Zwei KOFF Mitgliedsorganisationen, Initiatives of Change International und die Bahá’í Community, arbeiten weltweit und in der Schweiz daran, die Handlungskompetenzen von Einzelpersonen für sozialen Zusammenhalt zu stärken und sie zu befähigen, aktiv in ihren Gemeinschaften zu wirken.
Das «Trustbuilding Programm» von Initiatives of Change International ist eine globale Initiative, die darauf abzielt, Spaltungen zu überwinden und den Dialog in Gesellschaften zu fördern, die von Misstrauen, Ausgrenzung und Konflikten geprägt sind. Das Programm wird in 16 Ländern – darunter auch in der Schweiz – umgesetzt und bildet lokale «Trustbuilder» (dt. Vertrauensbildner) aus, die helfen, Gräben zu überbrücken und historische Brüche zu heilen, indem sie Räume schaffen, in denen jede Stimme gehört wird. Der Ansatz besteht darin, regelmässige, gemeinschaftsgeleitete Begegnungsräume zu etablieren, in denen zugehört, erlittenes Unrecht anerkannt und Lösungen für nachhaltige positive Veränderungen gemeinsam entwickelt werden. Die grösste Herausforderung liegt darin, Misstrauen und polarisierte Narrative in einen sicheren, inklusiven Dialog zu verwandeln, der auch Traumata, Desinformation und Machtasymmetrien berücksichtigt. Die Initiative führt zu konkreten gemeinsamen Projekten und messbaren Fortschritten im Vertrauen und in der Zusammenarbeit.
In der Ukraine beispielsweise besteht eine zentrale Herausforderung seit der russischen Invasion in den sozialen Spannungen zwischen Binnenvertriebenen und Aufnahmegemeinschaften. Trustbuilding-Teams haben Dialogformate und Erzählkreise mit lokalen Behörden, Binnenvertriebenen und Aufnahmegemeinschaften organisiert und diese mit praktischer Integrationsunterstützung verbunden, um neue Bindungen zu schaffen. In Indonesien wird wachsende religiöse Intoleranz unter Jugendlichen mit interreligiösen Trustbuilding-Camps und «Speak Up»-Kreisen (online und offline) adressiert, die Stigmata abbauen und gegenseitiges Verständnis vertiefen. In der Schweiz startete das Programm 2025 mit einer Gruppe von Menschen mit Migrationshintergrund sowie Einwohner:innen, die mit dem Leben in der Schweiz vertraut sind. Das Ziel ist, vom individuellen Vertrauen zum kollektiven Vertrauen zu gelangen und historische Wunden anzusprechen, um sozialen Zusammenhalt zu stärken. Die Methode verbindet Instrumente der partizipativen künstlerischen Mitgestaltung und Vermittlung, Kunstobjekte, eine kaskadenartige Weitergabe und öffentliche Veranstaltungen in verschiedenen Schweizer Städten.
Das Bahá’í-Trainingsinstitut unterstützt Menschen dabei, ihre Fähigkeiten zu stärken, zum Wohl der Gesellschaft beizutragen – durch einen Prozess von konsequentem und bewusstem Studium, Beratung und Handeln. Das Curriculum, das in mehr als 160 Sprachen2 verfügbar ist, behandelt Themen wie das Leben der Seele, die Erziehung von Kindern, die Ermächtigung von Jugendlichen und den verantwortungsvollen Umgang mit materiellen Mitteln. Durch Studium und Konsultation entwickeln die Teilnehmenden Fähigkeiten zur Reflexion, zum kritischen Denken und zum zielgerichteten Handeln. Sie lernen, wie sie ihre Einsichten in konkrete Schritte für Verbundenheit und sozialen Zusammenhalt umsetzen können.
In der Schweiz treffen sich in Orten wie Nyon oder Schaffhausen regelmässig Jugendliche, um über die Realität und die Bedürfnisse ihres Quartiers zu reflektieren. Sie zogen weitere junge Menschen aus der Nachbarschaft hinzu, schufen Räume zur Beratung über positive und negative Einflüsse, denen sie ausgesetzt sind, und führten wertvolle, handlungsorientierte Gespräche. Daraus entstanden gemeinsame Initiativen wie Kunstprojekte, Sportangebote, soziale Dienste, und Nachbarschaftsspiele, die darauf ausgerichtet sind, ein Gefühl von Inklusion zu fördern.
Durch diese Erfahrungen erkennen die Teilnehmenden sowohl ihre eigenen Fähigkeiten als auch ihre Verantwortung, zum Wohlergehen ihres (sozialen) Umfelds beizutragen. Der Prozess des Trainingsinstituts wurde beschrieben als ein «lokaler, kostengünstiger, unaufgeregter, nicht konfrontativer, inklusiver und sich selbst tragender [Ansatz], der notwendig ist, um kulturelle Transformation an der gesellschaftlichen Basis herbeizuführen».1 Die Teilnehmenden stärken dadurch ihre Kompetenzen und werden weltweit für sozialen Zusammenhalt aktiv.
Das Trustbuilding Program von Initiatives of Change und das Bahá’í-Trainingsinstitut sind zwei Ansätze der Persönlichkeitsentwicklung, die auf langfristiges Engagement setzen anstatt auf kurzfristige Lösungen. Während das Trustbuilding Program auf Dialog und Versöhnung fokussiert, um beschädigte Beziehungen zu heilen, stärkt das Bahá’í-Trainingsinstitut die Fähigkeit zur Selbstentfaltung, zum Dienst am Gemeinwohl und zur moralischen Entwicklung, um Gemeinschaften widerstandsfähiger gegenüber Mustern der Spaltung zu machen. Beide erinnern uns daran, dass, egal ob wir bestehende Spannungen angehen oder eine Vision der Einheit pflegen, die Förderung des sozialen Zusammenhalts ein langfristiges Unterfangen und eine gemeinsame Verantwortung ist.
1 Paul Hanley, Eleven (Victoria, BC: FriesenPress, 2014), 138.