{"id":5191,"date":"2025-03-25T06:51:49","date_gmt":"2025-03-25T06:51:49","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=5191"},"modified":"2025-03-25T08:22:46","modified_gmt":"2025-03-25T08:22:46","slug":"landvertreibungen-in-guatemala-ein-totgeschwiegener-konflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/5191\/landvertreibungen-in-guatemala-ein-totgeschwiegener-konflikt\/","title":{"rendered":"Landvertreibungen in Guatemala \u2013 ein totgeschwiegener Konflikt"},"content":{"rendered":"\n<p>In Guatemala sind indigene und b\u00e4uerliche Gemeinschaften nach wie vor von Landvertreibungen betroffen, insbesondere in den Bezirken Alta und Baja Verapaz. Im Jahr 2024 z\u00e4hlten die Union der Bauernorganisationen von Verapaz (<a href=\"https:\/\/pbi-guatemala.org\/en\/who-we-accompany-gt\/verapaz-union-peasant-organisations-uvoc\">Uni\u00f3n Verapacense de Organizaciones Campesinas<\/a>, UVOC) und das Komitee der Bauern des Altiplano (<a href=\"https:\/\/pbi-guatemala.org\/en\/who-we-accompany\/campesino-committee-highlands-ccda-verapaces\">Comit\u00e9 Campesino del Altiplano,<\/a> CCDA) allein in dieser Region 68 R\u00e4umungsbefehle. Diese \u00dcbergriffe sind Teil einer langen Geschichte der Enteignung von indigenem Land, die durch die Ausbreitung von Monokulturen und Rohstoffprojekten noch verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grosse Ungleichheiten beim Zugang zu Land<\/strong><br>Die ungleiche Landverteilung ist ein gravierendes strukturelles Problem und gilt als eine der Hauptursachen f\u00fcr Guatemalas bewaffneten Konflikt zwischen 1960 und 1996. Nur 2% der Landwirt:innen besitzen 65% des fruchtbarsten Ackerlandes und trotz des Friedensabkommens von 1996 hat sich die Situation weiter verschlechtert. Die Ausbreitung von Monokulturen wie zum Beispiel Bananen, Zucker, Palm\u00f6l oder Kaffee, sowie Bergbau- und Wasserkraftprojekte haben Landvertreibungen von indigenen und b\u00e4uerlichen Gemeinschaften verst\u00e4rkt, da Platz f\u00fcr diese Projekte geschafft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gewaltsame und illegale Vertreibung<\/strong><br>Die Interamerikanische Kommission f\u00fcr Menschenrechte (IACHR) hat Zwangsr\u00e4umungen verurteilt, die ohne vorherige Konsultation oder Ank\u00fcndigung durchgef\u00fchrt und h\u00e4ufig von Polizei- und Milit\u00e4rgewalt begleitet werden. Die Bev\u00f6lkerung wird dabei kriminalisiert und der \u00abUsurpation\u00bb oder der Verbindung zum Drogenhandel beschuldigt, um ihre Vertreibung zu legitimieren. Dies f\u00fchrt zur Zerst\u00f6rung von Wohnraum, Vorr\u00e4ten und manchmal auch zum Verlust von Nutztieren. Die Vertriebenen haben weder die M\u00f6glichkeit, neue Unterk\u00fcnfte zu finden, noch haben sie Zugang zu Rechtsmitteln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das PBI-Engagement an der Seite der Menschen<\/strong><br>Angesichts dieser Gewalt begleitet Peace Brigades International (PBI) b\u00e4uerliche und indigene Gemeinschaften im Kampf um ihre Landrechte. PBI dokumentiert die Missbr\u00e4uche und warnt internationale Instanzen wie die UNO vor den Gefahren f\u00fcr die Vertreter:innen dieser Gemeinschaften. Ein Beispiel f\u00fcr diese Krise ist die Gemeinschaft der Q&#8217;eqchi&#8217; Lajeb Kej: Ihre Angeh\u00f6rigen, die keine offiziellen Landtitel besitzen, das Land aber seit Generationen bewirtschaften, sind bewaffneten \u00dcberf\u00e4llen und st\u00e4ndigen Drohungen ausgesetzt. Im Januar 2025 wurden die Familien trotz rechtlicher Einspr\u00fcche und internationaler Schutzbestimmungen gewaltsam vertrieben. PBI blieb mit der Gemeinschaft in Kontakt und setzte sich bei den Beh\u00f6rden f\u00fcr ihre Sicherheit ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein von den Medien und der internationalen Gemeinschaft unsichtbar gemachter Kampf<\/strong><br>Trotz Warnungen lokaler und internationaler Organisationen bleibt der guatemaltekische Staat angesichts dieser \u00dcbergriffe unt\u00e4tig. Eine Empfehlung der Vereinten Nationen zum Schutz indigener Gemeinschaften und zum Stopp von Vertreibungen wird weitgehend ignoriert. Solange das Landbesitzsystem die Aneignung von Land beg\u00fcnstigt, wird die Gewalt gegen die indigenen V\u00f6lker weitergehen. Bei diesem Kampf geht es nicht nur um soziale Gerechtigkeit, sondern auch um historische Anerkennung und die R\u00fcckgabe des geraubten Landes. Dennoch leisten die Gemeinschaften weiterhin Widerstand und verteidigen ihr Recht auf Land und Selbstbestimmung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Guatemala sind indigene und b\u00e4uerliche Gemeinschaften nach wie vor von Landvertreibungen betroffen, insbesondere in den Bezirken Alta und Baja Verapaz. 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