Positive Friedensarbeit am Titicacasee – Teilhabe, Rechte und Umweltgovernance

Soraya Poma, Präsidentin des Frauennetzwerks, und der Anwalt Julio Mejía Tapia während der Plenarsitzung des Regionalrats von Puno, April 2025. Foto: Centro Bartolomé de las Casas CBC
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Der Titicacasee versorgt rund 2,1 Millionen Menschen mit Wasser und Lebensmitteln. Zugleich bedrohen Klimawandel, Abwässer, Schwermetalle aus dem Bergbau und Siedlungsabfälle die Wasserqualität und die Lebensgrundlagen. Diese Belastungen haben zur Verschärfung von sozialen Konflikten in der Region geführt. Sie betreffen insbesondere indigene Kleinbauernfamilien, die politisch marginalisiert sind und unmittelbar von den natürlichen Ressourcen abhängen.

Frieden versteht Mission 21 nicht nur als Abwesenheit von Gewalt, sondern als positiven Frieden: als gesellschaftliche Verhältnisse, in denen soziale Gerechtigkeit, politische Teilhabe, Gleichberechtigung und der Schutz gemeinsamer Lebensgrundlagen gewährleistet sind. Genau hier setzt die Arbeit unserer Partnerorganisationen in Peru und Bolivien an. Gemeinsam mit indigenen Frauen- und Jugendorganisationen verbinden sie den Schutz des Titicacasees mit der Stärkung individueller und kollektiver Rechte. Ein Beispiel ist die Anerkennung des Sees als Rechtssubjekt. Sie schafft einen rechtlichen und politischen Hebel, um die Interessen lokaler Gemeinschaften gegenüber Verschmutzung, Eingriffen und konkurrierenden Nutzungsansprüchen geltend zu machen. Zugleich stärkt die politische Beteiligung indigener Frauen ihre Rolle in der Raum- und Gewässerschutzplanung.

Friedensförderung zeigt sich somit nicht primär in der Bearbeitung eines offenen Konflikts, sondern in der Veränderung von Bedingungen, die Konflikte begünstigen können. Die Zusammenarbeit von acht Partnerorganisationen ermöglicht Dialoge zwischen Zivilgesellschaft und staatlichen Behörden – etwa beim binationalen Treffen 2026 in La Paz. Dort beteiligten sich bolivianische Fachbehörden im Bereich Wasserversorgung an der initiierten Dialogplattform. In Peru trug rechtliche Beratung entscheidend dazu bei, dass der Antrag des Frauennetzwerks an die Regionalregierung von Puno zur Anerkennung des Sees als Rechtssubjekt angenommen wurde.

Damit stellt sich auch die Frage, woran wir unseren Beitrag zum Frieden erkennen. Im Titicacasee-Projekt lassen sich Wirkungen unter anderem an verbesserter politischer Teilhabe, stärkeren Verbindungen zwischen Zivilgesellschaft und staatlichen Akteur:innen sowie an der Verankerung lokaler Anliegen in politischen und regulatorischen Prozessen beobachten. Zugleich zeigt sich eine Herausforderung: Lokal stark verankerte Partnerorganisationen und Netzwerke verfügen nicht immer über die Kapazitäten und Zugänge, um auf politische Entscheidungsprozesse, regulatorische Rahmenbedingungen und übergeordnete Schutzmechanismen Einfluss zu nehmen. Die stärkere Vernetzung mit nationalen und internationalen Akteur:innen der Wasser- und Umweltgovernance wird deshalb zu einem wichtigen nächsten Schritt.

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