In den letzten Jahren ist ein anhaltender Trend rückläufiger Beiträge von historisch bedeutenden Geberstaaten zu verzeichnen – mit besonders starken Auswirkungen auf die Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung. Ein Tiefpunkt dieser Entwicklung war die Einstellung der USAID-Finanzierung im Januar 2025, die verheerende Folgen für die internationale Zusammenarbeit hatte. Auf den Rückgang der Finanzierungsbeiträge folgten aussenpolitische Massnahmen der Versicherheitlichung – vor dem Hintergrund zunehmender globaler Unsicherheit, der Klimakrise und wirtschaftlicher Instabilität.
Um den gemeinsamen Austausch darüber zu fördern, organisierte swisspeace gemeinsam mit International Alert das Online-Panel «Code Red: Konfliktsensibilität in Zeiten schrumpfender Gebermittel – Herausforderungen und Chancen für den HDP-Nexus». Die Veranstaltung fand im Rahmen der Conflict Sensitivity Community Hub Konferenz vom 19. bis 22. Mai 2025 statt. Tania Hörler, Co-Leiterin des Programms Peacebuilding Analysis and Impact bei swisspeace, schilderte welche Auswirkungen die Kürzungen in der internationalen Finanzierung und die sinkende Priorität für Entwicklungszusammenarbeit auf den HDP-Nexus und dessen Umsetzung haben. Sie reflektierte über notwendige Strategien und Herangehensweisen, um diesen aktuellen Trends zu begegnen. «Eines der größten Risiken derzeit ist der Druck, schnell zu handeln, Analysen zu verkürzen und sich einseitig auf Outputs und Ergebnisse zu konzentrieren. Von Akteur:innen der Entwicklungszusammenarbeit wird erwartet, mit weniger Mitteln mehr — und schneller — zu leisten», stellte Tania fest. Sie betonte, dass diese Entwicklung die Koordination und Analysefähigkeit der beteiligten Akteur:innen untergräbt und damit das Risiko erhöht, bestehende Konflikte unbeabsichtigt zu verschärfen. Die Umsetzung des Humanitär-Entwicklungs-Friedens-Nexus steht unter erheblichem finanziellem und strategischem Druck: Kurzfristige Budgetzwänge verdrängen langfristige Perspektiven, priorisieren Soforthilfe (humanitäre Hilfe), verschärfen die Konkurrenz zwischen den drei Bereichen und wirken sich negativ auf die sektorübergreifende Zusammenarbeit und Planung aus.
In diesem Kontext braucht es ein Umdenken in der Gestaltung von internationaler Hilfe. Erstens: Wenn Hilfsmodelle stärker an lokalen Realitäten ansetzen und lokale Akteur:innen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen nicht nur als Umsetzungspartner:innen, sondern als Wissensträger:innen anerkennen, lassen sich Maßnahmen gezielter an den tatsächlichen Bedürfnissen ausrichten. Das erhöht die Wirksamkeit und ermöglicht einen strategischeren und effizienteren Einsatz der im Nexus zunehmend knappen finanziellen Mittel. Zweitens: Gemeinsame Lern- und Reflexionsräume – wie etwa Multi-Stakeholder-Einrichtungen für Konfliktsensibilität1 – sollten bewahrt und gezielt gefördert werden, da sie sektorübergreifende Koordination und kollektive Analyse stärken.
Drittens: Ein rein technisches, sektorales Denken («Silo-Mentalität») sollte zugunsten eines Nexus-Ansatzes überwunden werden – eines strukturellen Engagements, bei dem Akteur:innen aus humanitären, entwicklungspolitischen und friedensfördernden Bereichen auf der Grundlage kontextspezifischer, gemeinsamer Ziele koordiniert zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.
Wie Tania während des Panels betonte: «Wir müssen in inklusive Partnerschaften und Räume für gemeinsame Reflexion investieren. Solche Räume ermöglichen sektorübergreifende Zusammenarbeit, geteiltes Verständnis und anpassungsfähige Reaktionen. In der aktuellen angespannten Lage sind sie kein Luxus – sie sind unverzichtbar.»
[1] Zum Beispiel die Conflict Sensitivity Resource Facility im Südsudan oder das Conflict Sensitivity Hub in der Demokratischen Republik Kongo.