Entscheidungen in den Bereichen humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung (HDP) werden oft fernab der betroffenen Gemeinschaften getroffen. Vor diesem Hintergrund hat Lokalisierung an Bedeutung und Dringlichkeit gewonnen. Lokalisierung erfordert die Verlagerung von Ressourcen, Handlungsspielraum und Entscheidungsmacht von internationalen auf lokale Akteure, die aus den betroffenen Gebieten stammen und dort leben.
Mit der «Grand Bargain»– Vereinbarung von 2016 wurde der Dringlichkeit Ausdruck verliehen. Die Vereinbarung zielt darauf ab, «den Menschen in Not mehr Mittel zur Verfügung zu stellen und die Wirksamkeit und Effizienz der humanitären Hilfe zu verbessern». Die Debatte um die Lokalisierung hat sich seither sowohl in der Praxis als auch im akademischen Diskurs ausgeweitet.
Humanitäre Hilfsorganisationen haben ihre Lokalisierungsstrategien ausgeweitet, sich verstärkt für die Übertragung der Programmverantwortung an die betroffenen Regionen eingesetzt und ihre Modelle für Fundraising, Kommunikation und Personalbesetzung überdacht. In dieser Ausgabe stellen KOFF-Mitgliedsorganisationen und ihre Partner:innen ihre diesbezüglichen Bemühungen vor.
Trotz positiven Erfahrungen stellen die Beitragenden auch zahlreiche Schwächen und Herausforderungen fest. Diese sind teilweise auf uneinheitliche Auslegungen und Erwartungen von Lokalisierung innerhalb bestehender politischer, rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen zurückzuführen. Die Folgen davon sind (unter anderem) anhaltende Vertrauensprobleme, unflexible Geberfinanzierungen sowie mangelnde Bereitschaft ausreichend Kontrolle abzugeben und das Partnerschaftsmanagement neu zu gestalten.
Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre.
Sanjally Jobarteh
Herausgeberin KOFF-Magazin




