Wenn von Friedensförderung die Rede ist, denkt man spontan an Verhandlungen, Gerechtigkeitsprozesse, Mediation oder die Stärkung von Institutionen. Seltener denkt man dabei an Informationen. Dabei ist in von Krisen und Polarisierung geprägten Kontexten der Zugang zu verlässlichen, lokalen und unabhängigen Informationen wesentlich für das Verständnis und die Teilhabe der Bevölkerung an Friedensprozessen. Damit dies gelingt, muss Information sowohl horizontal – durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch – als auch vertikal zirkulieren: von den Gemeinschaften zu den Entscheidungsträger:innen und umgekehrt.1
Bei Fondation Hirondelle leitet uns diese Überzeugung seit über dreissig Jahren. Wir betrachten Informationen als öffentliches Gut und als Hebel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch wie lässt sich nachweisen, dass ein Medium tatsächlich zum Frieden beiträgt? Wie lässt sich das messen? Frieden hängt von politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Faktoren ab, die weit über den Bereich der Information hinausgehen. Ein Radioprogramm, so relevant es auch sein mag, «schafft» keinen Frieden. Es kann jedoch dazu beitragen, die Bedingungen zu schaffen, die ihn ermöglichen.
Unsere Instrumente zur Begleitung, Evaluation, Rechenschaftslegung und zum Lernen helfen uns, diese indirekten Beiträge zu dokumentieren und besser zu verstehen. Eine im Jahr 20212 in Madagaskar durchgeführte Wirkungsstudie mit über 7’000 Jugendlichen zeigte, dass eine Dialogsendung von Studio Sifaka dazu beitrug, politische Diskussionen, gesellschaftliche Teilhabe und den inklusiven Dialog zu stärken. Allgemeiner untersuchen wir, ob Menschen relevante Themen besser verstehen, sich in den Medien stärker repräsentiert fühlen und ob Medienangebote den Dialog fördern sowie Gerüchten und Desinformation entgegenwirken.
Diese Entwicklungen sind für sich allein keine Friedensindikatoren. Sie geben jedoch Aufschluss über bestimmte Mechanismen, die dazu beitragen können. Dazu zählen Vertrauen, Teilhabe, Inklusion, die Fähigkeit, Entscheidungen auf der Grundlage von Fakten zu treffen, sowie der Rückgriff auf Dialog statt Gewalt zur Konfliktlösung. Die Grenzen der Wirkungsmessung veranlassen uns auch dazu, unsere Art der Wirkungsbewertung und -kommunikation zu überdenken. Während die internationale Finanzierung zurückgeht, steigt der Druck, rasche und leicht quantifizierbare Ergebnisse vorzuweisen. Die Wirkung von Medien entfaltet sich jedoch oft schrittweise und relational, sodass sie sich nur schwer in wenigen Zahlen zusammenfassen lässt. Deshalb kombinieren wir Publikumsbefragungen, quantitative und qualitative Studien, redaktionelle Analysen, Interviews, Fokusgruppen und Rückmeldungen des Publikums, um verschiedene Quellen miteinander zu verknüpfen und die Auswirkungen unserer Massnahmen besser zu verstehen.
Frieden ist kein starrer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Auch wenn sich Frieden nicht direkt messen lässt, können wir die Veränderungen und Massnahmen dokumentieren, die Gesellschaften dabei unterstützen, Spaltung, Gewalt und Informationsmanipulation besser zu widerstehen. In einer Zeit, in der sich Krisen in die Länge ziehen und Desinformation demokratische Räume schwächt, ist es notwendiger denn je, Information als Friedensinfrastruktur anzuerkennen. Diese Veränderungen sichtbar zu machen und zu dokumentieren, bedeutet auch, die Rolle der Medien beim Aufbau inklusiverer und friedlicherer Gesellschaften besser anzuerkennen.
[1] Stellungnahme zum Thema Mediation: https://www.hirondelle.org/fr/media-et-mediation-notre-positionnement
[2] Studie: https://www.hirondelle.org/fr/limpact-dune-emission-de-dialogue-du-studio-sifaka-sur-lengagement-citoyen-des-jeunes-malgaches