Afghanistan – Frauen im Zentrum von Friedensprozessen

Elham Kohistani (links) und Maryam Ranjbar (rechts), mitgründerinnen von Femina Afghanistan. PWAG
PeaceWomen Accross the Globe
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Elham Kohistani und Maryam Ranjbar setzen sich seit Langem für die Förderung der Menschenrechte und des Friedens in Afghanistan und darüber hinaus ein. 2021 zur Flucht gezwungen, gründeten sie gemeinsam Femina Afghanistan – obwohl sie sich nie persönlich begegnet waren. Ihr gemeinsames Engagement, die Führungsrolle und den Einfluss afghanischer Frauen in Friedensprozessen zu stärken, führte sie zur Gründung dieser Organisation.

Welche Erfahrungen haben euch dazu bewegt, Femina Afghanistan mitzugründen?
Elham:
Ich schloss 2019 meinen Master in Friedens- und Konfliktforschung ab, auf dem Höhepunkt der Friedensgespräche in Doha. Die geringe Beteiligung von Frauen und Jugendlichen brachte mich dazu, darüber nachzudenken, wie praktisches Wissen über die Teilnahme an Friedensprozessen bewahrt und weitergegeben werden kann. Ich begann damit, den Aufbau von Netzwerken zu erkunden, um Wissen von einer Generation zur nächsten weiterzugeben, sodass zukünftige weibliche Friedensaktivistinnen nicht jedes Mal wieder bei null anfangen müssen. Doch Covid und der politische Zusammenbruch Afghanistans, ausgelöst durch die Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021, legten diese Pläne auf Eis. 2022 lernte ich durch das OSCE Women’s Peace Leadership Program Maryam kennen. Obwohl wir uns nie persönlich getroffen hatten, verstanden wir uns sofort und stellten fest, dass wir dieselbe Vision und dieselben Werte teilen.

Maryam:
So entstand die Idee für Femina Afghanistan: Wir wollten, dass afghanische Frauen sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Landes zur Friedensförderung beitragen und dabei eine führende Rolle übernehmen, unterstützt durch langfristige Leadership-Programme. Ich bin mit dem Leid und der Widerstandsfähigkeit überlebender Frauen aufgewachsen, und Femina Afghanistan wurde zu einer Möglichkeit, mir eine Zukunft und Perspektiven für afghanische Frauen vorzustellen. Wir wollen sicherstellen, dass sie befähigt werden, sich in zukünftigen Entscheidungsprozessen wirksam zu beteiligen.

Und wie macht ihr das?
Elham:
Im Januar 2025 nahm PeaceWomen Across the Globe Kontakt mit uns auf. Ihre Offenheit und Unterstützung ermutigten uns, Femina Afghanistan offiziell zu gründen. Mit ihrer Unterstützung starteten wir die Initiative «Her Peace – Afghan Women at the Centre of Peace Processes», in deren Rahmen wir virtuelle Schulungen in fortgeschrittenen Methoden der Fazilitation, Verhandlung und Mediation für erfahrene Friedensaktivistinnen sowie grundlegendes Wissen in Friedensbildung und Advocacy für lokale Aktivistinnen anbieten. Wir verbreiteten den Aufruf zur Bewerbung über unsere Netzwerke innerhalb Afghanistans und waren überrascht, 60 Rückmeldungen zu erhalten. Mit so viel Interesse hatten wir nicht gerechnet, zumal wir neu waren, aus dem Exil arbeiteten und aus Sicherheitsgründen keinen öffentlichen Aufruf veröffentlichen konnten. Dennoch schickten uns Frauen ihre ausführlichen Lebensläufe und Motivationsschreiben.

Maryam:
Das zeigte uns, wie leidenschaftlich, proaktiv, lernbegierig und friedensengagiert die Frauen in Afghanistan sind. Aus Sorge um ihre Sicherheit setzten wir Massnahmen zur Risikominimierung um, darunter Einzelgespräche mit den 20 ausgewählten Teilnehmerinnen, um ihre Situationen einzuschätzen. Viele nahmen zunächst unter Aliasnamen an der Schulung teil. Das hatten wir nicht vorhersehen können, doch es zeigte uns, wie wichtig die Initiative war: Nach der zweiten Schulungssitzung erhielten wir zahlreiche Nachrichten von Teilnehmerinnen, die uns mitteilten, dass sie sich nun gegenseitig vertrauen und ihre echten Namen verwenden möchten. Sie fühlten sich nicht mehr isoliert und wollten dieses Netzwerk und diese Gemeinschaft weiter aufbauen.

Wie sollte die internationale Gemeinschaft afghanische Friedensaktivistinnen unterstützen?
Maryam:
Was die internationale Gemeinschaft und Organisationen bereitstellen sollten – nicht nur für Femina Afghanistan, sondern für alle Frauen in Afghanistan – ist langfristige, flexible und vertrauensbasierte Unterstützung für die Einbeziehung von Frauen. Sie sollten uns und unsere Vision unterstützen und nicht nur auf eine symbolische Beteiligung abzielen, damit wir tatsächlich Einfluss auf Entscheidungsprozesse nehmen können.

Elham:
Ich habe diese Symbolpolitik viele Male erlebt. Internationale Organisationen vertrauen lokalen Organisationen oft nicht. Sie entwickeln politische Massnahmen und Aktivitäten, bauen Strukturen auf und bitten uns dann lediglich, sie umzusetzen. Wir schätzen strategische, technische, finanzielle und logistische Unterstützung, aber die Führung sollte in den Händen der afghanischen Frauen bleiben.

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