Weltweit definieren Regierungen Sicherheit zunehmend durch Militarisierung und steigende Verteidigungsausgaben. Im Südsudan hat dieser Trend direkte Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen. Statt Sicherheit zu schaffen, verstärkt er häufig die Unsicherheit – insbesondere für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen – und schwächt zugleich die sozialen Grundlagen, auf die Gemeinschaften angewiesen sind.
Steigende Investitionen in militärische Strukturen gehen oft zulasten grundlegender Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Einkommensmöglichkeiten. Gerade diese Systeme sind jedoch entscheidend für die Menschenwürde und die langfristige Stabilität.
Wird Sicherheit vor allem militärisch verstanden, nimmt die Gewalt zu. Die grössere Verfügbarkeit von Waffen erhöht das Risiko ihres Missbrauchs, etwa bei Viehdiebstählen, interkommunalen Konflikten oder geschlechtsspezifischer Gewalt.
Angst wird zur alltäglichen Realität und zwingt Menschen zur Flucht, noch bevor Konflikte offen ausbrechen. Menschen fliehen nicht nur während aktiver Kampfhandlungen, sondern auch dann, wenn sie ein erhöhtes Gewaltrisiko wahrnehmen. Im Südsudan sind selbst vergleichsweise stabile Regionen einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. Die Auswirkungen reichen über die Landesgrenzen hinaus: Die Bewegungen von Geflüchteten und Rückkehrenden verbinden die Krise im Südsudan mit den Nachbarländern Uganda und Kenia. Die durch Militarisierung verursachten Unsicherheiten erfordern daher regionale Lösungsansätze.
Seit mehr als fünf Jahrzehnten arbeitet Mission 21 gemeinsam mit kirchlichen Partnerorganisationen, die tief in ihren Gemeinden verwurzelt sind, daran, den Frieden im Südsudan zu fördern. Im Zentrum der Arbeit von Mission 21 steht der sogenannte Bottom-up-Ansatz: den Gemeinschaften aufmerksam zuzuhören und in Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen lokalen Partner:innen zu arbeiten. Dadurch wird sichergestellt, dass die Unterstützung den tatsächlichen Bedürfnissen und Lebensrealitäten der Menschen entspricht. Diese Partnerschaften ermöglichen zudem die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden, um Dialog, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung zu fördern, ohne militarisierte Sicherheitslogiken zu verstärken. Letztlich plädiert dieser Ansatz für ein umfassenderes Verständnis von Sicherheit.
Für Mission 21 bedeutet Sicherheit, dass Menschen in Würde leben, ihre Familien schützen, ihren Lebensunterhalt sichern und Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen haben. In all ihren Tätigkeiten – auch in der Nothilfe – integriert Mission 21 Friedensförderung, Versöhnung und Vergebung als zentrale Elemente ihrer Projektarbeit. Selbst in Krisen- und humanitären Kontexten stärkt die Organisation den Dialog, das Vertrauen und die gewaltfreie Konfliktlösung. So wird sichergestellt, dass unmittelbare Hilfe bestehende Spannungen nicht unbeabsichtigt verschärft, sondern den sozialen Zusammenhalt und den gegenseitigen Respekt fördert.
Der Weg zu einem dauerhaften Frieden im Südsudan erfordert die Stärkung von Gemeinschaften, den Schutz der Menschenwürde und die Anerkennung der Friedensförderung als wesentliche Grundlage der Sicherheit. Darüber hinaus ist eine engere Zusammenarbeit zwischen humanitären, entwicklungspolitischen und friedensfördernden Akteur:innen notwendig, um ganzheitliche und menschenzentrierte Sicherheitsansätze voranzubringen.