Michoacán – militarisierter Frieden hat seine Grenzen

Die internationale Begleitung trägt dazu bei, die Sichtbarkeit und den Schutz von Menschenrechtsverteidiger:innen in Michoacán zu stärken. PBI Mexiko.
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Am 9. November 2025 lancierte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum den Michoacán-Plan für Frieden und Gerechtigkeit, im Rahmen dessen 12’500 Militärangehörige eingesetzt und 57 Milliarden Pesos (rund CHF 2,5 Milliarden) bereitgestellt wurden. Ziel war es, die Sicherheit in einem Bundesstaat wiederherzustellen, der stark von Gewalt im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität betroffen ist. Der Plan sah jedoch keine spezifischen Schutzmassnahmen für Menschenrechtsverteidiger:innen, Indigene Gemeinschaften und Journalist:innen vor, obwohl gerade sie zu den am stärksten von dieser Gewalt betroffenen Gruppen gehören.

Schon bei ihrer Ankündigung verurteilte der Oberste Rat der Indigenen Völker von Michoacán (Red Solidaria de Derechos Humanos de Michoacán) die Initiative, die ohne Anhörung der Indigenen Bevölkerung ausgearbeitet wurde, als «diskriminierend, einseitig und irreführend». Sechs Monate nach der Einführung des Plans belegt eine Analyse auf der Grundlage offizieller Daten: In über 50 Prozent der Verwaltungsbezirke von Michoacán hat die Kriminalität sogar zugenommen. Am 5. Mai 2026 mussten in Apatzingán 668 Menschen aufgrund wiederaufflammender Auseinandersetzungen krimineller Banden aus ihren Häusern fliehen. Für Julio Franco von der Beobachtungsstelle für menschliche Sicherheit in Apatzingán «führt der Einsatz von mehr Sicherheitstruppen lediglich zu einer zunehmenden Militarisierung, ohne die Autorität des mexikanischen Staates oder die Rechtsstaatlichkeit in diesen Gebieten zu stärken.» Die Purépecha-Gemeinschaft von Acachuén zog eine ähnliche Bilanz und bezeichnete den Plan als «komplett gescheitert».

Vor diesem Hintergrund forderte Espacio OSC – eine nationale Plattform, die mehrere Organisationen für den Schutz von Menschenrechten und Pressefreiheit vereint und seit über zehn Jahren von PBI Mexiko begleitet wird –, dass der Plan Menschenrechtsverteidiger:innen und Journalist:innen als besonders schutzbedürftige Gruppen anerkennt. Gerade in Michoacán ist diese Forderung elementar. Von den am stärksten betroffenen mexikanischen Bundesstaaten steht Michoacán mit 158 Personen, die unter den föderalen Schutzmechanismus fallen, an dritter Stelle. Im Plan werden sie jedoch nicht erwähnt.

Vor Ort unterstützt PBI die Organisation Red Solidaria de Derechos Humanos de Michoacán (Solidaritätsnetzwerk für Menschenrechte), dem die Purépecha-Fürsprecherin Claudia Ignacio Álvarez angehört. Im Dezember 2025 reiste sie ins Vereinigte Königreich, um im Rahmen einer Advocacy-Kampagne von PBI mit britischen Abgeordneten und dem Minister für Menschenrechte zu sprechen. Sie schilderte die Risiken, denen Menschen ausgesetzt sind, die sich für die Rechte Indigener engagieren: «Wenn wir Purépecha-Frauen unsere Stimme erheben, werden wir geschlagen. Die Polizei erscheint in voller Schutzausrüstung, um mich einzuschüchtern und mich daran zu hindern, etwas zu sagen oder zu unternehmen. Überall werden wir überwacht. Vor unseren Häusern patrouillieren ständig schwer bewaffnete Polizeikräfte. Sie haben sogar gedroht, mich umzubringen.»

Das Beispiel von Michoacán zeigt die Grenzen des Versuchs, Frieden primär durch Militäreinsätze wiederherzustellen. Für Menschenrechtsverteidiger:innen, Journalist:innen und Indigene Gemeinschaften bedeutet Sicherheit auch den Schutz ihrer Rechte, den Zugang zur Justiz und die Aufrechterhaltung eines offenen zivilgesellschaftlichen Raums. In diesem Zusammenhang wird die Tätigkeit von PBI immer wichtiger: PBI begleitet Aktivist:innen der Zivilgesellschaft, hilft ihnen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen, und stärkt ihre Unterstützungsnetzwerke, damit sie ihre Arbeit trotz der Risiken, die aus einer zunehmenden Militarisierung entstehen, fortsetzen können.

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