{"id":7990,"date":"2026-09-29T08:25:10","date_gmt":"2026-09-29T08:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=7990"},"modified":"2026-09-29T08:25:10","modified_gmt":"2026-09-29T08:25:10","slug":"zugang-zu-informationen-ein-indikator-fur-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/7990\/zugang-zu-informationen-ein-indikator-fur-frieden\/","title":{"rendered":"Zugang zu Informationen \u2013 ein Indikator f\u00fcr Frieden"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn von Friedensf\u00f6rderung die Rede ist, denkt man spontan an Verhandlungen, Gerechtigkeitsprozesse, Mediation oder die St\u00e4rkung von Institutionen. Seltener denkt man dabei an Informationen. Dabei ist in von Krisen und Polarisierung gepr\u00e4gten Kontexten der Zugang zu verl\u00e4sslichen, lokalen und unabh\u00e4ngigen Informationen wesentlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Teilhabe der Bev\u00f6lkerung an Friedensprozessen. Damit dies gelingt, muss Information sowohl horizontal \u2013 durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch \u2013 als auch vertikal zirkulieren: von den Gemeinschaften zu den Entscheidungstr\u00e4ger:innen und umgekehrt.<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Fondation Hirondelle leitet uns diese \u00dcberzeugung seit \u00fcber dreissig Jahren. Wir betrachten Informationen als \u00f6ffentliches Gut und als Hebel f\u00fcr den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch wie l\u00e4sst sich nachweisen, dass ein Medium tats\u00e4chlich zum Frieden beitr\u00e4gt? Wie l\u00e4sst sich das messen? Frieden h\u00e4ngt von politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Faktoren ab, die weit \u00fcber den Bereich der Information hinausgehen. Ein Radioprogramm, so relevant es auch sein mag, \u00abschafft\u00bb keinen Frieden. Es kann jedoch dazu beitragen, die Bedingungen zu schaffen, die ihn erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Instrumente zur Begleitung, Evaluation, Rechenschaftslegung und zum Lernen helfen uns, diese indirekten Beitr\u00e4ge zu dokumentieren und besser zu verstehen. Eine im Jahr 2021<sup>2<\/sup> in Madagaskar durchgef\u00fchrte Wirkungsstudie mit \u00fcber 7&#8217;000 Jugendlichen zeigte, dass eine Dialogsendung von Studio Sifaka dazu beitrug, politische Diskussionen, gesellschaftliche Teilhabe und den inklusiven Dialog zu st\u00e4rken. Allgemeiner untersuchen wir, ob Menschen relevante Themen besser verstehen, sich in den Medien st\u00e4rker repr\u00e4sentiert f\u00fchlen und ob Medienangebote den Dialog f\u00f6rdern sowie Ger\u00fcchten und Desinformation entgegenwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklungen sind f\u00fcr sich allein keine Friedensindikatoren. Sie geben jedoch Aufschluss \u00fcber bestimmte Mechanismen, die dazu beitragen k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlen Vertrauen, Teilhabe, Inklusion, die F\u00e4higkeit, Entscheidungen auf der Grundlage von Fakten zu treffen, sowie der R\u00fcckgriff auf Dialog statt Gewalt zur Konfliktl\u00f6sung. Die Grenzen der Wirkungsmessung veranlassen uns auch dazu, unsere Art der Wirkungsbewertung und -kommunikation zu \u00fcberdenken. W\u00e4hrend die internationale Finanzierung zur\u00fcckgeht, steigt der Druck, rasche und leicht quantifizierbare Ergebnisse vorzuweisen. Die Wirkung von Medien entfaltet sich jedoch oft schrittweise und relational, sodass sie sich nur schwer in wenigen Zahlen zusammenfassen l\u00e4sst. Deshalb kombinieren wir Publikumsbefragungen, quantitative und qualitative Studien, redaktionelle Analysen, Interviews, Fokusgruppen und R\u00fcckmeldungen des Publikums, um verschiedene Quellen miteinander zu verkn\u00fcpfen und die Auswirkungen unserer Massnahmen besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frieden ist kein starrer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Auch wenn sich Frieden nicht direkt messen l\u00e4sst, k\u00f6nnen wir die Ver\u00e4nderungen und Massnahmen dokumentieren, die Gesellschaften dabei unterst\u00fctzen, Spaltung, Gewalt und Informationsmanipulation besser zu widerstehen. In einer Zeit, in der sich Krisen in die L\u00e4nge ziehen und Desinformation demokratische R\u00e4ume schw\u00e4cht, ist es notwendiger denn je, Information als Friedensinfrastruktur anzuerkennen. Diese Ver\u00e4nderungen sichtbar zu machen und zu dokumentieren, bedeutet auch, die Rolle der Medien beim Aufbau inklusiverer und friedlicherer Gesellschaften besser anzuerkennen. <\/p>\n\n\n\n<p>[1] Stellungnahme zum Thema Mediation: https:\/\/www.hirondelle.org\/fr\/media-et-mediation-notre-positionnement<br>[2] Studie: https:\/\/www.hirondelle.org\/fr\/limpact-dune-emission-de-dialogue-du-studio-sifaka-sur-lengagement-citoyen-des-jeunes-malgaches<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn von Friedensf\u00f6rderung die Rede ist, denkt man spontan an Verhandlungen, Gerechtigkeitsprozesse, Mediation oder die St\u00e4rkung von Institutionen. Seltener denkt man dabei an Informationen. Dabei ist in von Krisen und Polarisierung gepr\u00e4gten Kontexten der Zugang zu verl\u00e4sslichen, lokalen und unabh\u00e4ngigen Informationen wesentlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Teilhabe der Bev\u00f6lkerung an Friedensprozessen. 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