In Krisenkontexten ist es unabdingbar, humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung (HDP) miteinander zu verbinden. Doch ein zentraler Akteur wird bei der Operationalisierung dieses Nexus oft übersehen: die lokalen, gemeinwohlorientierten Medien, welche täglich wichtige Informationen der Bevölkerung bereitstellen. Mit 30 Jahren Erfahrung in Krisenkontexten zeigt Fondation Hirondelle, dass Medien mit ihrer unabhängigen, verlässlichen und zugänglichen Berichterstattung gleichzeitig auf allen drei Ebenen wirken:
- Sie leisten einen Beitrag zur humanitären Hilfe, indem sie lebenswichtige Informationen verbreiten, da sie oft die einzige verbleibende Verbindung zur Bevölkerung in unzugänglichen Gebieten darstellen.
- Sie tragen zur Entwicklung bei, indem sie öffentliche Räume schaffen, in denen Themen wie Bildung, Gesundheit oder Regierungsführung diskutiert werden.
- Sie fördern Frieden, indem sie Kanäle für den Dialog zwischen Konfliktparteien bieten, Versöhnungsaktivitäten sichtbar machen, jenen eine Stimme verleihen, die in «offiziellen» Friedensprozessen nicht gehört werden, und die beteiligten Akteure zur Einhaltung ihrer Versprechen öffentlich zur Rechenschaft ziehen.
Die Umsetzung des Triple Nexus erfordert mehr als eine blosse Aneinanderreihung von Projekten. Sie erfordert eine gemeinsame Analyse der lokalen soziopolitischen Dynamiken, eine abgestimmte Planung der Aktivitäten und vor allem das aktive Zuhören gegenüber der Bevölkerung. Die von der Fondation Hirondelle unterstützten Redaktionen, wie Studio Tamani in Mali oder Radio Ndeke Luka (RNL) in der Zentralafrikanischen Republik, setzen innovative Formate um, darunter partizipative Debatten, sich ergänzende Erfahrungsberichte und mehrsprachige Reportagen, die die Herausforderungen von Nothilfe, Entwicklung und Stabilisierung miteinander verbinden. In der Zentralafrikanischen Republik ist die politische Debattensendung Patara ein gutes Beispiel: Sie bringt Regierung, Opposition und Zivilgesellschaft zusammen, um über gesellschaftliche Herausforderungen, Regierungsführung und Frieden zu diskutieren. Damit fördert sie die Beteiligung von Bürger:innen und den sozialen Zusammenhalt und bietet die Möglichkeit, sowohl über den Umgang mit extremen Klimaereignissen als auch über Friedensverhandlungen zwischen bewaffneten Gruppen und der Regierung zu diskutieren. Im Jahr 2024 hörten 71 % der Zentralafrikaner:innen täglich RNL und 96 % hielten die Programme von RNL für «nützlich oder sogar unverzichtbar».
Allerdings verläuft dies nicht ohne Spannungen: Die redaktionelle Unabhängigkeit kann bei lokalen Behörden und operativen Partnern auf Widerstand stoßen. Der Mangel an finanziellen Mitteln bremst systemische und langfristige Ansätze – diese sind jedoch entscheidend für den Fortbestand stabiler und widerstandsfähiger lokaler Medien. Darüber hinaus limitiert das Fehlen eines institutionell abgestimmten Rahmens zwischen humanitären Organisationen, Gebern und Medienschaffenden das notwendige Maß an Vertrauen und Koordination zwischen diesen Akteuren.
Seit 30 Jahren im Zentrum des HDP-Nexus aktiv, teilt die Fondation Hirondelle drei zentrale Erkenntnisse:
1. Information ist ein transversales Allgemeingut, das alle Bereiche des Nexus verbindet. Sie sollte als solches anerkannt und finanziert werden.
2. Lokale Medien sind notwendige Schnittstellen zwischen der Bevölkerung und den im HDP-Nexus tätigen Organisationen:
- Sie kontextualisieren Interventionen – insbesondere internationaler Organisationen – in lokalen Kontexten, Werten und Erzählungen.
- Sie hinterfragen diese Interventionen öffentlich und fördern dadurch Transparenz und Rechenschaft.
- Sie stärken die lokalen Stimmen und machen sie für Geldgeber:innen und NGOs sichtbar.
3. Ohne von unabhängigen und lokal verankerten Medien geschaffene Räume für die Meinungsäusserung und Teilhabe der Bürger:innen bleibt Frieden Sache der Expert:innen und Entwicklungsarbeit entkoppelt von den realen Bedürfnissen der Konfliktbetroffenen.
Für einen wirksameren und inklusiveren Nexus sollten lokale Medien nicht nur als Kommunikationsinstrumente, sondern als eigenständige Akteure sozialen Wandels verstanden werden.