{"id":7520,"date":"2026-07-02T08:29:04","date_gmt":"2026-07-02T08:29:04","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=7520"},"modified":"2026-07-02T08:29:04","modified_gmt":"2026-07-02T08:29:04","slug":"michoacan-militarisierter-frieden-hat-seine-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/7520\/michoacan-militarisierter-frieden-hat-seine-grenzen\/","title":{"rendered":"Michoac\u00e1n \u2013 militarisierter Frieden hat seine Grenzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 9. November 2025 lancierte die mexikanische Pr\u00e4sidentin Claudia Sheinbaum den Michoac\u00e1n-Plan f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit, im Rahmen dessen 12&#8217;500 Milit\u00e4rangeh\u00f6rige eingesetzt und 57 Milliarden Pesos (rund CHF 2,5 Milliarden) bereitgestellt wurden. Ziel war es, die Sicherheit in einem Bundesstaat wiederherzustellen, der stark von Gewalt im Zusammenhang mit organisierter Kriminalit\u00e4t betroffen ist. Der Plan sah jedoch keine spezifischen Schutzmassnahmen f\u00fcr Menschenrechtsverteidiger:innen, Indigene Gemeinschaften und Journalist:innen vor, obwohl gerade sie zu den am st\u00e4rksten von dieser Gewalt betroffenen Gruppen geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon bei ihrer Ank\u00fcndigung <a href=\"https:\/\/www.congresonacionalindigena.org\/2025\/11\/11\/plan-michoacan-discriminatorio-unilateral-y-enganoso-comunidades-indigenas-csim\/\">verurteilte<\/a> der Oberste Rat der Indigenen V\u00f6lker von Michoac\u00e1n (Red Solidaria de Derechos Humanos de Michoac\u00e1n) die Initiative, die ohne Anh\u00f6rung der Indigenen Bev\u00f6lkerung ausgearbeitet wurde, als \u00abdiskriminierend, einseitig und irref\u00fchrend\u00bb. Sechs Monate nach der Einf\u00fchrung des Plans belegt <a href=\"https:\/\/regladetres.com.mx\/plan-michoacan-no-para-todos\/\">eine Analyse<\/a> auf der Grundlage offizieller Daten: In \u00fcber 50&nbsp;Prozent der Verwaltungsbezirke von Michoac\u00e1n hat die Kriminalit\u00e4t sogar zugenommen. Am 5.&nbsp;Mai 2026 mussten in Apatzing\u00e1n 668 Menschen aufgrund wiederaufflammender Auseinandersetzungen krimineller Banden <a href=\"https:\/\/www.proceso.com.mx\/nacional\/2026\/5\/15\/hace-agua-el-plan-michoacan-retiran-base-militar-el-narco-destierra-668-personas-374062.html\">aus ihren H\u00e4usern fliehen<\/a>. F\u00fcr Julio Franco von der Beobachtungsstelle f\u00fcr menschliche Sicherheit in Apatzing\u00e1n \u00abf\u00fchrt der Einsatz von mehr Sicherheitstruppen lediglich zu einer zunehmenden Militarisierung, ohne die Autorit\u00e4t des mexikanischen Staates oder die Rechtsstaatlichkeit in diesen Gebieten zu st\u00e4rken.\u00bb Die Pur\u00e9pecha-Gemeinschaft von Acachu\u00e9n zog eine \u00e4hnliche Bilanz und bezeichnete den Plan als \u00ab<a href=\"https:\/\/www.proceso.com.mx\/nacional\/2026\/5\/16\/habitantes-de-acachuen-exigen-al-gobernador-acudir-dialogar-en-su-comunidad-por-su-seguridad-374177.html\">komplett gescheitert<\/a>\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund <a href=\"https:\/\/espacio.osc.mx\/2025\/11\/20\/plan-michoacan-por-la-paz-y-la-justicia-debe-proteger-a-personas-periodistas-y-defensoras-de-derechos-humanos\/\">forderte<\/a> Espacio OSC \u2013 eine nationale Plattform, die mehrere Organisationen f\u00fcr den Schutz von Menschenrechten und Pressefreiheit vereint und seit \u00fcber zehn Jahren von PBI Mexiko begleitet wird \u2013, dass der Plan Menschenrechtsverteidiger:innen und Journalist:innen als besonders schutzbed\u00fcrftige Gruppen anerkennt. Gerade in Michoac\u00e1n ist diese Forderung elementar. Von den am st\u00e4rksten betroffenen mexikanischen Bundesstaaten steht Michoac\u00e1n mit 158 Personen, die unter den f\u00f6deralen Schutzmechanismus fallen, an dritter Stelle. Im Plan werden sie jedoch nicht erw\u00e4hnt. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor Ort unterst\u00fctzt PBI die Organisation <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/redsolidariadh\/?locale=es_LA\">Red Solidaria de Derechos Humanos de Michoac\u00e1n<\/a> (Solidarit\u00e4tsnetzwerk f\u00fcr Menschenrechte), dem die Pur\u00e9pecha-F\u00fcrsprecherin Claudia Ignacio \u00c1lvarez angeh\u00f6rt. Im Dezember 2025 reiste sie ins Vereinigte K\u00f6nigreich, um im Rahmen einer Advocacy-Kampagne von PBI mit britischen Abgeordneten und dem Minister f\u00fcr Menschenrechte zu sprechen. Sie schilderte die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/peacebrigades.org.uk\/news\/an-evening-of-solidarity-and-environmental-justice-with-two-indigenous-women-human-rights-defenders\" target=\"_blank\">Risiken<\/a>, denen Menschen ausgesetzt sind, die sich f\u00fcr die Rechte Indigener engagieren: \u00abWenn wir Pur\u00e9pecha-Frauen unsere Stimme erheben, werden wir geschlagen. Die Polizei erscheint in voller Schutzausr\u00fcstung, um mich einzusch\u00fcchtern und mich daran zu hindern, etwas zu sagen oder zu unternehmen. \u00dcberall werden wir \u00fcberwacht. Vor unseren H\u00e4usern patrouillieren st\u00e4ndig schwer bewaffnete Polizeikr\u00e4fte. Sie haben sogar gedroht, mich umzubringen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beispiel von Michoac\u00e1n zeigt die Grenzen des Versuchs, Frieden prim\u00e4r durch Milit\u00e4reins\u00e4tze wiederherzustellen. F\u00fcr Menschenrechtsverteidiger:innen, Journalist:innen und Indigene Gemeinschaften bedeutet Sicherheit auch den Schutz ihrer Rechte, den Zugang zur Justiz und die Aufrechterhaltung eines offenen zivilgesellschaftlichen Raums. In diesem Zusammenhang wird die T\u00e4tigkeit von PBI immer wichtiger: PBI begleitet Aktivist:innen der Zivilgesellschaft, hilft ihnen, ihre Sichtbarkeit zu erh\u00f6hen, und st\u00e4rkt ihre Unterst\u00fctzungsnetzwerke, damit sie ihre Arbeit trotz der Risiken, die aus einer zunehmenden Militarisierung entstehen, fortsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. November 2025 lancierte die mexikanische Pr\u00e4sidentin Claudia Sheinbaum den Michoac\u00e1n-Plan f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit, im Rahmen dessen 12&#8217;500 Milit\u00e4rangeh\u00f6rige eingesetzt und 57 Milliarden Pesos (rund CHF 2,5 Milliarden) bereitgestellt wurden. 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