Da die Unterstützung für gewaltfreie Ansätze zur Konfliktlösung unter Druck gerät, die Skepsis gegenüber dem Multilateralismus wächst und Kürzungen bei den internationalen Hilfsbudgets zunehmen, sehen sich Organisationen der Friedensförderung mit steigenden Anforderungen konfrontiert, den Wert ihrer Arbeit nachzuweisen. Dieser Beitrag untersucht, wie adaptives Monitoring, Evaluierung und Lernen (MEL) Organisationen dabei helfen können, nicht nur die Praxis der Friedensförderung zu verbessern, sondern auch die Veränderungen, zu denen sie beitragen, besser zu erfassen und zu kommunizieren.
Angesichts eines historischen Rückgangs der öffentlichen Entwicklungshilfe um 23,1% im Jahr 20251 und schwindender politischer Unterstützung für die Friedensförderung fragen sich Fachleute, wie sie ihre Arbeit rechtfertigen können. Die Forderung, die Wirkung von Entwicklungshilfe im Allgemeinen und der Friedensförderung im Besonderen nachzuweisen, ist nichts Neues. Seit der Veröffentlichung des Berichts «DFID’s Approach to Value for Money» des britischen Ministeriums für internationale Entwicklung (DFID) im Jahr 2011 haben Geldgeber zunehmend ergebnisorientierte Managementsysteme eingeführt und die durchführenden Organisationen aufgefordert, anhand oft komplexer logischer Rahmenkonzepte Bericht zu erstatten sowie an Evaluierungen teilzunehmen, in denen die Effizienz, Wirksamkeit und Wirkung ihrer Massnahmen bewertet werden.
Doch bei Massnahmen zur Friedensförderung ist es keine leichte Aufgabe, solche Aussagen zu treffen. Obwohl der Sektor in die Erarbeitung fundierter Belege für seine Wirkung investiert hat, beispielsweise durch randomisierte Kontrollstudien, lassen sich komplexe Ergebnisse wie Frieden oder Gewaltprävention nicht ohne Weiteres anhand quantitativer Kennzahlen erfassen. Darüber hinaus können die im ergebnisorientierten Management verwendeten linearen Veränderungsmodelle, die von einem Fortschreiten von Aktivitäten über Outputs und Ergebnisse bis hin zu Wirkungen ausgehen, nicht vollständig erfassen, wie sich sozialer Wandel in komplexen Systemen vollzieht.
Die Erkenntnis dieser Komplexität hat zu einem wachsenden Interesse am «Humanitarian-Development-Peace (HDP)-Nexus» geführt, der anerkennt, dass keiner dieser drei Sektoren allein die langwierigen Krisen weltweit bewältigen kann. Zwar wurden bei der Umsetzung des HDP-Nexus Fortschritte erzielt, doch sind die MEL-Systeme nach wie vor weitgehend isoliert und legen weiterhin den Schwerpunkt auf quantitative Berichterstattung.2 Infolgedessen haben sie Schwierigkeiten, den Mehrwert der sektorübergreifenden Zusammenarbeit in den Bereichen humanitäre Hilfe, Entwicklung und Friedensförderung zu erfassen.
Das in Kürze erscheinende Papier von swisspeace mit dem Titel «From Measuring Results to Understanding Change: Adaptive MEL in Complexity» stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, Expert:inneninterviews und praktische Erfahrungen, um zu untersuchen, wie ein anpassungsfähigeres MEL Organisationen dabei helfen kann, komplexe Veränderungen besser zu verstehen. Die dabei verwendeten Methoden gehen über die reine Messung vordefinierter Ergebnisse hinaus. Stattdessen können sie dazu beitragen, komplexe Ergebnisse zu erfassen und Massnahmen besser auf lokal definierte Erfolgsvorstellungen abzustimmen, während sie gleichzeitig kontinuierliches Lernen und Anpassung zur Verbesserung der Friedensarbeit fördern.
swisspeace hat mit Partnerorganisationen zusammengearbeitet, die bestrebt sind, ihren Beitrag zu Frieden und sozialem Zusammenhalt in Kontexten wie Kamerun, Syrien und Afghanistan besser zu verstehen und dabei auf Methoden wie «Outcome Harvesting» zurückgegriffen haben. Anstatt von einem starren, vordefinierten Plan auszugehen und zu fragen, ob dieser erreicht wurde, konzentriert sich dieser Ansatz auf Veränderungen und fragt: «Was hat sich verändert, und wie haben wir zu diesen Veränderungen beigetragen?» Solche Ansätze erfassen Veränderungsprozesse besser, die insbesondere in fragilen und konfliktbetroffenen Kontexten selten linear, vorhersehbar oder auf eine einzelne Intervention zurückzuführen sind.
