{"id":5415,"date":"2025-06-24T11:47:51","date_gmt":"2025-06-24T11:47:51","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=5415"},"modified":"2025-06-25T07:57:07","modified_gmt":"2025-06-25T07:57:07","slug":"interview-den-triple-nexus-pragmatisch-angehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/5415\/interview-den-triple-nexus-pragmatisch-angehen\/","title":{"rendered":"Interview \u2013 Den Triple Nexus pragmatisch angehen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Nexus zwischen humanit\u00e4rer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensf\u00f6rderung ist in der internationalen Zusammenarbeit l\u00e4ngst zu einem Leitprinzip geworden. Um einen tieferen Einblick zu gewinnen, was dieser Triple Nexus in der Praxis bedeutet, liess Unit\u00e9 (Dachorganisation, bei der Eirene Suisse Mitglied ist) in einer <a href=\"https:\/\/unite-ch.org\/de\/aktuelles\/news\/studie-navigating-the-triple-nexus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie<\/a> seine Anwendung innerhalb der Unit\u00e9-Mitgliedorganisationen und deren Partner im Globalen S\u00fcden untersuchen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Oliver J\u00fctersonke verf\u00fcgt \u00fcber langj\u00e4hrige Erfahrung als Triple Nexus-Spezialist f\u00fcr Organisationen der internationalen Zusammenarbeit, staatliche Beh\u00f6rden und die Zivilgesellschaft. Im Auftrag von Unit\u00e9 hat er diese Studie durchgef\u00fchrt, die auf einer umfangreichen Dokumentenanalyse, Frageb\u00f6gen und ausf\u00fchrlichen Interviews mit Befragten aus dem Netzwerk von Unit\u00e9 basiert. Im folgenden Interview erl\u00e4utert er die wichtigsten Konzepte, Ergebnisse und Empfehlungen der Studie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie uns eine kurze Definition des Triple Nexus geben?<\/strong><br>Der Triple Nexus bezieht sich auf die Verbindungen zwischen den Bereichen humanit\u00e4re Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensf\u00f6rderung. Im Wesentlichen geht es darum, diese drei Programmbereiche st\u00e4rker aufeinander abzustimmen, insbesondere da sie in zunehmend komplexen Kontexten vermehrt parallel arbeiten. Er ermutigt die Organisationen, besser aufeinander zu achten \u2013 nicht unbedingt, um Mandatsgrenzen zu verwischen oder genau dieselben Ziele zu verfolgen, sondern um sich besser zu koordinieren, die Koh\u00e4renz zu verbessern und auf Komplementarit\u00e4ten aufzubauen. Dies erh\u00f6ht auch die Effizienz und Wirksamkeit ihrer Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Ihrer Studie pl\u00e4dieren Sie f\u00fcr mehr \u00abNexus-Denken\u00bb und \u00abkonfliktsensitives Programm-Management\u00bb. Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Ans\u00e4tzen?<\/strong><br>Der Begriff \u00abNexus-Denken\u00bb betont, dass die Arbeit der verschiedenen Akteur:innen in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, humanit\u00e4re Hilfe und Friedensf\u00f6rderung in den heutigen langwierigen Krisen Teil eines gr\u00f6sseren Puzzles ist. In einem von Konflikten betroffenen Umfeld, das von Massenvertreibungen und zunehmend extremen Wetterereignissen gepr\u00e4gt ist, kann man nicht einfach \u00abtraditionelle\u00bb Entwicklungszusammenarbeit betreiben.<br>In diesem Zusammenhang ist Konfliktsensitivit\u00e4t sozusagen der Klebstoff, der die Puzzleteile zusammenh\u00e4lt. Dies veranlasst uns zu fragen: Wie verhalten sich die Interventionen meiner Organisation zu denen anderer Akteur:innen im gemeinsamen Umfeld? Die Analyseinstrumente des konfliktsensitiven Programm-Managements k\u00f6nnen uns dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen \u2013 und einfache, allt\u00e4gliche Wege zu finden, um sie in der Praxis anzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heisst das, Sie pl\u00e4dieren f\u00fcr die systematische Integration von konfliktsensitivem Programm-Management in Entwicklungsprogramme und -projekte? W\u00fcrde dies nicht den administrativen Aufwand unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig erh\u00f6hen, der vor allem f\u00fcr kleinere NGOs ohnehin schon eine Herausforderung ist?