Guinea-Bissau – Integrierte Ansätze für Frieden

Meeting im Rahmen der Initiative für nachhaltige Entwicklung in Pirada, 2024. Voz di Paz
Interpeace

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Der Diskurs rund um den Nexus zwischen humanitärer Hilfe, Entwicklung und Frieden (HDP-Nexus) ist längst nicht mehr nur eine konzeptionelle Vision. Er spiegelt nun einen systemischen Wandel in der Art und Weise wider, wie Hilfe geplant, koordiniert und erbracht wird. Gestützt auf globale Verpflichtungen wie der New Agenda for Peace von 2023 und den Pact for the Future von 2024 fordert dieser Ansatz internationale Akteur:innen dazu auf, Risikominderung, Konfliktlösung und sozialen Zusammenhalt konsequent in humanitäre und entwicklungsbezogene Massnahmen zu integrieren. Auf operativer Ebene bedeutet das ein grundlegender Wandel in der Art und Weise, wie Hilfe erbracht wird. Interpeace setzt diesen Ansatz gemeinsam mit der FAO, UNFPA und UN-Habitat in Guinea-Bissau um.

In den Regionen Bafatá und Gabú integriert eine Vorreiterinitiative für nachhaltige Entwicklung gezielt die Friedensförderung, indem sie sich mit Land- und Wasserstreitigkeiten befasst und allgemeinere Fragen der sozialen Ungleichheit angeht. Durch die in den letzten Jahren rasche Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen, insbesondere für die Cashewnussplantagen, wurden die traditionellen Praktiken der Transhumanz – der saisonalen Wanderung von Menschen und ihrem Vieh zwischen verschiedenen Weidegebieten – in diesen Regionen stark beeinträchtigt. Diese Entwicklung hat zu zunehmenden Spannungen zwischen Bäuer:innen und Viehhalter:innen geführt – Gemeinschaften, die ohnehin vielfach marginalisiert sind und kaum Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung oder Justiz haben. Diese Spannungen eskalieren häufig in Gewalt, mit Vorfällen von vergiftetem Vieh, gestohlenen Rindern und in Brand gesteckten Feldern. Ressourcenkonflikte entwickeln sich so zu tiefgreifenderen sozialen Auseinandersetzungen.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, verbindet die Initiative Entwicklungsarbeit mit Friedensförderung, indem sie den Stimmen vor Ort Gehör verschafft und einen inklusiven Dialog fördert, beispielsweise durch Dialogclubs für Bäuer:innen und durch Räume für Frauen. Über diesen Ansatz fliessen konkrete politische Empfehlungen in die nationale Gesetzgebung zur Transhumanz und Landnutzung ein. Durch die Stärkung lokaler Vermittlungskapazitäten unterstützt die Initiative die Identifikation und Umsetzung gemeinschaftsgetragener Lösungen und präventiver Massnahmen bei Wasser- und Landkonflikten. Ausserdem werden die Ursachen von Konflikten angegangen, indem die Ausgrenzung verringert, der Zugang zu Gesundheitsversorgung1 und grundlegender Infrastruktur2 für Menschen und Nutztieren in gefährdeten Gemeinschaften verbessert und der soziale Zusammenhalt gefördert wird.

Partnerschaften mit nationalen Ministerien und lokalen Institutionen sind dabei entscheidend, insbesondere um die Präsenz staatlicher Institutionen in unterversorgten Regionen zu stärken. Ein massgeschneiderter Kapazitätsausbau unterstützt Viehhalter:innenverbände, fördert den Ausbau von sektoralen Landkommissionen und stattet staatliche Stellen mit Instrumenten für geografisches Management und Landnutzungsplanung aus. Eine zentrale Voraussetzung für die Verankerung des friedensfördernden Ansatzes in diesem Projekt war die Offenheit von Partner:innen und Geldgeber:innen gegenüber dem Mehrwert der Einbettung des HDP-Nexus in der Initiative. Dies unterstreicht, dass Friedensförderung ein systemweiter Ansatz ist, der sowohl innerhalb von Organisationen als auch organisationsübergreifend verankert werden muss, um eine effektive, kollektive Wirkung zu erzielen. Die vom UN Peacebuilding Fund finanzierte Initiative läuft bis 2025 und bietet ein übertragbares Modell dafür, wie sich Friedensorientierung in nachhaltige Entwicklung integrieren lässt, indem sie Gemeinschaften ins Zentrum der Lösungen stellt.

[1] Zur Gesundheitsversorgung gehören zwei mobile Kliniken, die abgelegene Gebiete versorgen, eine Impfkampagne für Tiere sowie Aufklärungskampagnen über reproduktive Gesundheit und HIV/AIDS-Prävention.

[2] Zu den Infrastrukturmassnahmen gehören der Bau von Bohrlöchern, Viehtränken und die Eröffnung von Wanderkorridoren für das Vieh.

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