{"id":8090,"date":"2026-09-29T08:25:10","date_gmt":"2026-09-29T08:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/?p=8090"},"modified":"2026-09-29T08:25:10","modified_gmt":"2026-09-29T08:25:10","slug":"feministische-friedensforderung-solidaritat-im-einsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/koff.swisspeace.ch\/apropos\/8090\/feministische-friedensforderung-solidaritat-im-einsatz\/","title":{"rendered":"Feministische Friedensf\u00f6rderung \u2013 Solidarit\u00e4t im Einsatz"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In einer Zeit zunehmenden Autoritarismus, in der der zivilgesellschaftliche Raum schrumpft und Militarisierung als Antwort auf Unsicherheit dargestellt wird, ist Solidarit\u00e4t in der Friedensf\u00f6rderung wichtiger denn je. Solidarit\u00e4t beseitigt weder die Risiken, denen Frauen und feministische Friedensf\u00f6rderer:innen ausgesetzt sind, noch die strukturellen Herausforderungen, denen sie begegnen. Doch Solidarit\u00e4t als Kernst\u00fcck der feministischen Friedensf\u00f6rderung schafft Verbindungen, st\u00e4rkt kollektives Handeln und stellt sicher, dass Friedensf\u00f6rderer:innen diese Herausforderungen nicht allein bew\u00e4ltigen m\u00fcssen. Die feministische Friedensarbeit stellt konfliktbetroffene Menschen in den Mittelpunkt, um die Ursachen bewaffneter Konflikte anzugehen. Sie zielt auf transformative und strukturelle Ver\u00e4nderungen ab und basiert auf kollektivem Handeln und kollektiver Kraft<\/em><strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Solidarit\u00e4t ist ein zentraler Wert von PeaceWomen Across the Globe (PWAG). F\u00fcr manche mag dies vage klingen \u2013 wie eine sentimentale Form der Wohlt\u00e4tigkeit oder ein abstraktes philosophisches Ideal. F\u00fcr uns bei PWAG ist Solidarit\u00e4t jedoch Teil der t\u00e4glichen Praxis der feministischen Friedensarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns ist Friedensarbeit ein t\u00e4glicher Akt des Widerstands \u2013 ein Kampf, an dem weltweit Tausende aus allen Gesellschaftsschichten beteiligt sind \u2013 und nicht nur die Arbeit von Diplomat:innen und Beamt:innen in geschlossenen Sitzungen. Viele Menschen leisten t\u00e4glich und \u00fcberall einen Beitrag zum Frieden. Deshalb bedeuten Friedensprozesse f\u00fcr PWAG mehr als nur den schlagzeilentr\u00e4chtigen H\u00e4ndedruck &nbsp;m\u00e4chtiger M\u00e4nner zum Abschluss von Friedensverhandlungen. PWAG hat diese g\u00e4ngige Wahrnehmung hinterfragt und dekonstruiert. Ein Friedensprozess beginnt bereits vor dem Beginn formeller Friedensgespr\u00e4che und dauert noch Jahrzehnte nach einem Waffenstillstand oder dem Abschluss eines formellen Abkommens an. Als feministische Friedensorganisation setzt sich PWAG daf\u00fcr ein, dass die Stimmen und Forderungen von Frauen und feministischen Friedensstifter:innen, die Konflikte unmittelbar erleben, in allen Phasen von Friedensprozessen im Mittelpunkt stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solidarische und feministische Friedensf\u00f6rderung umfasst f\u00fcr PWAG den Aufbau langfristiger Partnerschaften, in denen Partnerorganisationen bei ihrer Friedensarbeit kontinuierlich begleitet werden. Das bedeutet jedoch nicht, nur einen einzigen Ansatz zu f\u00f6rdern. Friedensf\u00f6rderer:innen und Aktivist:innen \u00fcbernehmen die F\u00fchrung. PWAG begleitet und unterst\u00fctzt sie in ihrer t\u00e4glichen Friedensarbeit, die oft unter den h\u00e4rtesten Bedingungen und unter Gefahr f\u00fcr das eigene Leben durchgef\u00fchrt wird. Als Schweizer Organisation ist uns die privilegierte Position bewusst, aus einem relativ sicheren Umfeld heraus arbeiten zu k\u00f6nnen. Wir nutzen diese Position, um die Friedensarbeit unserer Partner:innen zu st\u00e4rken, indem wir Ressourcen bereitstellen, Zug\u00e4nge schaffen und unsere Anliegen gegen\u00fcber Entscheidungstr\u00e4ger:innen in der Schweiz und international sichtbar machen. Zudem st\u00e4rkt PWAG die globale Vernetzung \u00a0von Frauen und feministischen Friedensstifter:innen \u00fcber ihr Netzwerk \u00abFeminists Connecting for Peace\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Solidarit\u00e4t nimmt verschiedene Formen an<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Solidarit\u00e4t bedeutet f\u00fcr die Arbeit von PWAG und ihren Partner:innen stets, sichere und vertrauensvolle Beziehungen zwischen Frauen und feministischen Friedensstifter:innen aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Teilnehmerin unseres Sudan-Programms und lokale Friedensstifterin aus S\u00fcd-Kordofan beschreibt Frieden als \u00abdie Gewissheit, mich morgens von meinem Kind verabschieden zu k\u00f6nnen, in dem Wissen, dass es nach der Schule wieder nach Hause kommt\u00bb. