Frieden beginnt im Alltag

Azizbek Usmanov (Trainer), Aibek Nurbek, Eldiar Sydykov, Bibigul Bolotbek und Dilbora Irisova nehmen an einer Trainingsübung im Rahmen des Projekts «Youth United for the Future» teil, Kirgisistan. Patrick Rohr.
Helvetas
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Während die Welt Drohnen, Tote und Kriege zählt, arbeiten Menschen abseits des medialen Scheinwerferlichts unermüdlich für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt, der Gemeinschaften hilft, Krisen zu überwinden und Konflikte konstruktiv zu bearbeiten. Helvetas unterstützt diese tägliche Friedensarbeit.

«Ich wusste einfach nicht, wie man richtig zuhört», sagte ein Vater in Kirgistan nach einem Treffen mit Jugendlichen, bei dem Kommunikationsmuster analysiert wurden. Die Dialogtreffen waren Teil eines Projekts, das extremistische Radikalisierung unter kirgisischen Jugendlichen verhindern sollte. Schon früh hatte das Projektteam festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen Radikalisierung und Ausgrenzung, mangelnder gesellschaftlicher Teilhabe sowie fehlendem intergenerationellem Dialog gibt. Helvetas brachte deshalb mit einer Jugendorganisation Generationen zusammen, damit sie lernten, einander zuzuhören. So konnten Muster durchbrochen werden, in denen Jugendliche schweigen und gehorchen mussten.

Helvetas ist eine Entwicklungsorganisation, die bestehende Programme so gestaltet, dass sie zum Frieden beitragen. Zum Beispiel in Borana im Süden Äthiopiens, wo Helvetas pastorale Gemeinschaften dabei unterstützt, ihre Lebensgrundlagen angesichts des Klimawandels zu sichern. Nach wiederholten schweren Dürren unterstützte Helvetas die Instandsetzung der traditionellen Ela-Brunnen. Vertreter:innen lokaler Behörden, Dorfälteste, Hirt:innen, Frauen und andere Mitglieder der Dorfgemeinschaften besannen sich auf überlieferte, aber vergessene Regeln, passten diese an und übernahmen gemeinsam die Verantwortung für die Wasserverteilung. Erstmals wirkten dabei auch Frauen mit.

Doch die Wiederbelebung traditioneller Infrastrukturen allein reicht nicht aus, um die Spannungen abzubauen. Mit dem zunehmenden Druck auf natürliche Ressourcen häufen sich Konflikte um den Zugang zu Weideland und Wasser. Helvetas und ihre Partner arbeiten deshalb mit den Gemeinschaften daran, die Zusammenarbeit zwischen traditionellen und staatlichen Institutionen zu verbessern. So sollen Konflikte frühzeitig erkannt und Eskalationen verhindert werden. Mit positivem Ausgang: Nach neun erfolglosen Gemeindetreffen unterstützten Helvetas und ihre Partnerorganisation, das Ethiopian Institute of Peace, einen inklusiveren Gemeinschaftsdialog, durch den der Konflikt gelöst werden konnte. Das Beispiel hat andere Distrikte dazu inspiriert, einen ähnlichen Ansatz bei der Bearbeitung ihrer eigenen Konflikte anzuwenden.

Die Kontexte sind unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen, dass Frieden durch Teilhabe, faire Regeln und die Anerkennung unterschiedlicher Stimmen wächst. Ob ein Projekt den Frieden stärkt, zeigt sich an anderen Faktoren: Finden neue Stimmen Gehör, wie bei den jungen Menschen in Kirgisistan? Empfinden die Beteiligten die Regeln als gerecht, wie die Nutzer:innen der Ela-Brunnen? Und nehmen Gemeinschaften Konflikte auf, bevor sie eskalieren, wie es die Dialogforen in Borana ermöglichen?

In Zeiten sinkender Mittel für die internationale Zusammenarbeit und zunehmend verflochtener Konflikte wird dieser Ansatz wichtiger. Er trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zeiten wachsender Spaltung bei.

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