{"id":5393,"date":"2025-06-24T11:47:51","date_gmt":"2025-06-24T11:47:51","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=5393"},"modified":"2025-06-24T12:07:24","modified_gmt":"2025-06-24T12:07:24","slug":"der-weg-von-mission-21-zum-triple-nexus-einige-erkentnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/5393\/der-weg-von-mission-21-zum-triple-nexus-einige-erkentnisse\/","title":{"rendered":"Der Weg von Mission 21 zum Triple Nexus  \u2013 Einige Erkentnisse"},"content":{"rendered":"\n<p>Bis vor rund zehn Jahren engagierte sich Mission 21 ausschliesslich in der Entwicklungszusammenarbeit. F\u00fcr Mission 21 galt humanit\u00e4re Hilfe als Aufgabe geeigneterer \u2013 oftmals auch gr\u00f6sserer \u2013 Organisationen.<br>Spenden, die Mission 21 beispielweise im Jahr 2004 nach dem Tsunami in S\u00fcdostasien oder der Katastrophe in Fukushima 2011 erhalten hatte, wurden an befreundete Organisationen weitergeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erste humanit\u00e4re Hilfe aufgrund grosser Betroffenheit<\/strong><br>Im Jahr 2015, als die Angriffe von den sogenannten Boko Haram weite Teile des Nordostens von Nigeria verw\u00fcsteten \u2013 ein Gebiet in welchem Mission 21 und deren lokalen Partner:innen seit Jahrzehnten zur nachhaltigen Entwicklung arbeitete \u2013 und die Eskalation der Gewalt zur Vertreibung von \u00fcber 2,5 Millionen Menschen f\u00fchrte, lancierte Mission 21 ein Programm f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe gemeinsam mit der langj\u00e4hrigen nigerianischen Partnerkirche EYN und der amerikanischen Church of the Brethren (COB). Ziel war die Unterst\u00fctzung von intern Vertriebenen Menschen, deren Grundbed\u00fcrfnisse von keiner anderen Organisation abgedeckt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lessons Learned Nr. 1:<\/strong> Diese trilaterale Partnerschaft basierend auf einer langj\u00e4hrigen, sehr gut verwurzelten Partnerbeziehung legte das Fundament f\u00fcr den Aufbau des humanit\u00e4ren Engagements in Nigeria.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufbau und Weiterentwicklung<\/strong><br>Parallel dazu baute Mission 21 ein Koordinationsb\u00fcro mit einer nigerianischen Programmkoordination auf. Seitdem hat Mission 21 den Umfang ihres Engagements ausgeweitet, indem sie mit neuen nigerianischen Partnerorganisationen zusammenarbeitet, die \u00fcber Expertise in humanit\u00e4rer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und\/oder Friedensf\u00f6rderung verf\u00fcgen. Bestehende Projekte wurden an die sozio\u00f6konomischen Folgen der multiplen Krisen angepasst, besonders f\u00fcr intern vertriebene Personen und Gruppen. Interreligi\u00f6se Friedensf\u00f6rderungsnetzwerke integrierten zunehmend Komponenten zur Einkommensf\u00f6rderung. Diese wurden Teil des nationalen Netzwerks \u00abEmergency Preparedness and Response Team\u00bb (EPRT).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lessons Learned Nr. 2: <\/strong>Es braucht eine gemeinsame Wirkungshypothese (Theory of Change) sowie zus\u00e4tzliche Koordination zwischen den verschiedenen Projekten und Partner:innen, Netzwerkaufbau sowie den Aufbau von Kapazit\u00e4ten (personell, strukturell und finanziell) sowohl bei Mission 21 wie auch bei den Partner:innen f\u00fcr die Integration des Triple Nexus in die Kooperationsprogramme. Damit verbunden ist die Sensibilisierung von Geldgeber:innen, die verstehen m\u00fcssen, dass Koordinationst\u00e4tigkeiten keine Overhead-Kosten sind, sondern Grundvoraussetzung f\u00fcr die Umsetzung des Triple Nexus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konfliktsensitivit\u00e4t als \u00abKitt\u00bb in der operativen Umsetzung<\/strong><br>Zentraler \u00abKitt\u00bb zur Operationalisierung des Double Nexus (Entwicklungszusammenarbeit und humanit\u00e4re Hilfe) und sp\u00e4ter Triple Nexus (Entwicklungszusammenarbeit, humanit\u00e4re Hilfe und Friedensf\u00f6rderung) war eine konsequente Konfliktanalyse und konfliktsensitives Programmmanagement: Dazu Yakubu Joseph, Programmkoordinator von Mission 21 in Nigeria: \u00abIn unseren Konfliktanalysen haben wir festgestellt, dass tief verankerte strukturelle Ungleichheit wie Armut und Arbeitslosigkeit, die Folgen des Klimawandels oder die (illegale) Ausbeutung der Ressourcen an der Wurzel vieler Konflikte liegen. Wir haben auch erkannt, dass betroffene Menschen