Die vergangenen Jahrzehnte waren für die Menschen in Honduras steinig. Nachdem es 2009 zu einem Militärputsch kam, der in einer Narco-Diktatur bis 2022 mündete, steht auch in der Gegenwart das Land vor einer ungewissen Zukunft. Eine gute Entwicklungszusammenarbeit zeichnet sich auch dadurch aus, in solchen anspruchsvollen Kontexten Antworten auf die Bedürfnisse der Menschen zu finden.
Das hat Colectiva de Mujeres Hondureñas (Codemuh), eine Partnerorganisation von Brücke Le Pont in Honduras, während der Narco-Diktatur geschafft. Seit über 30 Jahren engagiert sich Codemuh für die Stärkung und Verteidigung von Frauenrechten. Besonders zentral ist dabei ihre Arbeit in den Textilfabriken.
Schlüsselpersonen in Verwaltung ausmachen
Maria Luisa Regalado ist Geschäftsleiterin von Codemuh. An die Zeit der Diktatur erinnert sie sich. Codemuh hat den Frauen in dieser Zeit den Rücken gestärkt: Gegenüber Entscheidungsträger:innen, staatlichen Stellen und bei Menschenrechtsorganisationen hat das Team von Regalado seit 2018 Advocacy-Arbeit betrieben und gleichzeitig strategische Rechtsstreitigkeiten auf nationaler und internationaler Ebene geführt. Betroffene Frauen wurden aufgeklärt – über ihre geschlechtsspezifischen Rechte und generell über Arbeitsrechtsfragen. Somit hat Codemuh rechtliche Aufklärungsarbeit geleistet, in der nicht nur Arbeitsrechtsverletzungen, sondern auch geschlechtsspezifische Gewalt regelmässig vorkommen. Mittlerweile organisieren sich die Frauen auch niederschwellig in Gruppenchats und beraten sich als Fachpersonen gegenseitig.
Während der Diktatur hat Codemuh die Flucht nach vorne ergriffen. Beamt:innen wurden mit den Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen an den Textilarbeiter:innen konfrontiert. «Wir haben dabei den Kontakt zu unseren Verbündeten in der öffentlichen Verwaltung gezielt gepflegt», sagt Regalado. Denn diese gibt es, und sie sind Schlüsselpersonen für den Erfolg der Entwicklungszusammenarbeit – gerade während einer Diktatur.
Von der Strasse an den Verhandlungstisch
Auch das Setzen auf eine Grassroots-Bewegung hat den Erfolg des Projekts während der Diktatur gewährleistet. So habe man es immer wieder geschafft, die Beamt:innen an den Verhandlungstisch zu bringen. «Als zwei grosse Kleiderproduzenten die Arbeitsrechte von über 100 Frauen verletzt hatten, mobilisierten wir eine Demonstration mit Dutzenden Frauen vor dem honduranischen Institut für soziale Sicherheit (IHSS). Noch am selben Tag empfing uns eine Delegation der IHSS-Leitung, um unseren Argumenten zuzuhören», sagt Regalado. Dies war nicht ohne Risiko, doch haben alle Betroffenen später eine Entschädigung erhalten.
Verbündete suchen, sich vernetzen, auf die Rechte pochen – trotz Diktatur. Regalado musste viel Mut beweisen. Doch der Erfolg gibt Recht: Heute trifft sie sich regelmässig mit dem Chef des Bundesgerichts, um sich mit ihm über arbeitsrechtliche Herausforderungen im Textilsektor auszutauschen. Heute hat sich die Gewaltenteilung stabilisiert. Die arbeits- und menschenrechtliche Kompetenz, welche von Codemuh in die Rechtsprechung der höchsten Gerichte einfliesst, entfaltet also auch hier strukturell ihre Wirkung.