Die neue Sicherheitspolitische Strategie des Staatssekretariats für Sicherheitspolitik (SEPOS) widerspiegelt die weltweite Entwicklung hin zu mehr militärischer Vorsorge und höheren Verteidigungsausgaben. Sie unterstreicht die Bedeutung nationaler Resilienz und autonomer Verteidigungsfähigkeit angesichts unzähliger moderner und hybrider Bedrohungen. Dass Frieden eigentlich die Grundlage für langfristige Sicherheit ist, findet in der Strategie zu wenig Beachtung.
In einem politischen Diskurs, der immer stärker von Polarisierung und Sicherheitsfragen geprägt ist, sollten wir den gegenwärtigen Herausforderungen nicht primär mit dem Ausbau der Verteidigungsfähigkeit begegnen. Vielmehr gilt es, einen auf Menschen konzentrierten Sicherheitsansatz zu fördern. Die neue Strategie ist eine Chance, Sicherheit und Resilienz durch sozialen Zusammenhalt neu zu definieren, und zwar nicht als zweitrangiges «weiches» Anliegen, sondern als Kernelement wahrer Sicherheit. Durch ein zunehmend militarisiertes Verständnis von Sicherheitsrisiken schränken wir unsere kollektive Vorstellungskraft ein – ausgerechnet in einer Zeit, in der die Menschheit inklusivere und langfristigere Perspektiven braucht. Zwei Weltkriege hat es gebraucht, um endlich eine Lösung auf globaler Ebene zu suchen und darüber nachzudenken, was Weltfrieden für den Fortschritt der Menschheit bedeuten könnte. Eine Rückkehr zu militärischen Lösungen und Isolierung ist ein Rückschritt.
In den Schriften der Bahá’í gilt Frieden als das Ergebnis gerechter Beziehungen zwischen Menschen, Institutionen und Nationen. Dauerhafte Sicherheit gründet auf Gerechtigkeit, Vertrauen sowie sozialem Zusammenhalt. Und auf der Erkenntnis, dass wir alle eins sind.
In Kolumbien, Indien, Malaysia, Sambia und anderen Ländern setzen sich Bahá’í-Gemeinden dafür ein, den sozialen Zusammenhalt unter anderem durch Initiativen für Geschlechtergleichstellung zu stärken. Dies beeinflusst auch den Diskurs auf nationaler und globaler Ebene. Die Bahá’í-Gemeinde in Kiribati empfiehlt: «Der Weg in die Zukunft führt über einen zweifachen Ansatz: Stärkung von Initiativen an der Basis, um kulturelle Barrieren zu überwinden, und sinnvolle Umsetzung nationaler Massnahmen in lokalen Kontexten.»1 So lautete auch der Tenor der diesjährigen «Promise of World Peace», einer Veranstaltung der Internationalen Bahá’í-Gemeinde für UNO-Mitgliedstaaten und die Zivilgesellschaft.
Die Schweiz trägt seit Langem zum humanitären Völkerrecht, zum internationalen Dialog und zur multilateralen Zusammenarbeit bei. Durch eine Übertragung dieses Engagements auf die Basis-Ebene könne das Land die Beziehungen zu seinen Nachbarländern und Handelspartner:innen stärken, so die Schweizer Bahá’í-Gemeinde.
In einer Zeit zunehmender Zersplitterung erfordert Sicherheit weit mehr als technische Lösungen. Es braucht ein neues Bewusstsein für die Verbundenheit aller Menschen und die Verpflichtung, die Voraussetzungen für Frieden zu schaffen.
