Der psychosoziale Ansatz – der vergessene Hebel des Triple Nexus

Marcos' Fischergruppe während eines Workshops zur Stressbewältigung in ihrem Dorf. CERD
Fastenaktion
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Fastenaktion-Program den Philippinien

Jedes Jahr werden die Philippinen von Taifunen heimgesucht, welche zunehmend heftiger und häufiger werden. Die Zerstörung ist so gravierend, dass Entwicklungsprojekte von Fastenaktion, die sich an Bäuer:innen und Fischereigemeinschaften richten, massiv beeinträchtigt werden. Ernten und Fischerboote werden zerstört – ebenso wie die lebenswichtige Energie, um weiterzumachen. Als Reaktion darauf leisten Fastenaktion und ihre Partnerorganisation CERD seit 2014 Unterstützung in Form von Nahrungsmitteln, Saatgut und psychosozialer Begleitung. Dafür setzen sie verschiedene Instrumente psychosozialer Unterstützung ein, die heute fester Bestandteil von Schulungen zur Katastrophenvorsorge sind. Der Raum zum Austausch, kumustahay (von kumusta ka – «Wie geht’s?» auf Tagalog) ist eines davon: In einem regelmäßig dafür stattfindenden Austausch teilen Taifun-Betroffene ihre Emotionen, ihre Verzweiflung oder das Gefühl der Einsamkeit.

In diesem Raum können die Teilnehmenden die Last ihres Leidens ein Stück weit ablegen. Der ehrliche Austausch vertieft die Verbundenheit innterhalb der Gemeinschaft, wie eine Überlebende berichtet: «Das Teilen hat mir Kraft und neues Selbstvertrauen gegeben – jetzt weiß ich, dass andere in der gleichen Situation sind Sally, die Direktorin von CERD, erklärt, dass viele Überlebende nach der Teilnahme an diesem Austausch ihre sozialen Kontakte und den Austausch mit anderen intensivieren. Dieser Austausch-Raum dient nicht nur der Gemeinschaft, sondern auch dem Team der Partnerorganisation, welches auch von Taifunen betroffen ist. Dies fördert sozialen Zusammenhalt, ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl, Solidarität und Vertrauen. Die individuelle wie kollektive Resilienz, die daraus entsteht, stärkt das Engagement des Teams im Projekt.

Die Taifune auf den Philippinen verdeutlichen, wie eng humanitäre Hilfe, Entwicklungsarbeit und Friedensförderung miteinander verknüpft sind und welchen Mehrwert die Integration der psychosozialen Unterstützung im Nexus leisten kann. Die Verluste durch die Taifune verschärfen die Armut was wiederum einen Nährboden für Konflikte schafft. CERD beobachtete, dass die in psychosozialen Prozessen – wie den Austausch-Räumen – erworbenen sozialen Fähigkeiten, zur Entwicklung von Empathie und Solidarität unter den Mitgliedern beitragen und ihre Fähigkeit zur Deeskalation von Spannungen und Chaos stärken. Marcos Diaz, selbst Überlebender mehrerer Taifune und Leiter einer kleinen Fischerorganisation, berichtet, dass ihm die psychosoziale Unterstützung durch die Austausch-Räume half, Konflikte im Dorf zu lösen, die durch ungerechte Verteilung von Hilfsgütern entstanden waren. Es gelang ihm, den Verlauf des Konflikts zu wenden und andere Überlebende dazu motivieren, von der Regierung eine effizientere, transparentere und gerechtere Nothilfe zu fordern.

CERD nutzt die Austausch-Räume inzwischen das ganze Jahr über, nicht nur nach Naturkatastrophen. Die dadurch entstandene psychosoziale Kultur ist ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Friedensförderung. Im Philippinen-Programm von Fastenaktion ist psychosoziale Unterstützung daher ein zentraler Pfeiler der Nothilfe, des Wiederaufbaus von Projekten und des Zusammenhalts der Gemeinschaft.

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