{"id":7587,"date":"2026-07-02T08:29:04","date_gmt":"2026-07-02T08:29:04","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=7587"},"modified":"2026-07-02T08:29:04","modified_gmt":"2026-07-02T08:29:04","slug":"technologie-ohne-grenzen-wie-die-militarisierung-von-technologie-eine-menschenzentrierte-sicherheit-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/7587\/technologie-ohne-grenzen-wie-die-militarisierung-von-technologie-eine-menschenzentrierte-sicherheit-bedroht\/","title":{"rendered":"Technologie ohne Grenzen \u2013 Wie die Militarisierung von Technologie eine menschenzentrierte Sicherheit bedroht"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein globaler Technologiewettlauf, angetrieben durch rasch wachsende \u00f6ffentliche und private Investitionen, verwischt zunehmend die Grenzen zwischen zivilen und milit\u00e4rischen Bereichen. Diese Entwicklung untergr\u00e4bt die Voraussetzungen f\u00fcr wirksame Friedensf\u00f6rderung. Das Projekt <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/privacyinternational.org\/campaigns\/militarisation-of-tech\" target=\"_blank\">Challenging Militarization of Tech<\/a><\/em> von Privacy International untersucht, wie dieselben datenintensiven Systeme \u2013 darunter \u00dcberwachungstechnologien, Cloud-Infrastrukturen und andere digitale Anwendungen \u2013 zunehmend sowohl im zivilen als auch im milit\u00e4rischen Bereich eingesetzt werden. Die Folgen sind ein Verlust an Transparenz und Kontrolle sowie weitreichende Auswirkungen auf Menschenrechte und Rechenschaftspflicht. Dabei handelt es sich keineswegs um ein abstraktes technisches Problem: Es beeinflusst unmittelbar, ob Mediator:innen in Konfliktgebieten Vertrauen geniessen, lokale Nichtregierungsorganisationen ihre Quellen sch\u00fctzen k\u00f6nnen und finanzielle Mittel in Konfliktpr\u00e4vention oder in milit\u00e4rische Anwendungen fliessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuelle Beispiele verdeutlichen diesen Trend. Corsight AI entwickelte Gesichtserkennungssysteme, die zun\u00e4chst <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/privacyinternational.org\/long-read\/5671\/key-concerns-regarding-governance-era-militarisation-tech\" target=\"_blank\">in Kriegsgebieten getestet<\/a> und anschliessend f\u00fcr <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/tech.hindustantimes.com\/tech\/news\/israeli-firm-corsight-ai-raises-5-million-for-tech-to-recognise-mask-covered-faces-story-oFVexg98IELFdnn91S33WI.html\" target=\"_blank\">zivile \u00dcberwachungszwecke<\/a> vermarktet wurden. Palantir, ein auf Datenanalyse spezialisiertes Unternehmen mit engen Verbindungen zum Verteidigungssektor, arbeitet sowohl mit dem Weltern\u00e4hrungsprogramm zusammen, um die Bereitstellung <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/privacyinternational.org\/news-analysis\/2712\/one-uns-largest-aid-programmes-just-signed-deal-cia-backed-data-monolith\" target=\"_blank\">humanit\u00e4rer Hilfe<\/a> zu unterst\u00fctzen, als auch mit dem britischen National Health Service zur <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/corporatewatch.org\/palantir-briefing-march-2026\/\" target=\"_blank\">Zentralisierung von Patient:innendaten<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20251222-swiss-foreign-ministry-has-palantir-on-radar-over-gaza-linked-concerns-report\/\" target=\"_blank\">. Gleichzeitig werden seine Systeme zur Unterst\u00fctzung milit\u00e4rischer Operationen<\/a> in Gaza eingesetzt. Allgemeiner betrachtet sind viele KI-Anwendungen, die in bewaffneten Konflikten genutzt werden, technisch kaum von jenen zu unterscheiden, die Regierungen zur Verwaltung \u00f6ffentlicher Dienstleistungen einsetzen. Sie werden h\u00e4ufig von denselben Unternehmen entwickelt, basieren auf denselben Dateninfrastrukturen und werden von denselben Investor:innen finanziert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr zivilgesellschaftliche Organisationen, Friedensakteur:innen sowie die von ihnen unterst\u00fctzten Gemeinschaften bringen diese Entwicklungen erhebliche Risiken mit sich. Eine 2018 von Privacy International und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) durchgef\u00fchrte Studie zeigte, dass die Nutzung digitaler Werkzeuge durch humanit\u00e4re Organisationen Datenspuren erzeugen kann, auf die Dritte zugreifen oder die sie ausnutzen k\u00f6nnen, wodurch Hilfsempf\u00e4nger:innen potenziell gef\u00e4hrdet werden. Die zunehmende Verschmelzung milit\u00e4rischer, humanit\u00e4rer und kommerzieller Technologien beeintr\u00e4chtigt zudem das Vertrauen und die Neutralit\u00e4t, auf die Friedensarbeit angewiesen ist. Wenn Menschen nicht mehr erkennen k\u00f6nnen, wer ihre Daten erhebt \u2013 ob milit\u00e4rische Akteure, Friedens- oder Hilfsorganisationen oder kommerzielle Plattformen, die mehreren Zwecken dienen \u2013, wird das grundlegende Vertrauen in Vermittler:innen und Friedensf\u00f6rdernde geschw\u00e4cht.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt f\u00fchren diese Entwicklungen zu einer Konzentration von Macht, verringern die Kontrolle und erh\u00f6hen das Risiko von Missbrauch. Damit stehen sie im Widerspruch zu einer menschenzentrierten Sicherheitsvorstellung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, bedarf es koordinierter Massnahmen: Humanit\u00e4re, entwicklungs- und friedenspolitische Akteure sollten gemeinsam mit der Zivilgesellschaft, Sicherheitsakteur:innen und betroffenen Gemeinschaften Koalitionen bilden und mehr Transparenz sowie Rechenschaftspflicht bei der Steuerung datenintensiver Systeme einfordern. Ebenso wichtig ist es, politischen Entscheidungstr\u00e4ger:innen deutlich zu machen, dass menschenrechtsbasierte Sicherheitsans\u00e4tze keine optionale Erg\u00e4nzung darstellen, sondern die Grundlage f\u00fcr einen nachhaltigen Frieden bilden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein globaler Technologiewettlauf, angetrieben durch rasch wachsende \u00f6ffentliche und private Investitionen, verwischt zunehmend die Grenzen zwischen zivilen und milit\u00e4rischen Bereichen. Diese Entwicklung untergr\u00e4bt die Voraussetzungen f\u00fcr wirksame Friedensf\u00f6rderung. 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