{"id":714,"date":"2023-02-23T16:36:55","date_gmt":"2023-02-23T16:36:55","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=714"},"modified":"2023-02-27T07:54:54","modified_gmt":"2023-02-27T07:54:54","slug":"fokus-auf-die-anforderungen-der-ukrainischen-zivilgesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/714\/fokus-auf-die-anforderungen-der-ukrainischen-zivilgesellschaft\/","title":{"rendered":"Erf\u00fcllung der Bed\u00fcrfnisse der ukrainischen Zivilgesellschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 24. Februar j\u00e4hrt sich der Beginn des russischen Krieges in der Ukraine. Tats\u00e4chlich wird aber bereits seit 2014 ein sich st\u00e4ndig wandelnder \u00abhybrider Krieg\u00bb mit Milit\u00e4roperationen und anderen Formen sozialer und wirtschaftlicher Einflussnahme gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ukrainische Zivilgesellschaft hat in diesem unvorhersehbaren und gef\u00e4hrlichen Kontext ein starkes R\u00fcckgrat aufgebaut. Nach dem Einmarsch wurde eine leistungsf\u00e4hige Freiwilligenbewegung mobilisiert, um die soziale und humanit\u00e4re Katastrophe zu lindern. Doch die Zerst\u00f6rung und Vertreibung im vergangenen Jahr hat die Organisationen vor Ort dazu gezwungen, ihre Aktivit\u00e4ten schnell neu auszurichten. Sie haben ihre Arbeit auf die ver\u00e4nderten Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung und die beispiellose internationale humanit\u00e4re Unterst\u00fctzung abgestimmt. F\u00fcr die Zivilgesellschaft in der Ukraine bringt dies zahlreiche Herausforderungen mit sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Organisationen lokaler Gemeinschaften reagieren auf die gravierenden gesellschaftlichen Einschnitte. Frauen \u00fcbernehmen neue Rollen am Arbeitsmarkt oder als F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Freiwilligenbewegung. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen mussten ihre Programme auf die Opfer sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die Pr\u00e4vention umstellen. Ein grosser Teil der ukrainischen Bev\u00f6lkerung ist schwer traumatisiert und weder staatliche noch ehrenamtliche Einrichtungen k\u00f6nnen dem hohen Bedarf im Bereich der psychischen Gesundheit gerecht werden. Deshalb sollte die internationale Unterst\u00fctzung auch die trauma- und geschlechtsspezifischen Anforderungen der ukrainischen Gemeinschaften voll und ganz ber\u00fccksichtigen. Das Ziel sollte sein, bei den lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen Kapazit\u00e4ten und Fachwissen aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der ukrainischen Zivilgesellschaft sind unz\u00e4hlige neue Akteur:innen hervorgegangen. Die traditionelle Hilfe wurde neu gestaltet und kleine Geber:innen bringen sich \u00fcber akademische Gemeinschaften, Gewerkschaften und andere internationale Netzwerke deutlich st\u00e4rker ein. Eine gro\u00dfe Zahl von Freiwilligen vor Ort kann nun Mittel f\u00fcr Hilfe, Transport und Logistik erhalten. Durch die rasche Ver\u00e4nderung sind punktuell jedoch redundante Dienste entstanden, w\u00e4hrend sie andernorts fehlen. Ortsans\u00e4ssige Gruppen k\u00f6nnen mit Menschen, die in l\u00e4ndlichen Gebieten leben, ganz anders interagieren als staatliche oder internationale Stellen, doch humanit\u00e4re Hilfe gelangt oft nur \u00fcber gr\u00f6ssere regionale Organisationen in die D\u00f6rfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier braucht es ein besseres Kontextverst\u00e4ndnis, damit die Hilfe bei den Menschen und in den Gebieten ankommt, die sie am dringendsten ben\u00f6tigen \u2013 ohne Auflagen und konkurrierende Mandate. Ausserdem sollten lokale Stimmen ein Mitspracherecht erhalten. Mehr Transparenz und Kommunikation zwischen den Akteur:innen auf den unterschiedlichen Ebenen w\u00fcrde zu effektiveren humanit\u00e4ren Massnahmen beitragen und konfliktsensitive Stellen k\u00f6nnten f\u00fcr eine verbesserte Koordination sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ukrainische Zivilgesellschaft hat angesichts der Herausforderungen des letzten Jahres eine erstaunliche Resilienz bewiesen. Die internationale Reaktion sollte auf den Kontext und die Gegebenheiten vor Ort abgestimmt werden, um eine engere Zusammenarbeit zu erm\u00f6glichen und mit den ZGOs in der Ukraine am selben Strang zu ziehen. Nur wenn die Basis-Ebene mehr in den Vordergrund r\u00fcckt und die besonderen Anforderungen der ukrainischen Zivilgesellschaft ber\u00fccksichtigt werden, kann einen repr\u00e4sentativen, integrativen Aufschwung und Wiederaufbau sowie einen dauerhaften Frieden in der Ukraine gew\u00e4hrleistet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. Februar j\u00e4hrt sich der Beginn des russischen Krieges in der Ukraine. Tats\u00e4chlich wird aber bereits seit 2014 ein sich st\u00e4ndig wandelnder \u00abhybrider Krieg\u00bb mit Milit\u00e4roperationen und anderen Formen sozialer und wirtschaftlicher Einflussnahme gef\u00fchrt. Die ukrainische Zivilgesellschaft hat in diesem unvorhersehbaren und gef\u00e4hrlichen Kontext ein starkes R\u00fcckgrat aufgebaut. 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