{"id":7466,"date":"2026-07-02T08:29:04","date_gmt":"2026-07-02T08:29:04","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=7466"},"modified":"2026-07-06T08:43:48","modified_gmt":"2026-07-06T08:43:48","slug":"sicherheit-schaffen-armee-scheitert-schon-intern-an-ihrer-hauptaufgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/7466\/sicherheit-schaffen-armee-scheitert-schon-intern-an-ihrer-hauptaufgabe\/","title":{"rendered":"Sicherheit schaffen \u2013 Armee scheitert schon intern an ihrer Hauptaufgabe"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00abSchritt der Emanzipation\u00bb oder \u00abDienst am N\u00e4chsten\u00bb \u2013 mit solchen Spr\u00fcchen wird seit Jahrzehnten versucht, Frauen das Milit\u00e4r schmackhaft zu machen. Zurzeit arbeitet der Bundesrat an einer \u00c4nderung der Bundesverfassung, um einen obligatorischen Orientierungstag zur Armee und zum Zivilschutz f\u00fcr junge Frauen einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rolle der Frauen in der Schweizer Armee wird seit Langem diskutiert. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der sogenannte Frauenhilfsdienst gegr\u00fcndet. Frauen \u00fcbernahmen vor allem T\u00e4tigkeiten in der K\u00fcche, bei der Feldpost oder im Transport \u2013 Aufgaben, die dem damaligen Rollenbild entsprachen. Lange pr\u00e4gten diese traditionellen Genderrollen die Institution \u2013 M\u00e4nner als Besch\u00fctzer, Frauen als Unterst\u00fctzerinnen. Bis heute verst\u00e4rkt die Militarisierung patriarchale Gewalt. Dennoch setzt die Politik weiterhin auf eine st\u00e4rkere Einbindung von Frauen in die Armee.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zivilschutzpflicht noch vor Frauenstimmrecht<\/strong><br>1957 wurde \u00fcber ein Zivilschutzgesetz abgestimmt, das auch einen obligatorischen Dienst f\u00fcr Frauen vorsah. Die Vorlage wurde abgelehnt. Frauenorganisationen argumentierten, dass eine solche Vorlage erst diskutiert werden k\u00f6nne, wenn Frauen politisch mitbestimmen d\u00fcrfen.<br>1970 pr\u00fcfte das Eidgen\u00f6ssische Milit\u00e4rdepartement, wie Frauen st\u00e4rker in die Verteidigung eingebunden werden k\u00f6nnten. Diskutiert wurde unter anderem eine weibliche Reservearmee. Die Rollenverteilung blieb dabei klar stereotyp: M\u00e4nner sollten bewaffnet k\u00e4mpfen, Frauen sch\u00fctzen, pflegen und Versorgungsl\u00fccken schliessen. Gegen diese Vorstellungen regte sich Widerstand \u2013 sowohl von feministischer Seite als auch von konservativen Stimmen, die Frauen weiterhin im Haushalt sehen wollten und nicht in der \u00abM\u00e4nnerdom\u00e4ne\u00bb Armee.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erst seit 2004 gleiche Funktionen wie M\u00e4nner<\/strong><br>1986 wurde der Frauenhilfsdienst in den milit\u00e4rischen Frauendienst umgewandelt. Frauen konnten nun milit\u00e4rische Grade erreichen, blieben jedoch unbewaffnet. Erst ab 1995 gab es gemischte Rekrut:innenschulen und erst seit 2004 d\u00fcrfen Frauen s\u00e4mtliche Funktionen in der Armee bewaffnet \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>2022 wurde unter Bundesr\u00e4tin Viola Amherd die Fachstelle Frauen in der Armee und Diversity (FiAD) geschaffen. Eine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.vtg.admin.ch\/de\/diskriminierung-und-sexualisierte-gewalt\" target=\"_blank\">2024 ver\u00f6ffentlichte Studie<\/a> der FiAD best\u00e4tigt, dass Militarisierung bestehende Machtverh\u00e4ltnisse wie patriarchale Gewalt und Geschlechterungerechtigkeit versch\u00e4rft. W\u00e4hrend geschlechtsspezifische Gewalt in der Gesamtgesellschaft weit verbreitet ist, wird sie laut der Studie innerhalb der Armee noch h\u00e4ufiger erlebt, insbesondere von Frauen und queeren Personen. Die befragten Personen sind zwar unterschiedlich von Diskriminierung betroffen, machen jedoch alle die Organisationskultur als h\u00e4ufigsten Diskriminierungsgrund verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grundlegende Widerspr\u00fcche<\/strong><br>W\u00e4hrend die Integration von Frauen oft als Fortschritt und Gleichstellung pr\u00e4sentiert wird, bleibt die Institution Armee eng mit patriarchalen Strukturen, Gewalt und Ungleichheit verbunden. Und aus friedenspolitischer Perspektive ist es ohnehin fraglich, ob eine Ausweitung der Armee tats\u00e4chlich zu mehr Sicherheit und Frieden f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem leisten Frauen auch ohne Milit\u00e4rdienst einen enormen Anteil an die Gesellschaft. Laut dem Bundesamt f\u00fcr Statistik investierten Frauen im Jahr 2024 w\u00f6chentlich rund <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/rm\/home.gnpdetail.2025-0579.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">36 Stunden unbezahlte Care-Arbeit<\/a> in den Dienst der Gemeinschaft. Diese Arbeit ist j\u00e4hrlich umgerechnet <a href=\"https:\/\/www.beobachter.ch\/arbeit-bildung\/lohn\/frauen-leisten-gratisarbeit-fur-322-milliarden-franken-832110\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">322 Milliarden Franken<\/a> wert. Richtige Gleichberechtigung kn\u00fcpft also an der Aufwertung jener Gratisarbeit an und nicht an der Verpflichtung von Frauen zum Milit\u00e4rdienst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abSchritt der Emanzipation\u00bb oder \u00abDienst am N\u00e4chsten\u00bb \u2013 mit solchen Spr\u00fcchen wird seit Jahrzehnten versucht, Frauen das Milit\u00e4r schmackhaft zu machen. Zurzeit arbeitet der Bundesrat an einer \u00c4nderung der Bundesverfassung, um einen obligatorischen Orientierungstag zur Armee und zum Zivilschutz f\u00fcr junge Frauen einzuf\u00fchren. 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