{"id":8062,"date":"2026-09-29T08:25:10","date_gmt":"2026-09-29T08:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=8062"},"modified":"2026-09-29T08:25:10","modified_gmt":"2026-09-29T08:25:10","slug":"positive-friedensarbeit-am-titicacasee-teilhabe-rechte-und-umweltgovernance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/8062\/positive-friedensarbeit-am-titicacasee-teilhabe-rechte-und-umweltgovernance\/","title":{"rendered":"Positive Friedensarbeit am Titicacasee \u2013 Teilhabe, Rechte und Umweltgovernance"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Titicacasee versorgt rund 2,1 Millionen Menschen mit Wasser und Lebensmitteln. Zugleich bedrohen Klimawandel, Abw\u00e4sser, Schwermetalle aus dem Bergbau und Siedlungsabf\u00e4lle die Wasserqualit\u00e4t und die Lebensgrundlagen. Diese Belastungen\u00a0haben zur Versch\u00e4rfung von sozialen Konflikten in der Region gef\u00fchrt. Sie betreffen insbesondere indigene Kleinbauernfamilien, die politisch marginalisiert sind und unmittelbar von den nat\u00fcrlichen Ressourcen abh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frieden versteht Mission 21 nicht nur als Abwesenheit von Gewalt, sondern als positiven Frieden: als gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, in denen soziale Gerechtigkeit, politische Teilhabe, Gleichberechtigung und der Schutz gemeinsamer Lebensgrundlagen gew\u00e4hrleistet sind. Genau hier setzt die Arbeit unserer Partnerorganisationen in Peru und Bolivien an. Gemeinsam mit indigenen Frauen- und Jugendorganisationen verbinden sie den Schutz des Titicacasees mit der St\u00e4rkung individueller und kollektiver Rechte. Ein Beispiel ist die Anerkennung des Sees als Rechtssubjekt. Sie schafft einen rechtlichen und politischen Hebel, um die Interessen lokaler Gemeinschaften gegen\u00fcber Verschmutzung, Eingriffen und konkurrierenden Nutzungsanspr\u00fcchen geltend zu machen. Zugleich st\u00e4rkt die politische Beteiligung indigener Frauen ihre Rolle in der Raum- und Gew\u00e4sserschutzplanung.<\/p>\n\n\n\n<p>Friedensf\u00f6rderung zeigt sich somit nicht prim\u00e4r in der Bearbeitung eines offenen Konflikts, sondern in der Ver\u00e4nderung von Bedingungen, die Konflikte beg\u00fcnstigen k\u00f6nnen. Die Zusammenarbeit von acht Partnerorganisationen erm\u00f6glicht Dialoge zwischen Zivilgesellschaft und staatlichen Beh\u00f6rden \u2013 etwa beim binationalen Treffen 2026 in La Paz. Dort beteiligten sich bolivianische Fachbeh\u00f6rden im Bereich Wasserversorgung an der initiierten Dialogplattform. In Peru trug rechtliche Beratung entscheidend dazu bei, dass der Antrag des Frauennetzwerks an die Regionalregierung von Puno zur Anerkennung des Sees als Rechtssubjekt angenommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit stellt sich auch die Frage, woran wir unseren Beitrag zum Frieden erkennen. Im Titicacasee-Projekt lassen sich Wirkungen unter anderem an verbesserter politischer Teilhabe, st\u00e4rkeren Verbindungen zwischen Zivilgesellschaft und staatlichen Akteur:innen sowie an der Verankerung lokaler Anliegen in politischen und regulatorischen Prozessen beobachten. Zugleich zeigt sich eine Herausforderung: Lokal stark verankerte Partnerorganisationen und Netzwerke verf\u00fcgen nicht immer \u00fcber die Kapazit\u00e4ten und Zug\u00e4nge, um auf politische Entscheidungsprozesse, regulatorische Rahmenbedingungen und \u00fcbergeordnete Schutzmechanismen Einfluss zu nehmen. Die st\u00e4rkere Vernetzung mit nationalen und internationalen Akteur:innen der Wasser- und Umweltgovernance wird deshalb zu einem wichtigen n\u00e4chsten Schritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Titicacasee versorgt rund 2,1 Millionen Menschen mit Wasser und Lebensmitteln. 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