Unterstützung für Menschenrechtsverteidiger:innen im Exil – Peace Brigades International bekämpft transnationale Repression 

Leere Tische während eines Workshops für Menschenrechtsverteidiger:innen, die die Angst vor Repressalien verdeutlichen und die Teilnehmende davon abhält, auf dem Foto zu erscheinen, 10. Mai 2025 in San José, Costa Rica. PBI Schweiz
Peace Brigades International (PBI) schweiz
Links:
PBI Schweiz Mehr zu diesem Thema in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Facing PEACE» von PBI.

In Nicaragua nimmt die Unterdrückung abweichender Meinungen durch das autoritäre Regime von Ortega-Murillo seit 2018 systematisch zu. Besonders betroffen sind Menschenrechtsverteidiger:innen, Journalist:innen und Mitglieder der Zivilgesellschaft. Bereits über 5.600 NGOs wurden geschlossen, Dutzende Journalist:innen ins Exil getrieben und mindestens 450 Personen wurde die Staatsbürgerschaft aberkannt. Diese Unterdrückung geht einher mit einer tiefen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise, die fast 350.000 Menschen zur Flucht gezwungen hat – die meisten davon nach Costa Rica. 

Nicaraguas staatliche Gewalt geht über die Grenzen hinaus 
Der regimekritische Schriftsteller und ehemalige Soldat Roberto Samcam wurde im Juni 2025 in San José, Costa Rica, ermordet. Seine Frau Claudia Vargas trat drei Monate später vor den UN-Menschenrechtsrat. Die im Exil lebende feministische Menschenrechtsaktivistin prangerte dort die zunehmenden Angriffe auf nicaraguanische Flüchtlinge an und forderte die internationale Gemeinschaft auf, zu reagieren.  

Selbst in der Schweiz traf Peace Brigades International (PBI) auf Personen nicaraguanischer Herkunft, die anonym bleiben möchten oder sich weigern, an Veranstaltungen teilzunehmen. Grund dafür ist die Angst vor Repressalien gegen ihre Familien in Nicaragua. Im Land selbst handeln die wenigen noch aktiven Aktivist:innen und unabhängigen Journalist:innen mittlerweile im Untergrund.   

Angesichts dieser transnationalen Repression ist die gemeinsame Mobilisierung von internationalen Menschenrechtsverteidiger:innen und Netzwerken wichtiger denn je. 

Von Costa Rica nach Genf: ein wichtiges Engagement  
Seit 2019 unterstützt PBI nicaraguanische Menschenrechtsverteidiger:innen im Exil durch ein Projekt in Costa Rica. Es ist das einzige Projekt von PBI, an dem im Exil lebende Personen beteiligt sind. Ziel ist es, ihre Sicherheit, ihr psychosoziales Wohlbefinden und ihre Handlungsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig ihre Anliegen an internationale Gremien weiterzuleiten. In diesem Zusammenhang wurde im vergangenen September eine Delegation von Menschenrechtsverteidiger:innen nach Genf eingeladen, um bei diplomatischen Vertretungen und den Vereinten Nationen Advocacy-Arbeit zu leisten. 

Neben Claudia Vargas waren auch der nicaraguanische Aktivist Joao Maldonado, der zwei Mordanschläge in Costa Rica und 13 Schüsse überlebt hat, sowie seine Partnerin, die Journalistin Nadia Robleto, die seit einem überlebten Anschlag im Rollstuhl sitzt. « Ich bin ein lebendes Beispiel für grenzüberschreitende Verfolgung », berichtete sie.  

Um das Problem anzugehen sind internationale Solidarität und Advocacy-Massnahmen nach wie vor unverzichtbar. Die von PBI unterstützten Menschenrechtsverteidiger:innen fordern den UN-Menschenrechtsrat auf, entschlossen zu handeln, um der Straflosigkeit dieser Verbrechen und den anhaltenden Menschenrechtsverletzungen ein Ende zu setzen sowie den Schutz der im Exil lebenden Personen zu gewährleisten. Zu diesem Zweck ist eine Zusammenarbeit mit Costa Rica erforderlich, zum Beispiel um strafrechtliche Ermittlungen zu unterstützen. 

<>