{"id":5056,"date":"2025-03-25T06:51:49","date_gmt":"2025-03-25T06:51:49","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=5056"},"modified":"2025-03-25T13:47:34","modified_gmt":"2025-03-25T13:47:34","slug":"interview-das-friedenspolitische-engagement-der-schweiz-in-myanmar-abseits-der-globalen-aufmerksamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/5056\/interview-das-friedenspolitische-engagement-der-schweiz-in-myanmar-abseits-der-globalen-aufmerksamkeit\/","title":{"rendered":"Interview \u2013 Das friedenspolitische Engagement der Schweiz in Myanmar abseits der globalen Aufmerksamkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Myanmar befindet sich seit Jahrzehnten in einem Konflikt, doch die internationale Aufmerksamkeit hat nachgelassen. Seit dem Putsch von 2021 hat sich sowohl der Widerstand als auch die Krise verst\u00e4rkt. Die Schweiz setzt sich mit ihrer Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM) weiterhin f\u00fcr den Frieden ein. Nassim Awad, Programmverantwortlicher f\u00fcr Myanmar bei der AFM, spricht \u00fcber die Rolle der Schweiz und die aktuelle internationale Reaktion.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist die Rolle der AFM in Myanmar?<\/strong><br>Wir arbeiten im Rahmen des Schweizer Kooperationsprogramms in Myanmar (2024-27), das Entwicklungszusammenarbeit, humanit\u00e4re Hilfe, Friedensf\u00f6rderung und Menschenrechtsdiplomatie verbindet. Die AFM unterst\u00fctzt Friedensprozesse, indem sie wichtige Akteur:innen einbezieht. Unser Ansatz f\u00f6rdert den Dialog und zielt darauf ab, Konfliktbew\u00e4ltigung voranzutreiben, indem Friedensprozesse durch die Zusammenarbeit mit relevanten Schl\u00fcsselakteur:innen identifiziert, gestaltet und unterst\u00fctzt werden. Wir wollen einen Beitrag zu einem demokratischeren, friedlicheren und wohlhabenderen Myanmar leisten, indem wir uns auf Frieden, Gewaltabbau und Schutz konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ziele der AFM umfassen:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li><strong>Dialog in der Zukunft<\/strong>: St\u00e4rkung von Konfliktbew\u00e4ltigung, politischem Wandel und Vers\u00f6hnung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Deeskalation des Konflikts<\/strong>: Entwicklung und Unterst\u00fctzung von Mechanismen zum Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung, zum erleichterten Zugang f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe und zur Eind\u00e4mmung der Gewalt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Alternative Perspektiven<\/strong>: F\u00f6rderung von Forschung und Analyse als Grundlage f\u00fcr friedensf\u00f6rdernde Aktivit\u00e4ten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Wie viel Aufmerksamkeit erh\u00e4lt Myanmar international und in der Schweiz?<\/strong><br>Im Vergleich zu Krisen wie in der Ukraine oder im Nahen Osten erh\u00e4lt Myanmar deutlich weniger Aufmerksamkeit. Obwohl es sich um einen der gewaltt\u00e4tigsten und langwierigsten Konflikte der Gegenwart handelt, ist die Berichterstattung nach wie vor gering. Im Jahr 2025 hat sich der Bedarf an humanit\u00e4rer Hilfe verzwanzigfacht. Das Land ist mit einer schweren Nahrungsmittelkrise konfrontiert, in der sch\u00e4tzungsweise 15,2 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, und die Zahl der vermeidbaren Krankheiten steigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweiz hat sich kontinuierlich f\u00fcr Myanmar eingesetzt, insbesondere w\u00e4hrend ihres Mandats im UNO-Sicherheitsrat (2023-24). Gemeinsam mit Grossbritannien haben wir Menschenrechtsverletzungen angeprangert und Resolutionen zur Rohingya-Krise mitgetragen. Auch nach dem Ende ihrer Ratsmitgliedschaft setzt die Schweiz ihr Engagement in UNO-Gremien und multilateralen Foren fort.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hat sich die internationale Aufmerksamkeit f\u00fcr Myanmar im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert?<\/strong><br>Der Putsch von 2021 war ein Wendepunkt. Vor dem Putsch unterst\u00fctzte die Schweiz das nationale Waffenstillstandsabkommen (NCA) in Myanmar. Nach dem Putsch verlagerte sich der Schwerpunkt auf die humanit\u00e4re Hilfe und die F\u00f6rderung des Dialogs ausserhalb des NCA. Diese Entwicklung ist auf die Notwendigkeit zur\u00fcckzuf\u00fchren, sich den ver\u00e4nderten politischen Realit\u00e4ten und der zunehmenden Polarisierung anzupassen. Die Schweiz konzentriert sich nun auf kreative L\u00f6sungen, um Hilfe zu leisten und gleichzeitig mit allen Parteien in Kontakt zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten 18 Monaten ist Myanmar aufgrund der wachsenden Schattenwirtschaft vermehrt in den Mittelpunkt des Interesses ger\u00fcckt. Insbesondere die sogenannten \u00abscam centres\u00bb (Betrugszentren) und der damit verbundene Menschenhandel sind Themen, welche die internationale \u00d6ffentlichkeit direkt betreffen. Dies hat regionale und globale Aufmerksamkeit erregt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Herausforderungen ergeben sich aus der geringen Aufmerksamkeit?<\/strong><br>Die begrenzte Aufmerksamkeit stellt eine Herausforderung dar und verlangt nach pragmatischen L\u00f6sungen, um den Dialog aufrechtzuerhalten. Der Ruf der Schweiz als ausgewogene und reaktionsf\u00e4hige Akteurin tr\u00e4gt dazu bei, die Aufmerksamkeit f\u00fcr Myanmar aufrechtzuerhalten und potenziell zu erh\u00f6hen. Die Schweiz unterst\u00fctzt die Bem\u00fchungen des UNO-Sondergesandten und des Verbands S\u00fcdostasiatischer Nationen (ASEAN) zur F\u00f6rderung eines inklusiven Dialogs und der humanit\u00e4ren Prinzipien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie tr\u00e4gt die Schweiz zur Friedensf\u00f6rderung in Myanmar bei<\/strong>?<br>Die Schweiz setzt ihr Engagement im Rahmen des Kooperationsprogramms 2024-27 fort und konzentriert sich dabei auf die Bereiche Frieden, Existenzsicherung und Grundversorgung. Die Mittel wurden umverteilt, um den humanit\u00e4ren Zugang und Deeskalationsmassnahmen zu f\u00f6rdern. Dazu geh\u00f6rt auch das Pilotprojekt \u00abJoint Ceasefire Monitoring Committee\u00bb (Gemeinsamer Ausschuss zur \u00dcberwachung des Waffenstillstands, JMC). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Myanmar befindet sich seit Jahrzehnten in einem Konflikt, doch die internationale Aufmerksamkeit hat nachgelassen. 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