{"id":5974,"date":"2025-10-02T15:54:50","date_gmt":"2025-10-02T15:54:50","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=5974"},"modified":"2025-10-03T07:31:14","modified_gmt":"2025-10-03T07:31:14","slug":"arbeitslosigkeit-armut-und-soziale-ausgrenzung-naehrboden-fuer-radikalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/5974\/arbeitslosigkeit-armut-und-soziale-ausgrenzung-naehrboden-fuer-radikalisierung\/","title":{"rendered":"Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung \u2013 N\u00e4hrboden f\u00fcr Radikalisierung"},"content":{"rendered":"\n<p>Elise Tama ist Gesch\u00e4ftsleiterin der Partnerorganisation AFVA von Br\u00fccke Le Pont im Norden Benins. Dort haben extremistische Gruppen starken Zulauf, regelm\u00e4ssig kommt es zu Angriffen in der Projektregion. Dies macht die Arbeit von AFVA und Br\u00fccke Le Pont im Rahmen des Karit\u00e9-Projekts anspruchsvoll. Aber auch wichtiger \u2013 vor allem hinsichtlich des sozialen Zusammenhalts. Wieso dies so ist, erz\u00e4hlt Elise Tama im Interview.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was passiert im Norden Benins?<\/strong><br>Der Ursprung der Gewalt liegt in den Grenzgebieten zu Burkina Faso und Niger. Dort destabilisieren bewaffnete Gruppen die Region. Dies hat mehrere Ursachen. Zun\u00e4chst steigt in der gesamten Sahelzone die Gewalt. Zwischen Landwirt:innen und Viehz\u00fcchter:innen kommt es zudem immer wieder zu Spannungen \u00fcber den Zugang zu nat\u00fcrlichen Ressourcen. Gleichzeitig sind hohe Jugendarbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven ein Problem, das junge Menschen besonders anf\u00e4llig f\u00fcr die Einflussnahme bewaffneter Gruppen macht. Parallel dazu auferlegen sie Landwirt:innen Abgaben. Die Gruppen sch\u00fcren Angst, f\u00f6rdern Misstrauen und Spannungen. Davon profitieren sie, denn gleichzeitig inszenieren sie sich als Besch\u00fctzer der Bev\u00f6lkerung. Dieser Kontext setzt unserem Projekt auch Grenzen. So verhindert die zunehmende Unsicherheit den Zugang zu einigen l\u00e4ndlichen Gebieten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bedeutet dieses Misstrauen in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Projektarbeit?<\/strong><br>Die lokalen Gemeinschaften leben unter der st\u00e4ndigen Bedrohung der extremistischen Gruppen. Die Menschen haben Angst, als Komplize des Staates oder der NGOs gesehen zu werden, weil sie Repressalien der Extremisten bef\u00fcrchten. Sie z\u00f6gern deshalb, ihre Meinung frei zu \u00e4ussern oder an Projekten teilzunehmen. Das erschwert es, zu zuverl\u00e4ssigen Informationen zu kommen. Fehlen diese, ist es anspruchsvoll, die am besten geeigneten Entscheidungen f\u00fcr das Projekt zu treffen. Weil wir aber in der Region gut verankert sind \u2013 unter anderem durch unser Netzwerk in der Lokalpolitik und die konsequente F\u00f6rderung von Kooperativen im Projekt \u2013, kommen wir aber trotzdem zu unseren Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Norden ist selbst f\u00fcr beninische Verh\u00e4ltnisse arm. Welchen Einfluss hat dies auf die Sicherheit?<\/strong>Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung sind der N\u00e4hrboden f\u00fcr Radikalisierung. Deshalb ist auch unser Projekt in diesem angespannten Sicherheitskontext so wichtig. Indem wir auf Einkommensf\u00f6rderung, professionelle Berufsausbildung insbesondere bei den Jugendlichen und die Verbesserung der Lebensgrundlagen gef\u00e4hrdeter Haushalte setzen, d\u00e4mmen wir die Bereitschaft, zur Waffe zu greifen, stark ein. 5000 Menschen profitieren direkt vom Projekt, 3600 davon sind Frauen. Im Vergleich zum Jahr 2021 konnten die Projektteilnehmer:innen ihr Einkommen mehr als verdoppeln. Im vergangenen Jahr hat eine Kooperative des Projekts einen Grossauftrag erhalten: F\u00fcr das Ern\u00e4hrungsprogramm der lokalen Schulkantinen k\u00f6nnen sie f\u00fcnf Tonnen Karit\u00e9butter produzieren. Gleichzeitig f\u00f6rdert unser Projekt zudem den sozialen Zusammenhalt, indem auch stigmatisierte Gruppen daran teilnehmen und so der Austausch gef\u00f6rdert wird. Da spreche ich vor allem von den Peuls, eine Nomadengruppe, aber auch Gefl\u00fcchteten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Aktivit\u00e4ten f\u00fcr den sozialen Zusammenhalt gilt es umzusetzen?<\/strong><br>Es wird wichtig sein, die gesellschaftliche und partizipative Dimension im Projekt weiter zu integrieren. Die Menschen m\u00fcssen aktiv dazu beitragen, Konflikte konstruktiv zu l\u00f6sen. Das bedeutet auch, lokalen Meinungsf\u00fchrer:innen eine Schl\u00fcsselrolle im Projekt zu geben. So wollen wir mit dem Karit\u00e9-Projekt nicht nur die sozio\u00f6konomische Position der Menschen \u2013 insbesondere von Frauen \u2013 st\u00e4rken und zur Einkommensf\u00f6rderung in Familien beitragen. Wir leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Eind\u00e4mmung der Radikalisierung vor Ort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elise Tama ist Gesch\u00e4ftsleiterin der Partnerorganisation AFVA von Br\u00fccke Le Pont im Norden Benins. Dort haben extremistische Gruppen starken Zulauf, regelm\u00e4ssig kommt es zu Angriffen in der Projektregion. Dies macht die Arbeit von AFVA und Br\u00fccke Le Pont im Rahmen des Karit\u00e9-Projekts anspruchsvoll. Aber auch wichtiger \u2013 vor allem hinsichtlich des sozialen Zusammenhalts. 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