Manifest – für eine lokal verankerte internationale Zusammenarbeit

Eine Lehrerin, die für den zweisprachigen Unterricht in Mooré und Französisch zuständig ist, erklärt den Schüler:innen die Übungen, Schule Trame d’Accueil. Adrian Bitibaly/Fairpicture/Enfants du Monde
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Die Diskussion rund um die Dekolonisierung und Lokalisierung der internationalen Zusammenarbeit (IZA) wurde in den letzten Jahren oft mit einem verengten Blick auf die Finanzflüsse geführt: Die Lokalisierung der Zusammenarbeit sei dann erreicht, wenn mehr Mittel direkt an lokale Partner:innen vergeben würden. Dies ist wichtig, blendet jedoch zentrale Machtfragen innerhalb der Partnerschaften aus. Denn solche Finanztransfers gehen oft mit verstärkten Rechenschaftspflichten gegenüber den Geldgeber:innen einher. Die direkte Finanzierung lokaler Organisationen allein reicht daher nicht aus, um die lokale Steuerung der Programme sicherzustellen.

Die Praxiserfahrung zeigt, dass der Aufbau gleichberechtigter Partnerschaften mit dem Ziel einer dekolonisierten internationalen Zusammenarbeit auf mehreren Säulen beruht und Zeit braucht. Denn vertrauensvolle Partnerschaften lassen sich nicht verordnen – sie werden durch einen langjährigen Dialog auf Augenhöhe und konkrete Taten etabliert. Dies führt im Idealfall zur Stärkung lokaler Organisationen, die ihre Prioritäten selbst definieren und ihre Partner eigenständig wählen. Zwangsläufig stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der Rolle der Schweizer NGOs. Schweizer Entwicklungsorganisationen sind überzeugt: Eine aktive und engagierte Zivilgesellschaft wird auch in Zukunft unverzichtbar sein. Doch die Rollen der verschiedenen Akteure werden sich verändern – und das ist richtig und wichtig.

Mit dem Ziel, ein breiteres Verständnis für die notwendigen Schritte zu etablieren, haben über 40 Schweizer NGOs gemeinsam ein Manifest für eine lokal verankerte internationale Zusammenarbeit verfasst. Es ist ein Leitfaden für die eigene Arbeitsweise und zugleich ein Aufruf an die Geldgeber:innen, ihre Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass die notwendigen Veränderungen vorangetrieben werden können.

Das Manifest ist auch eine Antwort auf das Erstarken autoritärer Kräfte, die Menschenrechte gezielt untergraben, zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume einschränken und den Multilateralismus in seinem Fundament schwächen. Umso bedeutender ist vor diesem Hintergrund eine internationale Zusammenarbeit, die die Verletzlichsten dieser Welt ins Zentrum stellt. Dies kann jedoch nur erreicht werden, wenn sich lokale Akteure, Schweizer NGOs, Regierungen, Geldgeber:innen, der Privatsektor und die Wissenschaft als Verbündete verstehen, die gemeinsam zur Verwirklichung der Menschenrechte beitragen.

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