00e4ndigen Herausforderungen, mit denen die Stiftung konfrontiert ist, und unterstreicht, wie wichtig es ist, den Zugang zu Informationen zu gew\u00e4hrleisten, selbst wenn die Aufmerksamkeit der Medien ausbleibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In welchen Kontexten arbeitet Fondation Hirondelle, und w\u00fcrden Sie einige davon als vergessene Konflikte bezeichnen?<\/strong><br>Fondation Hirondelle ist derzeit in elf Krisen- oder Langzeitkonfliktgebieten t\u00e4tig, darunter in der Sahelzone (Mali, Niger, Burkina Faso), Zentralafrika (Demokratische Republik Kongo, Zentralafrikanische Republik), der Ukraine und in Myanmar. Diese Gebiete &#8211; insbesondere die Sahelzone, die Zentralafrikanische Republik und Myanmar &#8211; verschwinden oft aus den internationalen Schlagzeilen, vor allem angesichts der anhaltenden Krisen im Nahen Osten und in der Ukraine. Ich bin jedoch vorsichtig mit dem Begriff \u00abvergessener Konflikt\u00bb. Vor Ort gibt es zahlreiche humanit\u00e4re und Entwicklungsorganisationen, internationale Missionen und Journalist:innen &#8211; sofern sie nicht von den \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden ausgewiesen werden. Die Zentralafrikanische Republik beispielsweise bekommt zwar nur wenig Aufmerksamkeit in den Medien, erh\u00e4lt aber dennoch umfangreiche Entwicklungshilfe, etwa von der Europ\u00e4ischen Union, und ist Standort einer UN-Friedensmission. Auch wenn diese Konflikte in der Welt\u00f6ffentlichkeit und bei westlichen Politiker:innen in Vergessenheit geraten sind, werden sie von lokalen und internationalen Akteur:innen nicht ausgeblendet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beeinflussen diese Schwankungen in der Medienaufmerksamkeit die internationale finanzielle F\u00f6rderung?<\/strong><br>Ja, Fondation Hirondelle hat seit ihrer Gr\u00fcndung beobachtet, dass sich die Mittel tendenziell in Richtung neuer oder sich versch\u00e4rfender Krisen verlagern. In j\u00fcngster Zeit haben der Krieg in der Ukraine oder die Situation im Nahen Osten zu einer Umverteilung der Mittel in diese Regionen gef\u00fchrt, manchmal auf Kosten von Kontexten wie der Sahelzone oder Myanmar. In einigen F\u00e4llen mussten wir erhebliche K\u00fcrzungen der finanziellen Mittel hinnehmen. In der Zentralafrikanischen Republik zum Beispiel gab es Zeiten, in denen nur sehr wenige Geldgeber:innen unser lokales Medienunternehmen, Radio Ndeke Luka, den meistgeh\u00f6rten Radiosender des Landes, unterst\u00fctzten. Die Stiftung musste ihre eigenen Mittel einsetzen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, was unsere finanzielle Stabilit\u00e4t schw\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie reagieren Sie auf diese schwankende Unterst\u00fctzung?<\/strong><br>Wir bem\u00fchen uns, mit diesen Schwankungen verantwortungsvoll umzugehen. Wenn die Mittel aufgestockt werden, weiten wir vorsichtig unsere Aktivit\u00e4ten aus, die mit unserer Kernaufgabe, der Informationsvermittlung, zusammenh\u00e4ngen, wie etwa die Bek\u00e4mpfung von Fehlinformationen oder die F\u00f6rderung der Medienkompetenz. Umgekehrt k\u00fcrzen wir bei einem R\u00fcckgang der Mittel unsere Ausgaben, behalten aber ein wichtiges \u00abKernprogramm\u00bb bei, um sicherzustellen, dass die Bev\u00f6lkerung weiterhin Informationen erh\u00e4lt. In Niger zum Beispiel mussten wir nach dem R\u00fcckzug mehrerer internationaler Geldgeber:innen im Jahr 2024 unser Projekt Studio Kalangou umstrukturieren, wobei wir den Schwerpunkt beibehielten: die Produktion von Journalismus in den f\u00fcnf meistgesprochenen Landessprachen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Ans\u00e4tze nutzt Fondation Hirondelle, um auf diese Konflikte aufmerksam zu machen?<\/strong><br>Wir verlassen uns auf unser Fachwissen und unsere journalistische Arbeit. Unser Ziel ist es, den Stimmen vor Ort durch Stellungnahmen und lokale Produktionen Geh\u00f6r zu verschaffen. Wir arbeiten auch mit internationalen Netzwerken wie dem Global Forum for Media Development (GFMD) zusammen, um die Wirkung unserer Lobbyarbeit zu verst\u00e4rken. Wir sind uns bewusst, dass die Aufmerksamkeit von Entscheidungstr\u00e4ger:innen begrenzt ist. Deshalb wenden wir uns an wichtige Gespr\u00e4chspartner:innen wie Vertreter:innen der Schweizerischen Internationalen Zusammenarbeit, der Europ\u00e4ischen Union oder von UN-Organisationen und versorgen sie mit Daten und Analysen aus der Praxis. K\u00fcrzlich besuchte der EU-Sonderbeauftragte f\u00fcr die Sahelzone unser Projekt in Mali, und wir tragen weiterhin mit konkreten Einblicken zu seinen \u00dcberlegungen bei. Diese Anstrengungen tragen dazu bei, die Relevanz von Zugang zu Informationen in den internationalen Priorit\u00e4ten zu verankern, auch wenn sich die Aufmerksamkeit der Medien auf andere Bereiche verlagert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicolas Boissez, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Fondation Hirondelle, spricht \u00fcber die Erfahrungen, welche die Organisation in den letzten 30 Jahren in Konfliktgebieten gesammelt hat &#8211; auch in Kontexten, die von manchen als \u00abvergessene Konflikte\u00bb bezeichnet werden. 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