im Falle eines gewaltsamen Konflikts humanit\u00e4re Hilfe ben\u00f6tigen, die jedoch sehr konfliktsensibel gestaltet werden muss. Daraus wurde uns klar, dass es einen Zusammenhang zwischen humanit\u00e4rer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensf\u00f6rderung gibt \u2013 Beziehungen werden durch Konflikte zerrissen, und es braucht gezielte Anstrengungen, um Vers\u00f6hnung und Heilung zu erm\u00f6glichen. Diese Erkenntnis hat uns dazu veranlasst, unsere Projektpartner:innen \u2013 auch jene im humanit\u00e4ren Bereich \u2013 zur Zusammenarbeit zu ermutigen, um Koh\u00e4renz zu st\u00e4rken. So erfordert zum Beispiel die Katastrophenvorsorge (\u00abDisaster Risk Reduction\u00bb) ebenfalls entwicklungsorientierte Ans\u00e4tze, um die Verwundbarkeit der Menschen zu verringern.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lessons Learned Nr. 3:<\/strong> Ein konsequenter konflikt- und gendersensibler Ansatz st\u00e4rkt die Projektverkn\u00fcpfung. \u00abMan muss alle Faktoren und ihre wechselseitigen Wirkungen betrachten. Ein Beispiel ist sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt. Es braucht langfristige Projekte zur Wiederherstellung der mentalen Gesundheit und der Lebensgrundlagen von \u00dcberlebenden\u00bb, erkl\u00e4rt Yakubu Joseph.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chancen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li><strong>Ganzheitliche Wirkung: <\/strong>Nexus-orientierte Projekte erreichen oft tiefere Wirkung, da sie mehrere Lebensbereiche gleichzeitig adressieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>St\u00e4rkere Resilienz: <\/strong>Die Kombination von humanit\u00e4ren, entwicklungsorientierten und friedensf\u00f6rdernden Massnahmen st\u00e4rkt Gemeinschaften im Umgang mit neuen und zuk\u00fcnftigen Schocks. Dazu Yakubu Joseph: \u00ab(\u2026) erst wenn der Fokus auf Resilienz statt nur auf unmittelbare Bed\u00fcrfnisse gerichtet ist, zeigt sich der Mehrwert des Triple Nexus besonders deutlich.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gest\u00e4rkte Partnerschaften:<\/strong> Durch den Fokus auf ortsans\u00e4ssige Partner:innen wird nicht nur lokale Expertise eingebunden, sondern auch Ownership gest\u00e4rkt \u2013 ein zentraler Faktor f\u00fcr nachhaltige Ver\u00e4nderung.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Herausforderungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li><strong>Koordinationsaufwand: <\/strong>Der Triple Nexus erfordert ein hohes Mass an Koordination. Unterschiedliche Logiken und Zeitperspektiven der drei Bereiche k\u00f6nnen Spannungen erzeugen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ressourcenkonflikte:<\/strong> Da finanzielle Mittel oft begrenzt sind, drohen interne Verteilungsk\u00e4mpfe, welche den Nexus-Ansatz schw\u00e4chen. Eine klare Priorisierung der Ressourcenzuteilung ist hier essenziell.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kompetenzaufbau:<\/strong> Weder Mission 21 noch alle Partner waren von Beginn an mit der Denkweise des Triple Nexus vertraut. Schulungen und Austauschformate sind n\u00f6tig, um gemeinsame Verst\u00e4ndnisse zu entwickeln.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kontextabh\u00e4ngigkeit:<\/strong> Der Triple Nexus ist kein \u00abOne size fits all\u00bb -Modell. Seine Umsetzung muss stets an lokale Gegebenheiten angepasst werden. Besonders konfliktive Kontexte erfordern sorgf\u00e4ltige Kontextanalysen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><br>Der Triple Nexus ist f\u00fcr Mission 21 kein abstraktes Konzept, sondern ein praxisorientierter Denk- und Handlungsrahmen. Im Zentrum steht die \u00dcberzeugung, dass humanit\u00e4re Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensf\u00f6rderung als miteinander verkn\u00fcpfte Ans\u00e4tze gedacht und umgesetzt werden m\u00fcssen, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen \u2013 vorausgesetzt, dies geschieht mit ausgepr\u00e4gter Konfliktsensitivit\u00e4t, in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partner:innen und ihrem Wissen, durch partizipative Prozesse und auf der Grundlage solider strategischer Planung.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis vor rund zehn Jahren engagierte sich Mission 21 ausschliesslich in der Entwicklungszusammenarbeit. 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