Konfliktsensitive Lokalisierung – zurück zur lokalen Führung

Conflict Sensitivity Resource Facility (CSRF) South Sudan

swisspeace
Links:
CSRF South Sudan swisspeace-Programm «Analysis & Impact» Artikel (EN): «Conflict and gender sensitivity» CSRF-Studie (EN, 2026): «A System Under Pressure» Artikel (EN) des Rift Valley Instituts (2026): «Kampala resolution on rethinking aid in Sudan and South Sudan»

Durch anhaltende Konflikte, politische Instabilität und eine stark fragmentierte Hilfslandschaft ist im Südsudan ein Umfeld entstanden, das Lokalisierung stark erschwert. Ohne sorgfältige Kontextualisierung können Bemühungen zur Lokalisierung von Hilfsangeboten ungewollt bestehende Ungleichheiten, die Vereinnahmung durch die Elite oder gesellschaftliche Spannungen verstärken. Werden lokale Partner:innen etwa auf Grundlage der Sichtbarkeit, der Nähe zu den Gebenden oder der politischen Ausrichtung ausgewählt, schliesst man vielleicht andere legitime Akteure der Gemeinschaft aus und verschlimmert lokale Missstände. Bei der Lokalisierung geht es also nicht rein um Finanzierung oder Programmgestaltung: Im Zentrum stehen Vertrauensbeziehungen, Legitimität und Machtdynamiken.

Bei der Conflict Sensitivity Resource Facility (CSRF) South Sudan stehen lokale Akteure und ihre Handlungsfähigkeit als integraler Bestandteil der Konfliktsensitivität schon lange im Zentrum. Unserer Erfahrung nach baut erfolgreiche konfliktsensitive Lokalisierung auf drei Grundsätzen auf:

  1. Kontextuelle Legitimität
    Lokale Initiativen sollten auf Akteure gestützt werden, die innerhalb ihrer Gemeinschaft echte Legitimität geniessen. Dazu gehört nicht nur die Bewertung der technischen Kapazitäten, sondern auch der sozialen Glaubwürdigkeit, der Darstellung und der Inklusivität. Durch die Anerkennung der Legitimität sinkt das Risiko für eine Vereinnahmung durch die Elite und das Programm spiegelt die Prioritäten der Gemeinschaft wider. Lokalisierte Programmentscheide auf der Basis gründlicher lokaler Kontext- und Konfliktanalysen stellen sicher, dass Hilfsinterventionen sich besser in die Machtdynamiken vor Ort einfügen und nicht versehentlich Spannungen verstärken.
  2. Partnerschaften auf Augenhöhe
    Lokalisierung soll dazu führen, dass verschiedene lokale und nationale Akteure gemeinsam die Führung übernehmen. Keinesfalls sollen sie beim Entwurf und bei der Steuerung nur am Rande beteiligt sein und danach die Umsetzung allein stemmen müssen. Kleinere, gemeinschaftsbasierte Organisationen und bisherige Randgruppen sollten Teil davon sein. Damit lokale Akteure tatsächlich bestimmen können, wie Hilfe geleistet wird, braucht es Partnerschaften, die auf Vertrauen, Transparenz, gegenseitiger Verbindlichkeit und gemeinsamer Verantwortung basieren; Partnerschaften ohne rein symbolische Beteiligung, sondern solche, die Räume schaffen, in denen lokale Akteure mehr erreichen können als nur die Beeinflussung von Entscheidungen, Ressourcenzuteilung und strategischer Richtung.
  3. Ganzheitliche Stärkung von Institutionen
    Lokalisierung ist nur dann nachhaltig, wenn lokale Institutionen ganzheitlich gestärkt werden. Investitionen in Projekte sollten langfristig angelegt sein, um institutionelle und betriebliche Resilienz aufzubauen und betriebliche Systeme, Mitarbeiterkompetenzen, Führungskapazitäten und Governance-Strukturen zu verbessern. Nicht zuletzt sollte dieser Weg zum Kapazitätsaufbau als wechselseitige Erfahrung gesehen werden: Auch internationale Akteure lernen dazu, etwa, indem sie an Kontextverständnis gewinnen, ihre Betriebspraxis verbessern und ihr thematisches Wissen erweitern.

Dieser Artikel von Emmanuel Louis der Conflict Sensitivity Resource Facility (CSRF) South Sudan und Kevin Lehne von swisspeace ist eine gekürzte Version eines CSRF-Blogbeitrags von Januar (auf Englisch). Weitere Informationen zu den Erkenntnissen zur CSRF in den Bereichen Operationalisierung von Konfliktsensitivität und Lokalisierung sind in der linken Seitenleiste des Artikels verlinkt.

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