Die DEZA in Burkina Faso – Programm für Frieden und sozialen Zusammenhalt

Mediation einer lokalen Vereinbarung über den Wald von Wakou, Fokusgruppe PDI, Diapangou, Juni 2025. EDA
DEZA/swisspeace
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Programm für humanitäre Hilfe und Frieden in Burkina Faso, DEZA

Ein Gespräch mit Annalia Bodeo, Programmbeauftragte für humanitäre Hilfe und Frieden in Ouagadougou der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Burkina Faso.

Bitte beschreiben Sie das DEZA-Programm für Frieden und sozialen Zusammenhalt in Burkina Faso. Was waren die Gründe und Ziele für die Einführung des Programms?

Das schweizerische Kooperationsbüro ist seit über 50 Jahren in Burkina Faso vor Ort. Seit 2015 verschärfen sich in Folge einer Sicherheits- und humanitären Krise die gesellschaftlichen Spannungen kontinuierlich. Dabei geht es unter anderem um natürliche Ressourcen. Laut offiziellen Angaben gab es im März 2023 landesweit 2’062’534 Binnenvertriebene. In städtischen Gebieten verstärkte sich der Wettbewerb um den Zugang zu natürlichen Ressourcen, Grundversorgungsdiensten und wirtschaftlichen Möglichkeiten zwischen diesen Gruppen und den Aufnahmegemeinden. Als Reaktion darauf wurde im Oktober 2023 das DEZA-Programm für Frieden und sozialen Zusammenhalt ins Leben gerufen.

Im Mittelpunkt des Programms steht die Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Es steht im Einklang mit der «Triple Nexus»-Strategie aus humanitärer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung, die die Schweiz in Burkina Faso verfolgt, sowie mit der schweizerischen Strategie zur internationalen Zusammenarbeit 2025–2028. Das übergeordnete Ziel besteht darin, bis 2031 die Grundlagen für eine positive und friedliche Konflikttransformation zu schaffen. Dies soll durch inklusive endogene Mechanismen erreicht werden, unter Einbezug der öffentlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft. 

Welche Prioritäten verfolgt das Programm für Frieden und sozialen Zusammenhalt der DEZA? 

Das Programm setzt sich aus fünf Komponenten zusammen. Die erste Komponente zielt darauf ab, die Wirksamkeit, Koordination und Relevanz der Massnahmen für Frieden und sozialen Zusammenhalt zu stärken. Dazu dient ein gemeinsames System für Friedensressourcen zur Unterstützung der Mitglieder:innen der Dialogplattform für Friedensförderung «Cadre de Concertation pour la Consolidation de la Paix». Die Dialogplattform wird seit Oktober 2024 von der Schweiz geleitet und setzt sich aus NGOs sowie aus technischen und finanziellen Partnern zusammen. Die technischen Dienste der Ministerien, die sich mit Frieden und sozialem Zusammenhalt befassen, werden regelmässig aufgefordert, ihre Massnahmen vor Ort zu koordinieren. Die zweite Komponente widmet sich der Identifizierung und Umsetzung vielversprechender und innovativer lokaler Initiativen in den Bereichen sozialer Zusammenhalt und Frieden, um ihre nachhaltige Etablierung zu fördern. Die dritte Komponente befasst sich mit der Mediation und Lösung lokaler Konflikte im Zusammenhang mit natürlichen Ressourcen in land- und weidewirtschaftlich genutzten Gebieten. Die vierte und fünfte Komponente zielen darauf ab, die Regierungsführung im Sicherheitssektor sowie die Achtung der Menschenrechte, insbesondere der schutzbedürftigen Personen, zu stärken.

Die DEZA unterstützt den nationalen Aktionsplan für Frieden von dem «Secretariat Technique de la Promotion de la Paix et du Vivre Ensemble» (dt. Technisches Sekretariat für Friedensförderung und des Zusammenlebens) des burkinischen Ministeriums für Humanitäre Hilfe. Dazu bietet es Workshops zu den Themen sozialer Zusammenhalt und Friedensinfrastruktur sowie Weiterbildungen zu den verschiedenen Justizformen an.

Welche Ergebnisse wurden seit Beginn des Programms erzielt? 

Das Programm ist in zwei Phasen aufgeteilt. Derzeit befinden wir uns in der ersten Phase, die von 2023 bis 2027 dauert. Der Inhalt ist sehr umfangreich, aber wir kommen gut voran. Beispielsweise konnten zwischen Juni 2024 und 2025, 362 lokale Konflikte im Zusammenhang mit natürlichen Ressourcen von neun Mediator:innen-Netzwerken im Bereich Land- und Weidewirtschaft selbstständig gelöst werden. Derzeit laufen mehrere Mediationsverfahren zur Erarbeitung von vier lokalen Konventionen und zwei Nutzungsvereinbarungen für Wasser und Wälder. Dabei arbeiten wir eng mit den lokalen Gemeinschaften und Behörden zusammen. Im Sicherheitsbereich konnten mehr als 300 Akteur:innen ihre Kenntnisse über die Rechenschaftspflicht, die Achtung der Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht verbessern. Ein Workshop zum Thema sozialer Zusammenhalt brachte erstmals staatliche Behörden, Mitglieder der Justiz, traditionelle und religiöse Vertreter sowie im Land tätige zivilgesellschaftliche Organisationen (darunter Frauen- und Jugendorganisationen) zusammen. In dem Workshop wurden gemeinsam die Grundlagen für einen nationalen Fahrplan zur Förderung von Versöhnung, sozialem Zusammenhalt und dauerhaftem Frieden in Burkina Faso festgelegt. Das nächste Ziel ist die Verabschiedung dieses Fahrplans auf höchster Ebene. Als Ergebnis eines inklusiven Prozesses wird er dazu beitragen, die Versöhnungsbemühungen sowie die Massnahmen für Frieden und sozialen Zusammenhalt zu lenken.

Inwiefern hängt in Burkina Faso sozialer Zusammenhalt mit einem dauerhaften Frieden zusammen? 

Sozialer Zusammenhalt ist für mich die Grundlage für dauerhaften Frieden. Ein junger Mann aus Burkina Faso sagte kürzlich zu mir: «Es geht um die Fähigkeit miteinander leben zu können und darum Unterschiede zu akzeptieren und wertzuschätzen. Aber vor allem geht es um Vergebung.» Diese Haltung zeigt die in Burkina Faso tief verwurzelte Solidarität. Um sie nachhaltig zu stärken, erscheinen mir drei Aspekte wesentlich: Erstens die Förderung des Dialogs, der Bekämpfung ethnischer und religiöser Stigmatisierung sowie die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit. Zweitens sind mehr Investitionen in die Schlichtung von Konflikten im Zusammenhang mit dem Zugang zu Wasser und Land erforderlich. Und Drittens ist sicherzustellen, dass Frauen und Jugendliche einbezogen werden, indem ihre Erfahrungen und ihre aktive Rolle wertgeschätzt werden.

Meiner Meinung nach ist es wichtig Brücken zu bauen, zwischen Sprachen, Herkunft, Religionen, Ethnien und Traditionen. Auf diese Weise wird die Vielfalt zu einer wertvollen Ressource für den Frieden und den sozialen Zusammenhalt, die durch Dialog und den Respekt im Alltag stetig wächst.

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