Ansätze wie «Outcome Harvesting» ermöglichen es uns zudem, unerwartete Ergebnisse zu erfassen und somit über vordefinierte, von oben vorgegebene Definitionen von Frieden hinauszugehen. Frieden ist kontextspezifisch; dennoch wird er selten von jenen Gemeinschaften definiert, in deren Namen Organisationen versuchen, Frieden zu fördern. Tatsächlich neigen sowohl Geldgeber- als auch Durchführungsorganisationen dazu, sich auf ihre eigenen, vorab festgelegten Indikatoren oder Strategien zu stützen, um zu definieren, wie Erfolg aussieht. Im Vergleich dazu schaffen adaptive MEL-Ansätze mehr Raum für kontextbezogene Definitionen von Veränderung. Ein Beispiel hierfür sind die «Everyday Peace Indicators», eine partizipative Forschungsinitiative, die gemeinsam mit Gemeinschaften Indikatoren entwickelt, die deren lokales Verständnis von Frieden widerspiegeln. Ihre Arbeit zeigt, dass das, was Gemeinschaften selbst als Indikatoren für positiven Wandel betrachten, oft Dinge sind, die kein von oben vorgegebenes logisches Rahmenkonzept berücksichtigt hätte – von Veränderungen im Weideland3 bis hin zu weniger Müll auf den Strassen.4
Adaptive MEL-Ansätze vermitteln nicht nur ein tieferes Verständnis von Veränderungen, sondern fördern auch das Lernen und die Verbesserung. Während traditionelle, vorwiegend quantitative Ansätze sich ausschliesslich auf die Frage «Was haben wir erreicht?» konzentrieren, fragt adaptives MEL stattdessen: «Was hat gut funktioniert? Was nicht? Warum haben wir diese Veränderung erreicht? Wie?» Diese Fragen ermöglichen es uns, aus unseren Erfolgen und Misserfolgen zu lernen und voranzukommen.
Zwar herrscht in der Branche gemäss unseren Interviews mittlerweile Einigkeit darüber, dass Friedensförderung flexiblere und kontextsensitivere Methoden der MEL erfordert, doch sind die dafür notwendigen finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen oft begrenzt. Viele Organisationen halten es zwar für machbar, solche Ansätze auf Projektebene anzuwenden, finden es jedoch komplizierter, auf Organisationsebene Schlussfolgerungen über ihren Beitrag zum Frieden zu ziehen. Zahlen lassen sich einfach zusammenfassen; qualitative Belege sind viel schwieriger zu erstellen, zusammenzufassen und zu vermitteln.
Gleichzeitig reichen stichhaltigere Belege allein möglicherweise nicht aus, um Unterstützung für die Friedensförderung zu sichern. Wie in einem aktuellen Bericht des ODI Global hervorgehoben wird, basieren Finanzierungsentscheidungen zunehmend eher auf politischen Entscheidungen als auf Belegen und werden expliziter im Lichte der eigenen nationalen Prioritäten der Geldgeberländer gestaltet. In einer Zeit, in der öffentliche Mittel in die militarisierte Sicherheit fliessen und der Multilateralismus zunehmend in Frage gestellt wird, brauchen Organisationen keinen weiteren 50-seitigen Evaluierungsbericht oder eine weitere Reihe von Indikatoren, um ihre Arbeit zu begründen. Stattdessen benötigen sie glaubwürdige und zugängliche Darstellungen auf Sektorenebene, die zeigen, wie Friedensförderung sowohl lokal als auch global zu sichereren und widerstandsfähigeren Gesellschaften beiträgt.
[1] Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). A historic decline in foreign aid: Preliminary 2025 ODA data. 9. April 2026. https://www.oecd.org/en/data/insights/data-explainers/2026/04/a-historic-decline-in-foreign-aid-preliminary-2025-oda-data.html
[2] Ständige Interinstitutionelle Kommission (IASC), Arbeitsgruppe 4. Mapping Good Practice in the Implementation of Humanitarian-Development-Peace Nexus Approaches. September 2024. https://interagencystandingcommittee.org/iasc-task-force-4-humanitarian-development-collaboration-and-its-linkages-peace/iasc-second-mapping-good-practice-implementation-humanitarian-development-peace-nexus-approaches
[3] Firchow, P., & Ginty, R. M. (2017). Measuring Peace: Comparability, Commensurability, and Complementarity Using Bottom-Up Indicators. International Studies Review, 19(1), 6–27. http://www.jstor.org/stable/26407934
[4] Dixon, P. (2020). Trash is Piling Up in Rural Colombia—That’s a Bad Sign for Peace. Political Violence at a Glance. https://politicalviolenceataglance.org/2020/07/02/trash-is-piling-up-in-rural-colombia-thats-a-bad-sign-for-peace/
[5] Kumar et al. The Case for Development 2025: Exploring New Narrative for Aid in The Context of The EU’s New Strategic Agenda. ODI Global. Juli 2025. https://odi.org/en/publications/the-case-for-development-in-2025-exploring-new-narratives-for-aid-in-the-context-of-the-eus-new-strategic-agenda/