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen setzt sie sich f\u00fcr lokale Waffenruhen zwischen bewaffneten Akteur:innen ein. Wir bei PWAG sind der \u00dcberzeugung, dass Frauen wie sie im Mittelpunkt der Diskussionen \u00fcber die Beendigung bewaffneter Konflikte und den Aufbau einer friedlichen Zukunft stehen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>PWAG unterst\u00fctzt die sudanesische Partnerorganisation Badya Center dabei, einen Austausch zwischen Friedensstifter:innen in S\u00fcd-Kordofan und im Exil in Kampala zu erm\u00f6glichen. Letztere stehen den offiziellen Friedensgespr\u00e4chen n\u00e4her. Dieses Programm stattet Frauen in S\u00fcd-Kordofan mit den Informationen und Werkzeugen aus, die sie f\u00fcr ihren t\u00e4glichen Aktivismus ben\u00f6tigen. Gleichzeitig erhalten die Frauen, die unmittelbarer an den Verhandlungen beteiligt sind, Informationen aus erster Hand \u00fcber die Lage im Sudan. Dadurch entsteht eine solidarische Beziehung, in der diejenigen mit (relativem) Zugang die Erfahrungen und Bed\u00fcrfnisse derjenigen vermitteln, die von formalen Prozessen ausgeschlossen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wichtig die Solidarit\u00e4t mit Friedensaktivist:innen ausserhalb des eigenen Kontexts ist, wird in den internationalen Austauschprogrammen deutlich, die PWAG organisiert. Sich im t\u00e4glichen Kampf f\u00fcr den Frieden nicht allein zu f\u00fchlen und die Solidarit\u00e4t von Friedensstifter:innen in weit entfernten Konflikten zu erfahren, sind wichtige Motivationsquellen. Nach einem Austausch mit sudanesischen Friedensstifterinnen sagte Gabriela Bastidas, eine kolumbianische Friedensaktivistin und Teilnehmerin am PWAG-Programm: \u00abAuch wenn wir viele Kilometer voneinander entfernt sind, sind wir nicht allein und verfolgen dasselbe Ziel.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinsam gegen den globalen Gender-Backlash<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die feministische Friedensf\u00f6rderung steht angesichts eines globalen R\u00fcckschlags in der Geschlechterfrage vor vielen Herausforderungen. Dies hat dazu gef\u00fchrt, dass feministische Agenden untergraben werden und weltweit an Anerkennung verlieren. Obwohl sich die Arbeit von Frauen und feministischen Friedensstifterinnen in zahlreichen von bewaffneten Konflikten betroffenen Kontexten als unverzichtbar erwiesen hat, findet sie kaum oder gar keine Sichtbarkeit und Anerkennung. Dieser Mangel an Anerkennung f\u00fchrt unmittelbar zu einem Mangel an Finanzmitteln, was den Umfang ihrer Arbeit einschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser R\u00fcckschlag wirkt sich auf den Alltag und die Arbeit der Mitglieder und Partner von PWAG aus: Hass, Gewalt und Morddrohungen machen ihre Arbeit zunehmend gef\u00e4hrlich. Leider l\u00e4sst sich dieses Problem nicht allein durch Solidarit\u00e4t l\u00f6sen. Viele Friedensstifterinnen sind in ihrem Leben und ihrer Arbeit weiterhin extremen Risiken ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Solidarit\u00e4t schafft jedoch Beziehungen, die \u00fcber jedes Programm und jede F\u00f6rderperiode hinaus Bestand haben. Ein Beispiel daf\u00fcr sind Gruppenchats in Messaging-Apps, die mehrere Teilnehmerinnen der PWAG-Programme eingerichtet haben, um sich \u00fcber Neuigkeiten auszutauschen, Analysen zu teilen, Sicherheitsbedenken zu besprechen und sich gegenseitig in schwierigen Zeiten zu unterst\u00fctzen. F\u00fcr viele sind diese Netzwerke zu einer wichtigen Quelle der Verbundenheit und Unterst\u00fctzung geworden \u2013 in Kontexten, in denen sie sich durch ihre Arbeit zutiefst allein f\u00fchlen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solidarit\u00e4t mit den von Konflikten und Gewalt Betroffenen bedeutet, ihre Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen, ihre Arbeit konkret zu unterst\u00fctzen und dazu beizutragen, den Handlungsspielraum f\u00fcr Frauen und feministische Friedensstifterinnen zu erweitern, damit sie die Entscheidungen mitgestalten k\u00f6nnen, die ihr Leben und die Zukunft ihrer Gemeinschaften betreffen \u2013 insbesondere in einer Zeit, in der diese R\u00e4ume zunehmend unter Druck geraten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Zeit zunehmenden Autoritarismus, in der der zivilgesellschaftliche Raum schrumpft und Militarisierung als Antwort auf Unsicherheit dargestellt wird, ist Solidarit\u00e4t in der Friedensf\u00f6rderung wichtiger denn je. 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