<\/strong><br>Ja, f\u00fcr kleinere Organisationen kann dies anfangs \u00fcberw\u00e4ltigend sein. Konfliktsensitives Programm-Management steht oft neben anderen Querschnittsthemen wie \u201cniemanden zur\u00fccklassen\u201d, Geschlechtergerechtigkeit sowie die Ber\u00fccksichtigung des Triple Nexus. In der Studie schlage ich vor, diese Themen nicht getrennt zu betrachten, sondern als miteinander verbundene Bereiche, die sich gegenseitig st\u00e4rken k\u00f6nnen. Noch wichtiger ist, dass sie nicht bloss als Berichterstattungspflichten betrachtet werden, die ein- oder zweimal im Jahr erledigt werden m\u00fcssen, um die Anforderungen der Geldgeber:innen zu erf\u00fcllen. Im Gegenteil: Eine konfliktsensitive Denkweise l\u00e4sst sich auf allen Ebenen einer Organisation in die t\u00e4gliche Arbeit integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Studie?<\/strong><br>Eine der zentralen Erkenntnisse ist, dass Konfliktsensitivit\u00e4t h\u00e4ufig bereits praktiziert wird, vor allem von Mitarbeitenden vor Ort, Einsatzleistenden und lokalen Partner:innen. Sie ist nur oft nicht formalisiert oder wird nicht explizit als solche bezeichnet. Auf Nachfrage waren die Befragten in der Lage, reichhaltige, detaillierte Berichte \u00fcber die Konfliktdynamik zu liefern, in der sie sich bewegen. Diese situationsbezogenen \u00dcberlegungen werden jedoch selten als \u00abkonfliktsensitives Programm-Management\u00bb oder \u00abArbeit im Triple Nexus\u00bb eingeordnet und nicht systematisch in Programmplanungs- oder Berichtsdokumenten festgehalten. Ein:e Partner:in kann zum Beispiel eng mit humanit\u00e4ren Akteur:innen zusammenarbeiten, um \u00dcberschwemmungsopfer zu unterst\u00fctzen, oder verl\u00e4sst sich auf religi\u00f6se Leader, um Familienstreitigkeiten zu schlichten \u2013 doch gefragt nach dem \u00abTriple Nexus\u00bb lautet die Antwort wom\u00f6glich schlicht: \u00abNoch nie davon geh\u00f6rt.\u00bb Infolgedessen, d\u00fcrfte ein grosser Teil der wertvollen, f\u00fcr den Nexus relevanten Arbeit gar nicht erst erfasst oder nicht ausreichend gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und welche Empfehlungen lassen sich daraus ableiten?<\/strong><br>Die Studie vermeidet bewusst formale \u00abEmpfehlungen\u00bb und stellt stattdessen eine Reihe von bescheidenen praktischen Massnahmen vor. Zu den wichtigsten geh\u00f6rt der Appell, regelm\u00e4ssige Akteur:innen-Mappings und grundlegende Situationsanalysen in die allt\u00e4glichen Organisationsabl\u00e4ufe zu integrieren. Wie bereits erw\u00e4hnt, erfordert Konfliktsensitivit\u00e4t keine zeitaufw\u00e4ndigen oder datenintensiven \u00dcbungen. Stattdessen kann sie als eine gemeinsame Denkweise \u00fcbernommen werden \u2013 verankert in Teamsitzungen, Check-Ins mit den Partnerorganisationen und den Austausch mit Einsatzleistenden. Den Mitgliedorganisationen von Unit\u00e9 bietet sich eine besondere M\u00f6glichkeit, dies zu f\u00f6rdern: Wenn die Vorbereitung der Fachpersonen eine grundlegende Sensibilisierung f\u00fcr den Nexus beinhaltet, k\u00f6nnen sie w\u00e4hrend ihres Einsatzes zur F\u00f6rderung konflikt-sensitiver Ans\u00e4tze in der Partnerorganisation beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Nexus zwischen humanit\u00e4rer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensf\u00f6rderung ist in der internationalen Zusammenarbeit l\u00e4ngst zu einem Leitprinzip geworden. 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