Technologie ohne Grenzen – Wie die Militarisierung von Technologie eine menschenzentrierte Sicherheit bedroht

Privacy International/Ann Macleod
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Ein globaler Technologiewettlauf, angetrieben durch rasch wachsende öffentliche und private Investitionen, verwischt zunehmend die Grenzen zwischen zivilen und militärischen Bereichen. Diese Entwicklung untergräbt die Voraussetzungen für wirksame Friedensförderung. Das Projekt Challenging Militarization of Tech von Privacy International untersucht, wie dieselben datenintensiven Systeme – darunter Überwachungstechnologien, Cloud-Infrastrukturen und andere digitale Anwendungen – zunehmend sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich eingesetzt werden. Die Folgen sind ein Verlust an Transparenz und Kontrolle sowie weitreichende Auswirkungen auf Menschenrechte und Rechenschaftspflicht. Dabei handelt es sich keineswegs um ein abstraktes technisches Problem: Es beeinflusst unmittelbar, ob Mediator:innen in Konfliktgebieten Vertrauen geniessen, lokale Nichtregierungsorganisationen ihre Quellen schützen können und finanzielle Mittel in Konfliktprävention oder in militärische Anwendungen fliessen.

Aktuelle Beispiele verdeutlichen diesen Trend. Corsight AI entwickelte Gesichtserkennungssysteme, die zunächst in Kriegsgebieten getestet und anschliessend für zivile Überwachungszwecke vermarktet wurden. Palantir, ein auf Datenanalyse spezialisiertes Unternehmen mit engen Verbindungen zum Verteidigungssektor, arbeitet sowohl mit dem Welternährungsprogramm zusammen, um die Bereitstellung humanitärer Hilfe zu unterstützen, als auch mit dem britischen National Health Service zur Zentralisierung von Patient:innendaten. Gleichzeitig werden seine Systeme zur Unterstützung militärischer Operationen in Gaza eingesetzt. Allgemeiner betrachtet sind viele KI-Anwendungen, die in bewaffneten Konflikten genutzt werden, technisch kaum von jenen zu unterscheiden, die Regierungen zur Verwaltung öffentlicher Dienstleistungen einsetzen. Sie werden häufig von denselben Unternehmen entwickelt, basieren auf denselben Dateninfrastrukturen und werden von denselben Investor:innen finanziert.

Für zivilgesellschaftliche Organisationen, Friedensakteur:innen sowie die von ihnen unterstützten Gemeinschaften bringen diese Entwicklungen erhebliche Risiken mit sich. Eine 2018 von Privacy International und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) durchgeführte Studie zeigte, dass die Nutzung digitaler Werkzeuge durch humanitäre Organisationen Datenspuren erzeugen kann, auf die Dritte zugreifen oder die sie ausnutzen können, wodurch Hilfsempfänger:innen potenziell gefährdet werden. Die zunehmende Verschmelzung militärischer, humanitärer und kommerzieller Technologien beeinträchtigt zudem das Vertrauen und die Neutralität, auf die Friedensarbeit angewiesen ist. Wenn Menschen nicht mehr erkennen können, wer ihre Daten erhebt – ob militärische Akteure, Friedens- oder Hilfsorganisationen oder kommerzielle Plattformen, die mehreren Zwecken dienen –, wird das grundlegende Vertrauen in Vermittler:innen und Friedensfördernde geschwächt.

Insgesamt führen diese Entwicklungen zu einer Konzentration von Macht, verringern die Kontrolle und erhöhen das Risiko von Missbrauch. Damit stehen sie im Widerspruch zu einer menschenzentrierten Sicherheitsvorstellung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, bedarf es koordinierter Massnahmen: Humanitäre, entwicklungs- und friedenspolitische Akteure sollten gemeinsam mit der Zivilgesellschaft, Sicherheitsakteur:innen und betroffenen Gemeinschaften Koalitionen bilden und mehr Transparenz sowie Rechenschaftspflicht bei der Steuerung datenintensiver Systeme einfordern. Ebenso wichtig ist es, politischen Entscheidungsträger:innen deutlich zu machen, dass menschenrechtsbasierte Sicherheitsansätze keine optionale Ergänzung darstellen, sondern die Grundlage für einen nachhaltigen Frieden bilden.

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