{"id":5442,"date":"2025-06-24T11:47:51","date_gmt":"2025-06-24T11:47:51","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=5442"},"modified":"2025-06-24T11:47:51","modified_gmt":"2025-06-24T11:47:51","slug":"guinea-bissau-integrierte-ansaetze-fuer-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/5442\/guinea-bissau-integrierte-ansaetze-fuer-frieden\/","title":{"rendered":"Guinea-Bissau \u2013 Integrierte Ans\u00e4tze f\u00fcr Frieden"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Diskurs rund um den Nexus zwischen humanit\u00e4rer Hilfe, Entwicklung und Frieden (HDP-Nexus) ist l\u00e4ngst nicht mehr nur eine konzeptionelle Vision. Er spiegelt nun einen systemischen Wandel in der Art und Weise wider, wie Hilfe geplant, koordiniert und erbracht wird. Gest\u00fctzt auf globale Verpflichtungen wie der New Agenda for Peace von 2023 und den Pact for the Future von 2024 fordert dieser Ansatz internationale Akteur:innen dazu auf, Risikominderung, Konfliktl\u00f6sung und sozialen Zusammenhalt konsequent in humanit\u00e4re und entwicklungsbezogene Massnahmen zu integrieren. Auf operativer Ebene bedeutet das ein grundlegender Wandel in der Art und Weise, wie Hilfe erbracht wird. Interpeace setzt diesen Ansatz gemeinsam mit der FAO, UNFPA und UN-Habitat in Guinea-Bissau um.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Regionen Bafat\u00e1 und Gab\u00fa integriert eine Vorreiterinitiative f\u00fcr nachhaltige Entwicklung gezielt die Friedensf\u00f6rderung, indem sie sich mit Land- und Wasserstreitigkeiten befasst und allgemeinere Fragen der sozialen Ungleichheit angeht. Durch die in den letzten Jahren rasche Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen, insbesondere f\u00fcr die Cashewnussplantagen, wurden die traditionellen Praktiken der Transhumanz \u2013 der saisonalen Wanderung von Menschen und ihrem Vieh zwischen verschiedenen Weidegebieten \u2013 in diesen Regionen stark beeintr\u00e4chtigt. Diese Entwicklung hat zu zunehmenden Spannungen zwischen B\u00e4uer:innen und Viehhalter:innen gef\u00fchrt \u2013 Gemeinschaften, die ohnehin vielfach marginalisiert sind und kaum Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung oder Justiz haben. Diese Spannungen eskalieren h\u00e4ufig in Gewalt, mit Vorf\u00e4llen von vergiftetem Vieh, gestohlenen Rindern und in Brand gesteckten Feldern. Ressourcenkonflikte entwickeln sich so zu tiefgreifenderen sozialen Auseinandersetzungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Herausforderungen zu bew\u00e4ltigen, verbindet die Initiative Entwicklungsarbeit mit Friedensf\u00f6rderung, indem sie den Stimmen vor Ort Geh\u00f6r verschafft und einen inklusiven Dialog f\u00f6rdert, beispielsweise durch Dialogclubs f\u00fcr B\u00e4uer:innen und durch R\u00e4ume f\u00fcr Frauen. \u00dcber diesen Ansatz fliessen konkrete politische Empfehlungen in die nationale Gesetzgebung zur Transhumanz und Landnutzung ein. Durch die St\u00e4rkung lokaler Vermittlungskapazit\u00e4ten unterst\u00fctzt die Initiative die Identifikation und Umsetzung gemeinschaftsgetragener L\u00f6sungen und pr\u00e4ventiver Massnahmen bei Wasser- und Landkonflikten. Ausserdem werden die Ursachen von Konflikten angegangen, indem die Ausgrenzung verringert, der Zugang zu Gesundheitsversorgung<sup>1<\/sup> und grundlegender Infrastruktur<sup>2<\/sup> f\u00fcr Menschen und Nutztieren in gef\u00e4hrdeten Gemeinschaften verbessert und der soziale Zusammenhalt gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Partnerschaften mit nationalen Ministerien und lokalen Institutionen sind dabei entscheidend, insbesondere um die Pr\u00e4senz staatlicher Institutionen in unterversorgten Regionen zu st\u00e4rken. Ein massgeschneiderter Kapazit\u00e4tsausbau unterst\u00fctzt Viehhalter:innenverb\u00e4nde, f\u00f6rdert den Ausbau von sektoralen Landkommissionen und stattet staatliche Stellen mit Instrumenten f\u00fcr geografisches Management und Landnutzungsplanung aus. Eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr die Verankerung des friedensf\u00f6rdernden Ansatzes in diesem Projekt war die Offenheit von Partner:innen und Geldgeber:innen gegen\u00fcber dem Mehrwert der Einbettung des HDP-Nexus in der Initiative. Dies unterstreicht, dass Friedensf\u00f6rderung ein systemweiter Ansatz ist, der sowohl innerhalb von Organisationen als auch organisations\u00fcbergreifend verankert werden muss, um eine effektive, kollektive Wirkung zu erzielen. Die vom UN Peacebuilding Fund finanzierte Initiative l\u00e4uft bis 2025 und bietet ein \u00fcbertragbares Modell daf\u00fcr, wie sich Friedensorientierung in nachhaltige Entwicklung integrieren l\u00e4sst, indem sie Gemeinschaften ins Zentrum der L\u00f6sungen stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>[1] Zur Gesundheitsversorgung geh\u00f6ren zwei mobile Kliniken, die abgelegene Gebiete versorgen, eine Impfkampagne f\u00fcr Tiere sowie Aufkl\u00e4rungskampagnen \u00fcber reproduktive Gesundheit und HIV\/AIDS-Pr\u00e4vention.<\/p>\n\n\n\n<p>[2] Zu den Infrastrukturmassnahmen geh\u00f6ren der Bau von Bohrl\u00f6chern, Viehtr\u00e4nken und die Er\u00f6ffnung von Wanderkorridoren f\u00fcr das Vieh.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Diskurs rund um den Nexus zwischen humanit\u00e4rer Hilfe, Entwicklung und Frieden (HDP-Nexus) ist l\u00e4ngst nicht mehr nur eine konzeptionelle Vision. 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