{"id":6854,"date":"2025-12-16T09:09:41","date_gmt":"2025-12-16T09:09:41","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=6854"},"modified":"2025-12-16T09:09:41","modified_gmt":"2025-12-16T09:09:41","slug":"afghanistan-frauen-im-zentrum-von-friedensprozessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/6854\/afghanistan-frauen-im-zentrum-von-friedensprozessen\/","title":{"rendered":"Afghanistan \u2013 Frauen im Zentrum von Friedensprozessen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Elham Kohistani und Maryam Ranjbar setzen sich seit Langem f\u00fcr die F\u00f6rderung der Menschenrechte und des Friedens in Afghanistan und dar\u00fcber hinaus ein. 2021 zur Flucht gezwungen, gr\u00fcndeten sie gemeinsam Femina Afghanistan \u2013 obwohl sie sich nie pers\u00f6nlich begegnet waren. Ihr gemeinsames Engagement, die F\u00fchrungsrolle und den Einfluss afghanischer Frauen in Friedensprozessen zu st\u00e4rken, f\u00fchrte sie zur Gr\u00fcndung dieser Organisation.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Erfahrungen haben euch dazu bewegt, Femina Afghanistan mitzugr\u00fcnden?<\/strong><br><em>Elham:<\/em><br>Ich schloss 2019 meinen Master in Friedens- und Konfliktforschung ab, auf dem H\u00f6hepunkt der Friedensgespr\u00e4che in Doha. Die geringe Beteiligung von Frauen und Jugendlichen brachte mich dazu, dar\u00fcber nachzudenken, wie praktisches Wissen \u00fcber die Teilnahme an Friedensprozessen bewahrt und weitergegeben werden kann. Ich begann damit, den Aufbau von Netzwerken zu erkunden, um Wissen von einer Generation zur n\u00e4chsten weiterzugeben, sodass zuk\u00fcnftige weibliche Friedensaktivistinnen nicht jedes Mal wieder bei null anfangen m\u00fcssen. Doch Covid und der politische Zusammenbruch Afghanistans, ausgel\u00f6st durch die R\u00fcckkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021, legten diese Pl\u00e4ne auf Eis. 2022 lernte ich durch das OSCE Women\u2019s Peace Leadership Program Maryam kennen. Obwohl wir uns nie pers\u00f6nlich getroffen hatten, verstanden wir uns sofort und stellten fest, dass wir dieselbe Vision und dieselben Werte teilen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Maryam:<\/em><br>So entstand die Idee f\u00fcr Femina Afghanistan: Wir wollten, dass afghanische Frauen sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Landes zur Friedensf\u00f6rderung beitragen und dabei eine f\u00fchrende Rolle \u00fcbernehmen, unterst\u00fctzt durch langfristige Leadership-Programme. Ich bin mit dem Leid und der Widerstandsf\u00e4higkeit \u00fcberlebender Frauen aufgewachsen, und Femina Afghanistan wurde zu einer M\u00f6glichkeit, mir eine Zukunft und Perspektiven f\u00fcr afghanische Frauen vorzustellen. Wir wollen sicherstellen, dass sie bef\u00e4higt werden, sich in zuk\u00fcnftigen Entscheidungsprozessen wirksam zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wie macht ihr das?<\/strong><br><em>Elham:<\/em><br>Im Januar 2025 nahm PeaceWomen Across the Globe Kontakt mit uns auf. Ihre Offenheit und Unterst\u00fctzung ermutigten uns, Femina Afghanistan offiziell zu gr\u00fcnden. Mit ihrer Unterst\u00fctzung starteten wir die Initiative \u00abHer Peace \u2013 Afghan Women at the Centre of Peace Processes\u00bb, in deren Rahmen wir virtuelle Schulungen in fortgeschrittenen Methoden der Fazilitation, Verhandlung und Mediation f\u00fcr erfahrene Friedensaktivistinnen sowie grundlegendes Wissen in Friedensbildung und Advocacy f\u00fcr lokale Aktivistinnen anbieten. Wir verbreiteten den Aufruf zur Bewerbung \u00fcber unsere Netzwerke innerhalb Afghanistans und waren \u00fcberrascht, 60 R\u00fcckmeldungen zu erhalten. Mit so viel Interesse hatten wir nicht gerechnet, zumal wir neu waren, aus dem Exil arbeiteten und aus Sicherheitsgr\u00fcnden keinen \u00f6ffentlichen Aufruf ver\u00f6ffentlichen konnten. Dennoch schickten uns Frauen ihre ausf\u00fchrlichen Lebensl\u00e4ufe und Motivationsschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Maryam:<\/em><br>Das zeigte uns, wie leidenschaftlich, proaktiv, lernbegierig und friedensengagiert die Frauen in Afghanistan sind. Aus Sorge um ihre Sicherheit setzten wir Massnahmen zur Risikominimierung um, darunter Einzelgespr\u00e4che mit den 20 ausgew\u00e4hlten Teilnehmerinnen, um ihre Situationen einzusch\u00e4tzen. Viele nahmen zun\u00e4chst unter Aliasnamen an der Schulung teil. Das hatten wir nicht vorhersehen k\u00f6nnen, doch es zeigte uns, wie wichtig die Initiative war: Nach der zweiten Schulungssitzung erhielten wir zahlreiche Nachrichten von Teilnehmerinnen, die uns mitteilten, dass sie sich nun gegenseitig vertrauen und ihre echten Namen verwenden m\u00f6chten. Sie f\u00fchlten sich nicht mehr isoliert und wollten dieses Netzwerk und diese Gemeinschaft weiter aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sollte die internationale Gemeinschaft afghanische Friedensaktivistinnen unterst\u00fctzen?<\/strong><br><em>Maryam:<\/em><br>Was die internationale Gemeinschaft und Organisationen bereitstellen sollten \u2013 nicht nur f\u00fcr Femina Afghanistan, sondern f\u00fcr alle Frauen in Afghanistan \u2013 ist langfristige, flexible und vertrauensbasierte Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Einbeziehung von Frauen. Sie sollten uns und unsere Vision unterst\u00fctzen und nicht nur auf eine symbolische Beteiligung abzielen, damit wir tats\u00e4chlich Einfluss auf Entscheidungsprozesse nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Elham<\/em>:<br>Ich habe diese Symbolpolitik viele Male erlebt. Internationale Organisationen vertrauen lokalen Organisationen oft nicht. Sie entwickeln politische Massnahmen und Aktivit\u00e4ten, bauen Strukturen auf und bitten uns dann lediglich, sie umzusetzen. Wir sch\u00e4tzen strategische, technische, finanzielle und logistische Unterst\u00fctzung, aber die F\u00fchrung sollte in den H\u00e4nden der afghanischen Frauen bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elham Kohistani und Maryam Ranjbar setzen sich seit Langem f\u00fcr die F\u00f6rderung der Menschenrechte und des Friedens in Afghanistan und dar\u00fcber hinaus ein. 2021 zur Flucht gezwungen, gr\u00fcndeten sie gemeinsam Femina Afghanistan \u2013 obwohl sie sich nie pers\u00f6nlich begegnet waren. 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